17.01.2020 - 16:18 Uhr
Weiden in der OberpfalzOTon

"Jeder Mensch hat einen würdigen Abschied verdient"

Jakob Völkl ist 17 Jahre alt und macht eine Ausbildung zum Bestatter. Im Interview erzählt er, warum er sich für diese Tätigkeit entschieden hat, und weshalb viele Menschen eine falsche Vorstellung von dem Beruf haben.

Ein Bestatter berät Hinterbliebene bei der Wahl des geeigneten Sarges. Doch das ist bei weitem nicht die einzige Aufgabe, sagt Jakob Völkl. Der Beruf des Bestatters werde oft falsch eingeschätzt.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Sie tragen schwarz, hören düstere Musik und sind meistens traurig – Klischees über Bestatter gibt es viele. Doch treffen sie wirklich zu? Jakob Völkl macht eine Ausbildung zum Bestatter und widerspricht vehement.

ONETZ: Jakob, du bist 17 Jahre jung. Warum willst du Bestatter werden?

Jakob Völkl: Jeder Mensch hat einen würdigen Abschied verdient, egal ob reich oder arm. Ich möchte das ermöglichen. Und ich möchte Angehörigen etwas Last abnehmen und ihnen dabei helfen, ihre Trauer zu verarbeiten. Bestatter ist eine sehr vielseitige Tätigkeit. Jeder Tag ist unterschiedlich. Die Anforderungen sind je nach Situation verschieden. Ich brauche die Abwechslung.

ONETZ: Wie bist du auf diesen Beruf aufmerksam geworden?

Jakob Völkl: Als ich in der neunten Klasse war, mussten wir ein Praktikum machen. Damals hatte ich schon mehrere Youtube-Videos über den Bestatterberuf gesehen. Ich hatte mich aber schon zuvor dafür interessiert, wie das mit den Bestattungen genau abläuft. Das Praktikum im Bestattungsinstitut Bauer hat eine Woche gedauert und ich war begeistert. Der Höhepunkt für mich war, als ich mit nach Hohenburg ins Krematorium durfte. Der Prozess der Kremation ist sehr interessant. Das hat mich fasziniert. Das ist nichts Alltägliches. Nach dem Praktikum war für mich klar: Sowas will ich machen. Später habe ich zwar noch ein weiteres Praktikum als Gärtner gemacht, aber dieser Beruf kam nicht für mich in Frage. Ich wusste da schon: Ich will Bestatter werden. Das hat dann auch geklappt. Seit September bin ich beim Bestattungsinstitut Bauer in Ausbildung.

ONETZ: Wie haben deine Eltern und Freunde auf deine Berufswahl reagiert?

Jakob Völkl: Meine Mutter hat gesagt, ich soll mir das erstmal anschauen. Mein Vater war anfangs schockiert und sprachlos. Aber nach dem Praktikum und nach allem, was ich ihm erzählt habe, konnte ich ihn überzeugen. Er hat gemerkt, dass ich mich wirklich gut informiert habe und weiß, was ich tue. Von meinen Freunden haben es viele am Anfang nicht glauben können. Manche haben mich ausgefragt. Viele sagen, sie könnten das nicht. Als Außenstehender hat man eine falsche Vorstellung von dem Beruf. Die meisten ahnen nicht, was da alles dranhängt. Das ist schade.

ONETZ: Wie reagierst du auf Vorurteile?

Jakob Völkl: Ich erkläre den Leuten, was wir machen und warum ich den Beruf mache. Die Meisten lassen sich dann auch überzeugen – manche finden es trotzdem komisch. Tod und Sterben sind bei uns in Deutschland Tabu-Themen. Da wollen viele nicht darüber reden. Vielleicht, weil viele dann an ihren eigenen Tod denken.

ONETZ: Es gibt viele Klischees über Bestatter: Hörst du nur düstere Musik? Und was machst du eigentlich in deiner Freizeit?

Jakob Völkl: Ich spiele Fußball beim FC Tirschenreuth. Generell mache ich viel Sport, gehe gerne Mountainbiken. Außerdem spiele ich in einer Jugend- und Blaskapelle Schlagzeug. Ansonsten höre ich am liebsten Radio. Ich trage auch ganz normale Kleidung in meiner Freizeit: Jeans, Pullis, Sportklamotten. Ich denke, die Vorstellung vom Beruf des Bestatters reicht weit zurück: Zwei kommen, holen den Verstorbenen ab, machen das Grab – und das war es dann. Aber der Beruf hat sich stark verändert. Klischees gibt es natürlich viele: Bestatter seien traurig, genervt, düster, hätten keine Lebensfreude, lachten nie, hätten keine Gefühle. Aber das stimmt überhaupt nicht. Die Leute unterscheiden oft nicht zwischen Person und Beruf.

ONETZ: Du sagst, der Beruf hat sich stark verändert. Was macht ein Bestatter heute?

Jakob Völkl: Ein Bestatter ermöglicht Hinterbliebenen einen würdigen Abschied und begleitet sie in einer schwierigen Phase. Zunächst klären wir im Gespräch, wo der Betreffende verstorben ist und ob es schon eine Leichenschau gegeben hat. Dann planen wir mit dem Hinterbliebenen das weitere Vorgehen. Es gibt ein Trauergespräch. Dann eine ganze Reihe an Formalitäten. Wir setzen eine Todesanzeige und kümmern uns um Beurkundungen im Krankenhaus und Standesamt und vereinbaren einen Beerdigungstermin. Dann organisieren wir die Beerdigung. Wir beraten bei der Auswahl der Sterbebilder, des Blumenschmucks, der Art der Bestattung, der Sargwahl. Natürlich übernehmen wir auch die hygienische Versorgung des Verstorbenen.

ONETZ: Darfst du schon uneingeschränkt mitarbeiten?

Jakob Völkl: Ja. Nur Trauergespräche darf ich noch nicht selber führen. Für diese braucht man viel Erfahrung und ein gutes Einfühlungsvermögen.

ONETZ: Wie läuft so ein Gespräch ab?

Jakob Völkl: Jedes Gespräch ist anders, je nach Situation. Bei einem plötzlichen Tod sind die Leute oft sehr emotional. Wenn sie sich länger darauf vorbereiten konnten, dann doch eher gefasst.

ONETZ: Belastet dich deine Arbeit persönlich?

Jakob Völkl: Ich versuche die Trauer nicht zu sehr an mich herankommen zu lassen. Aber meine Einstellung zum Leben hat sich schon ein bisschen verändert.

ONETZ: Inwiefern?

Jakob Völkl: Manchmal denke ich schon über den Sinn des Lebens nach. Wie ist das, wenn man stirbt? Krieg ich da noch was mit? Für mich gehört der Tod zum Leben dazu. Irgendwann ist es für jeden soweit. Ich mache mir da keine so großen Gedanken darüber, habe keine Angst vorm Tod. Ich denke, man sollte für jeden Tag dankbar sein. Manchmal geht man vielleicht zu fahrlässig mit seinem Leben um. Ich will positiv sein und Freude im Leben haben – auch wenn man mal ein Tief hat. Es ist wichtig daran zu glauben, dass man da wieder rauskommt. Ich will immer motiviert sein, etwas im Leben zu schaffen und das umsetzen, was ich mir vornehme. Wenn man sich anstrengt, schafft man vieles.
Manchmal reichen auch Kleinigkeiten, damit man sich freuen kann. Zum Beispiel wenn Angehörige kommen und erzählen, dass bei der Beerdigung alles genau ihren Wünschen entsprochen hat.

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