04.06.2020 - 10:11 Uhr
OTon

Ich vermisse ...

Wegen Corona steht der Amateur-Fußball derzeit still. Hobby-Kickern wie Matthias Schecklmann fällt es deswegen gerade sehr schwer. Er verrät, was genau er vermisst.

Wegen Corona ist derzeit im Amateur-Fußball nicht viel los.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Corona hat mir eine meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen genommen. Ich vermisse den Geruch des frisch gemähten Rasens, der sich so wunderschön unter meine ungeputzten Fußballschuhe schmiegt. Ich vermisse aber auch die Krater im Platz, die mir schon die ein oder andere Verletzung beschert haben. Ich vermisse die Kabinen, mit ihrem unbeschreiblichen Geruch aus Bier, Schweiß und scharfen Salben. Ich vermisse die Malle-Musik, die vor und nach dem Spiel durch die blechernen Boxen dröhnt. Ich vermisse die mit Billig-Waschmittel gewaschen Trikots, die jedem anständigen unterklassigen Fußballer immer zu eng sind. Ich vermisse es aus dem Ballnetz die Hälfte der Bälle auszusortieren, weil die Jugendspieler sie mal wieder nicht aufgepumpt haben. Ich vermisse das Warmmachen vor dem Spiel, das eigentlich nur aus Bolzen aufs Tor besteht. Ich vermisse die pseudo-taktischen Anweisungen der Hobby-Guardiolas an der Seitenlinie. Ich vermisse die betrunkenen Zuschauer, die zu jeder Situation ungefragt ihre Meinung in die Welt schreien. Ich vermisse die Gegenspieler, die nach jedem Foul betonen, dass wir alle morgen wieder zur Arbeit müssen. Ich vermisse es Wasser mit Magnesiumtabletten aus einer kaputten Trinkflasche zu nuckeln, die ich auf jeden Fall nicht fange, wenn sie mir zugeworfen wird. Ich vermisse die ohrenbetäubenden Pfiffe der legendären Schiedsrichter, die mich seit Kindheitstagen begleiten. Ich vermisse nach dem Spiel erschöpft auf dem Platz zu sitzen, bis jemand dir endlich auf die Beine hilft. Ich vermisse es sich mit den Gegenspielern zu unterhalten, als hätte man sich nicht gerade 90 Minuten auf die Füße getreten. Ich vermisse das Bier nach dem Spiel. Ich vermisse den gespannten Blick auf das Smartphone, in der Hoffnung, dass der ungeliebte Nachbarverein eine ordentliche Klatsche bekommen hat. Ich vermisse das Gefühl am Tag nach einem Spiel aufzuwachen und sich kaum bewegen zu können. Kurz gesagt: Ich vermisse meinen Amateur-Fußball.

"Nie ohne mein Team", sagt Redakteurin Miriam Wittich

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Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet - was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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