03.01.2019 - 15:29 Uhr
OTon

Vorbei mit Zauber und Zinnober

Die erste Januarwoche geht zu Ende. Damit enden auch die Tage voll Zauber und Zinnober. Langsam verschwindet die künstliche Glitzerschicht, die alle Gegenstände bedeckt. Auch der Anspruch endet, aus jedem Tag ein Spektakel zu machen.

Was übrig bleibt von der ganzen Feiertagseuphorie ist viel Schall und Staub.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Das Problem mit den Weihnachtsfeiertagen und Silvester ist nämlich, dass sie so aufgeladen sind mit Bedeutung. Ob man sich versöhnt, verliebt, streitet oder hasst. Allem haftet etwas Schicksalhaftes und Symbolisches an. Wenn jemand zum Beispiel an Silvester allein ist, bedeutet das nicht nur, dass die Person keine Lust auf Gesellschaft hat oder gerade niemanden kennt, dem sie sich besonders nahe fühlt. Alleine zu sein an Silvester ist das große Sinnbild für einen auf immer einsamen Menschen. Auch ein Familienstreit an Weihnachten fühlt viel dramatischer als an anderen Tagen, so als würde man etwas Heiliges entweihen und nicht einfach nur unterschiedlicher Meinung und überfordert sein.

Obwohl Weihnachten und Silvester doch nur willkürliche Momente sind, die durch Mythenbildung, Zufälle und astronomische Rechnungen entstanden sind. Dass Menschen deshalb in Kollektivhysterie und Konsumwahn verfallen, ist wohl das deutlichere Zeichen für Verlorenheit. Auf dieser verletzlichen Welt haufenweise Feinstaub in die Luft zu ballern und sich gegenseitig mit Dingen vollzumüllen, nur um den Glücksansprüchen einer kapitalistischen Gesellschaft zu genügen, ist jedenfalls saudumm.

Leider nutzt das logische Denken bei Gefühlen nichts. Auch ich habe geschenkt, auch ich habe geballert und ich war froh, dass mich jemand in der mitteleuropäischen Zeitzone am 31. Dezember um 0.00 Uhr umarmt hat. Wer das nicht hatte, soll bitte nicht traurig sein. Denn auch die Zeitzonen sind nur ein verzweifelter Versuch, den runden Erdball, der da durchs Universum braust, in irgendeine Logik zu pressen.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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