16.07.2020 - 13:09 Uhr
Weiden in der OberpfalzOTon

Endlich gutes Bier

Hier in Frankreich gibt es kein ordentliches Bier, klagt José am Telefon. Augenzwinkernd erinnert er an bessere Zeiten, als er noch in München lebte. Seinen alten Studienfreund Wolfgang Fuchs bringt das auf eine Idee.

Das Fass Zoigl ist unbeschadet in Toulouse angekommen. José grüßt die Oberpfalz und erzählt dem kleinen Pau von seiner Zeit als Student in München.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Als wir im März telefonierten, klang mein alter Freund José genervt. Französisches Bier sei einfach furchtbar, klagte er. Kein Vergleich zu Bayern. Er wolle endlich wieder einmal richtiges Bier trinken. In Frankreich sei nur das belgische gut. "Aber teuer! So teuer!" So kam es, dass sich bald darauf ein Fass Zoigl auf die Reise zu José nach Toulouse machte.

Neben Josés Klagelied gibt es dafür noch einen weiteren Anlass: José wird heuer 40. Normalerweise würde er seine grandiose Paella brutzeln und in großer Gesellschaft ins neue Lebensjahr hinein feiern – aber nicht im Jahr 2020. Wenn wir seinen runden Geburtstag coronabedingt schon nicht gemeinsam zelebrieren können, will ich zumindest in anderer Form vertreten sein, beschloss ich. Und was das Bier anbelangt, wohn’ ich eh an der Quelle. Ich sag‘ nur Windischeschenbach.

Doch wie verschickt man Bier per Post, ohne dass es explodiert? Das ein oder andere mal habe er sich Augustiner liefern lassen, gestand José bei unserem Telefonat und lachte. Doch leider überlebten die Flaschen trotz Spezialverpackung die Reise oft nicht. Immer wieder packe er Scherbenhaufen aus.

Flaschen fallen also flach, dachte ich. Aber ein Fass ist viel stabiler. Eingebettet in Altpapier sollte es zumindest nicht zerbrechen. Das Bier wurde gekauft, liebevoll verpackt – und ab die Post. Also ging der Zoigl auf Reisen.

Drei bis sieben Tage Lieferzeit – länger solle es nicht dauern, garantierte die Dame von der DHL. Vermutlich über München und Paris würde es schließlich nach Toulouse gelangen, rechnete ich mir aus. Das bedeutet mindestens dreimal umladen. Aber wie viel Schütteln verträgt ein Zoigl? Darauf konnte auch die Frau von der DHL keine Antwort bieten. Sie zuckte die Schultern. Es blieb nur Daumendrücken.

Zehn Tage später – einen Tag nach Josés Geburtstag -- piepst mein Handy. "Es ist angekommen! (Herzsmiley. Herzsmiley. Herzsmiley.)" Prost, mein Freund! Auf dass es keine Schaumparty werde!

Das Fass Zoigl hat seine Reise von Windischeschenbach nach Toulouse gut überstanden.
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