18.02.2021 - 12:52 Uhr
Weiden in der OberpfalzOTon

Corona-Lockdown: „Jugendliche lassen sich nicht von Treffen abhalten“

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Fifa zocken und spazieren gehen: Wenn es um Teenager geht, bleibt der Weidener Sozialpädagoge und JUZ-Mitarbeiter Florian Graf trotz Corona optimistisch – er spricht über Beziehungen und Jugendarbeit in der Pandemie.

Wegen dem Lockdown ist das Jugendzentrum Weiden geschlossen. Langweilig muss es Teenagern deshalb aber nicht werden - es gibt ein breites Online-Angebot.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Die Zeiten sind nicht wie früher, das sei klar. Doch auch wenn die Corona-Pandemie viele Einschränkungen mit sich bringt, in die völlige Isolation würden sich Jugendliche dadurch nicht treiben lassen, meint Florian Graf. Der erfahrene Sozialpädagoge arbeitet am Weidener Jugendzentrum (JUZ) und hat viel mit Heranwachsenden zu tun. Ohne das Virus verharmlosen zu wollen, beim Thema Freundschaft und Beziehungen unter Heranwachsenden gibt er sich optimistisch: „Corona hat zwar die Rahmenbedingungen verändert, aber nicht die Jugendlichen.“

Graf gibt zu, dass durch den Lockdown der persönliche Austausch schwieriger geworden ist „Partys und Discos sind der Hauptort, um Beziehungen aufzubauen. Aber wenn man sich sympathisch ist und sich treffen will, dann tut man das auch. Jugendliche lassen sich durch Corona nicht davon abhalten, neue Leute kennenzulernen.“ Unerschrocken schiebt der 43-Jährige nach: „Wir haben früher auch stundenlang miteinander telefoniert. Jetzt wird halt gechattet oder ein Videocall gemacht. Es haben sich nur die Spielzeuge geändert.“

Ansturm auf Weidener Jugendzentrum

Dennoch weiß auch Graf aus seiner Arbeit im Jugendzentrum, dass die Kontaktbeschränkungen Kinder und Jugendliche belasten. „Unsere JUZ-Kids sehnen sich danach, sich mal wieder in der Freizeit zu sehen – und nicht nur in der Schule.“ Als das JUZ im Herbst kurzzeitig geöffnet hatte, sei dies deutlich geworden. „Damit haben wir nicht gerechnet, aber wir sind förmlich überrannt worden. Das JUZ wird vermisst, das ist klar.“

Sobald es möglich sei, wolle das Zentrum wieder mit der Jugendarbeit beginnen. Das beliebte Seifenkisten-Rennen für den Sommer sei fest geplant. Zuvor soll es schon einen Online-Rap-Contest geben, bei dem Nachwuchsbands antreten. „Das läuft zwar rein online, aber wir konnten noch nicht damit anfangen, weil die Bandmitglieder zum Aufnehmen der Demo-Tapes sich im Studio persönlich treffen müssen. Das geht momentan noch nicht.“

Schon im ersten Lockdown habe das JUZ sein Online-Angebot mit speziellen Workshops massiv ausgebaut. So konnten die Jugendlichen Skateboard-Videos einschicken oder an einem Tanzwettbewerb teilnehmen – die einzeln aufgenommenen Choreographien wurden ins Internet gestellt und miteinander verglichen. „Unser oberstes Ziel ist ein breites Programm. Einfach, um den Jugendlichen so viel Abwechslung wie möglich zu bieten.“ Zudem sei das JUZ-Team über Facebook und Telefon jederzeit per direktem Draht erreichbar.

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Fifa zocken und Joggen

Vom Lockdown genervten Jugendlichen empfiehlt der Sozialpädagoge, aufgeschlossen zu sein für Neues. „Ich rate jedem, neue Sachen auszuprobieren, die er zuvor vielleicht nie gemacht hat. Einfach mal laufen oder spazieren gehen und sich nicht eingraben.“ Graf, selbst bekennender Fan der Playstation 5, schwärmt vom Spielen mit den Konsolen: „Eine Runde Fifa zocken geht immer“. Dazu müsse man sich nicht persönlich treffen und habe dennoch gemeinsam Spaß.

Dass dies die Realität nicht ersetzt, weiß Graf auch, aber: „Natürlich ist das nicht das gelbe vom Ei. Aber es ist die beste Alternative, die wir momentan haben.“ Der Familienvater blickt ungeduldig auf die kommenden Wochen: „Wir wollen wirklich wieder aufmachen, es wird höchste Zeit“, sagt er. Doch der Februar sei „besonders schwierig, wir müssen uns zusammenreißen“, wirbt er um Verständnis für die Beschränkungen. „Danach wird dafür doppelt so viel gefeiert.“

„Ich rate jedem, neue Sachen auszuprobieren, die er zuvor vielleicht nie gemacht hat. Einfach mal laufen oder spazieren gehen und sich nicht eingraben.“


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