12.12.2019 - 20:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOTon

Kirche und Instagram: Kein Widerspruch

Sind Pfarrer auf Instagram? Funktioniert Jugendarbeit über soziale Medien? Ja. Zwei junge Katholiken erklären, warum soziale Medien eine Chance für Kirche und Glaube sind.

Auf Instagram gibt Kaplan Lucas Lobmeier Einblicke in seinen Arbeitsalltag
von Eva-Maria Hinterberger Kontakt Profil

Auf dem Foto ist ein dick mit Puderzucker bestreuter Kiachl zu sehen, neben ihm liegt ein rotes Buch mit goldenem Kreuz. "Euch allen einen gesegneten Kirchweih-Sonntag", schreibt Kaplan Lucas Lobmeier darunter. Er hat das Bild auf Instagram geteilt. Es folgen die Hashtags #waskaplänesomachen und #digitalekirche.

Der 30-Jährige, der ursprünglich aus dem Landkreis Regensburg stammt, ist seit Herbst in der katholischen Pfarrei St. Marien in Sulzbach-Rosenberg im Einsatz. Über Instagram lässt er sein Umfeld an seinem Leben und Arbeitsalltag als junger Kaplan in der Oberpfalz teilhaben. "Ich betreibe aber kein Product-Placement für mich oder die Kirche", betont er. Er zeigt lediglich ein Bild von sich selbst auf seiner Seite - sein Profilbild. Aber: "Ich hoffe, dass ich dem ein oder anderen einen Impuls mitgebe."

Zum Beispiel mit dem Hashtag #bibelteilen. Angestoßen hat dieses ein katholischer Theologe und Mediengestalter. "Er gibt für jede Woche einen Abschnitt der Bibel vor." Wer möchte, kann das, was ihm zu diesen Zeilen einfällt, über Instagram teilen. "Es ist interessant, wie unterschiedlich diese Gedanken zu der gleichen Bibelstelle sind." Lobmeier hat sich für seine Gedanken ein kleines Büchlein zugelegt. Fotos von den jeweiligen Einträgen veröffentlicht er dann im Internet. "Wer Ohren hat zum Hören, der hören! Damit Jesu Worte in dir Wurzeln schlagen", ist zum Beispiel in blauer und gelber Schrift zu lesen. Daneben hat er einen Baum gezeichnet.

Rückmeldung zu seinen Posts bekommt Lobmeier selten. Aber das ist auch nicht sein Ziel. Er sagt aber auch, dass jeder selbst wissen muss, wie viel er in sozialen Netzwerken von sich preisgibt. Gerade im norddeutschen Raum gebe es viele junge Kirchenangehörige, die viel offener seien - vor allem aus evangelischen Gemeinden.

Der Kaplan erzählt von einer jungen evangelischen Vikarin, die ihre erste Stelle auf dem Land angetreten hat. "Sie geht auf Instagram ganz offen mit den Problemen um, mit denen sie dort konfrontiert wird, aber auch mit ihren eigenen Fragen und Zweifeln." Für Lobmeier sind Facebook, Instagram und Co. nicht nur ein Mittel, um Menschen zu erreichen, sondern auch, um mit Kollegen in Kontakt zu bleiben. Um zu merken, dass viele von ihnen mit den selben Problem zu tun haben. Es ist ein indirekter Austausch untereinander. "Es ist quasi Seelsorge für Seelsorger."

Glaube, Kirche und soziale Medien sind also kein Widerspruch - weder für Kaplan Lucas Lobmeier, noch für seine Kollegen. "Wir haben eine supertolle Botschaft. Da ist es gut, verschiedene Möglichkeiten zu haben, diese zu verbreiten", sagt Martina Troidl, Jugendreferentin an der Katholischen Jugendstelle Weiden. Denn: "Ohne soziale Medien ist es für uns nicht mehr möglich, die Menschen in dem Umfang zu erreichen, wie wir sie erreichen wollen."

Zum Beispiel indem man den Gottesdienst per Live-Stream teilt? "Das ist eine Möglichkeit, den Menschen zu zeigen, das Kirche sehr vielfältig ist", sagt Lobmeier. Auch habe es Übertragungen von Gottesdiensten - sei es nun im Radio oder im Fernsehen - schon früher gegeben. Aber: "Ein Livestream kann natürlich das gemeinsame Erlebnis der Eucharistie nicht ersetzen", ergänzt Troidl.

Einen weiteren Vorteil der sozialen Medien für ihre Arbeit sehen Lobmeier und Troidl in der niedrigen Hemmschwelle. Die Leute würden sich viel eher trauen, mit ihnen in Kontakt zu treten. Nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Eltern, wie Troidl betont. Das führt jedoch auch zu Problemen: "Oft entstehen dadurch Seelsorgegespräche. Das möchte ich aber eigentlich nicht über soziale Medien machen. Aber ich kann das natürlich auch nicht einfach abbrechen", sagt Troidl.

Auch von einer Beichte per Twitter oder Facebook halten die beiden nichts. "Laut Kirchenrecht ist die Beichte nur persönlich möglich", sagt Lobmeier. Das Wort "Beichte" sei im Zusammenhang mit sozialen Medien negativ behaftet. Er nennt Seiten wie "Schülerbeichte" oder "Dein Beichtstuhl", auf denen vor allem junge Menschen anonym Lehrer diffamieren oder peinliche oder aus ihrer Sicht coole Erlebnisse anonym mitteilen. "Dort versuchen sich die Leute gegenseitig mit ihren Aussagen zu übertreffen", kritisiert Lobmeier.

Lucas Lobmeier und Martina Troidl sehen in Facebook, Instagram und Co. vor allem eine große Chance, um auch weiterhin ein Teil der Lebenswelt von jungen Menschen sein zu können. Eine Möglichkeit, die Menschen weiterhin zu erreichen - weiterhin wahrnehmen zu können, was sie bewegt. Aber, wie es Lobmeier zusammenfasst: "Nach der Kontaktaufnahme in der virtuellen Welt müssen wir den Sprung in die reale Welt schaffen."

Martina Troidl und Lucas Lobmeier sehen in sozialen Medien eine Chance für die Kirche.

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