13.05.2021 - 10:17 Uhr
OTon

Unvergleichlich ist besser als perfekt

Autorin Miriam Wittich verliert sich oft in Vergleichen mit anderen. Sie sieht dann viele Schwächen, anstatt sich auf ihre eigenen Stärken zu konzentrieren. Bei ihren Freundinnen hingegen würde sie nie denken, dass sie anders besser wären.

Wir alle sind unterschiedlich – in unserem Wesen und Aussehen, in unseren Wünschen und Zielen. Und das ist gut so. Sogar Barbie gibt es mittlerweile in verschiedenen Ausführungen.
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Ich wusste nicht, worüber ich in diesem OTon schreiben soll. Passiert ja nicht viel. Arbeit halt, immer noch Corona, viel Zeit mit der Familie.

Vielleicht frage ich eine Kollegin oder einen Kollegen, ob sie an meiner Stelle einspringen und eine Kolumne schreiben wollen, dachte ich mir. Andere haben bestimmt viel mehr zu erzählen und zu sagen.

Und da kam es mir: Heute schreibe ich über diese elendige Vergleicherei. Ich tue das immer wieder. Mich vergleichen. Mit Menschen in meinem Umfeld, Freundinnen, Kollegen, und auch mit entfernten Bekannten, gar Fremden im Internet.

Ich rede nicht von Missgunst. Ich bin nicht neidisch und möchte anderen auch nichts wegnehmen. Der Ursprung dieser Vergleiche liegt viel mehr bei mir selbst. In dem Gefühl, nicht genug zu sein, mich ändern zu müssen, um so ... (hier lassen sich beliebige Adjektive einsetzen) wie die anderen zu werden.

Warum bin ich nicht so diszipliniert wie die? Schlecke ein Eis, anstatt Sport zu machen. Wieso nicht so wissbegierig wie der? Liege abends auf der Couch und gucke eine seichte Serie. Ich könnte doch auch ein Buch lesen. Zum Beispiel über Achtsamkeit. Vielleicht würde dann auch das mit dem Vergleichen besser werden. Nee, zu faul.

Diese Überlegungen zeugen vielleicht von wenig Selbstvertrauen. Und das hier niederzuschreiben ist persönlich. Ich tue es trotzdem. Weil ich weiß, dass es nicht nur mir so geht. Viele von uns kennen solche Gedanken: Der Kollege ist talentierter, die Freundin mutiger, der Kumpel umweltbewusster, ...

Da ist die junge Mama, die so glücklich in ihrer neuen Rolle ist. Sich aber trotzdem oft ungenügend fühlt, weil andere Mütter weiterhin große Ambitionen im Job haben. Sie müsste das doch auch wollen, alles unter einen Hut bekommen. Sie war doch vorher selbst erfolgreich. Da ist die taffe Geschäftsfrau, die alles im Griff hat, sich gleichzeitig aber die Frage stellt, was nicht stimmt mit ihr. Als Single – während Gleichaltrige heiraten, Haus bauen und Kinder bekommen. In scheinbar perfekten Partnerschaften, mit den vermeintlich richtigen Schritten zur vermeintlich richtigen Zeit. Warum hat sie das nicht? Das wird ja eh nicht mehr klappen.

Wie absurd, denke ich mir, wenn ich so etwas bei anderen höre. Und alles in mir schreit: Nein, nichts ist falsch an dir! Du bist perfekt, so wie du bist. Einzigartig. Unvergleichlich. Zum Glück. Bleib genau so. Wie langweilig wäre sonst diese Welt.

Und vielleicht sollte ich genau das auch öfter zu mir selbst sagen.

Kollege Matthias Schecklmann war auf Themensuche

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Info:

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In der Kolumne "OTon" schreiben junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien über das, was ihnen im Alltag begegnet. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie sie die jungen Leute tagtäglich für die Leser aufbereiten, sondern um ganz persönliche Geschichten und Meinungen.

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