20.07.2018 - 10:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOTon

Leben im Pippi-Style

"Ich mach mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt": Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstochter Langstrumpf ist mehr als ein freches, wildes Kind. Sie kann ein Vorbild sein. Auch für Erwachsene.

Pippi Langstrumpf und ihr Äffchen Herr Nilsson.
von ​Tina Sandmann Kontakt Profil

Es ist Freitag, 19 Uhr. Alle Artikel für die Samstagsausgabe sind fertig geschrieben, die Seiten sind gelesen und korrigiert. Feierabend! Wochenende! Das ist allerdings kurz. Es steht ein Sonntagsdienst an. Nur ein freier Tag in dieser Woche. Puh! Und es ist am Samstag einiges zu tun: Haushalt und Einkauf am Vormittag. Die Kolleginnen wollen am Nachmittag einen Stadtbummel machen. Am Abend ist ein Sommerfest.

Bei so viel Programm am einzigen freien Tag wird mir ganz schlecht. Haushalt und Einkauf lässt sich nicht vermeiden. Das muss einfach. Aber der Rest? Ist es wirklich sinnvoll, sich so viel Freizeitstress anzutun? Ich will nach dem Putzen eigentlich mit einem Buch auf dem Balkon sitzen und nichts tun. Mal daheim sein.

Vor einigen Monaten wäre ich auf jeden Fall zum Shopping mitgegangen. Ich hätte mich auf das Fest gezwungen, obwohl ich beim Gedanken daran schlechte Laune bekam. Jetzt nicht mehr. Ich tue nur Dinge, die ich wirklich will. Im Job oder bei Verpflichtungen geht das meistens nicht. Aber in der Freizeit. Warum soll das Privatleben in Stress ausarten? Wir machen sowieso zu viele Dinge, die wir nicht wollen. Zähneknirschend, schlecht gelaunt. Aber wir tun es.

Ich nicht mehr. Mein neues Vorbild: Pippi Langstrumpf. Eine der tollsten fiktiven Figuren, die es gibt. Sie lebt in einem kunterbunten Haus, mit einem Äffchen und einem Pferd und zieht ihr Ding durch. Ich gehe also nicht mit zum Shoppen. Meine Erklärung: Ich wäre kein angenehmer Begleiter. Würde nur darauf warten, dass es vorbei ist und ich wieder heim kann. Ob ich am Abend auf das Fest gehe, entscheide ich spontan. Egoistisch? Klar. Total. Aber was bringt es, wenn jeder Rücksicht auf die anderen nimmt und sich selbst vernachlässigt? Nichts. Also.

Zusagen sind schnell gemacht. Zu schnell. Und immer absagen ist scheiße. Deshalb überlege ich schon bei der Planung, ob ich das will. Wenn nicht, sage ich gar nicht erst zu. Die Fronten sind geklärt, niemand ist sauer. Es entstehen keine Erwartungen, die ich nicht erfüllen will.

Am nächsten freien Wochenende bin ich wieder für jede Schandtat zu haben. Nicht weil ich muss. Weil ich will. Pippi Langstrumpf wäre stolz auf mich.

Info:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen. Alle Teile dieser Kolumne sind zu finden unter onetz.de/oton.

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