Weiden in der Oberpfalz
02.04.2026 - 09:00 Uhr

OTon: Und was sagt dein Freund dazu?

Eine Beziehung kann nur funktionieren, wenn das „Ich“ nicht auf der Strecke bleibt. Auch aus diesem Grund verreist Lisa Sebald auch ohne ihren Partner – oder geht alleine auf Konzerte. Eifersucht spielt dabei nie eine Rolle.

Damit eine Beziehung funktionieren kann, ist gegenseitiges Vertrauen und Freiräume lassen wichtig, meint Lisa Sebald. Symbolbild: Petros Karadjias/AP/dpa
Damit eine Beziehung funktionieren kann, ist gegenseitiges Vertrauen und Freiräume lassen wichtig, meint Lisa Sebald.

Sobald man in einer Beziehung ist, verschmelzen zwei Personen zu einer – zumindest glauben das Menschen aus meinem Umfeld. Für manche gibt es in einer Partnerschaft kein „ich“ mehr, sondern nur noch ein „wir“. Für diese Personen bedeutet das auch: Zum einen nichts mehr ohne den Partner unternehmen zu wollen, zum anderen nichts mehr ohne das Einverständnis des Partners unternehmen zu dürfen. Ich hingegen muss mich schon bei der Bezeichnung „bessere Hälfte“ innerlich übergeben. Ich bin ganz und mit Sicherheit nicht die Hälfte von irgendetwas.

Zum Beispiel Arzttermine: Wie oft habe ich schon in schockierte Gesichter blicken dürfen, weil ich mich von einem Frauenarzt untersuchen lasse. Einem Mann! Nicht selten fällt dann die Frage: „Und was sagt dein Freund dazu?“ Auch wenn ich ihn nie gefragt habe, was er davon hält, bin ich mir sicher, er findet es gut, dass ich die jährliche Vorsorgeuntersuchung wahrnehme.

Auch, dass Eifersucht in unserer Beziehung keine Rolle spielt, ist für manche Menschen aus meinem Umfeld unvorstellbar. „Ein bisschen Eifersucht ist gesund für eine Beziehung.“ Nein, ist sie nicht. Und ja, ich gehe trotz Beziehung weiterhin mit einem Kumpel, mit dem ich seit der Schulzeit befreundet bin, ins Kino oder ins Theater.

Sehr oft fällt die Frage „Aber was sagt dein Freund dazu?“ auch im Zusammenhang mit Reisen und Konzerten, die ich alleine erlebe, gefolgt von dem Satz: „Also ich könnte das nicht.“ Die zweite Aussage kann ich in gewisser Weise noch nachvollziehen, mich hat es auch Überwindung gekostet, zum ersten Mal alleine auf ein Konzert zu gehen. Das war 2016 und ich war 22 Jahre alt.

Seither besuche ich regelmäßig Veranstaltungen alleine und übernachte auch in anderen Städten. Zum Beispiel fahre ich dieses Jahr für fünf Tage nach Wien, weil ich Tickets für den Eurovision Songcontest habe. Mein Freund ist weder Fan von der Musik noch von der Veranstaltung. Warum sollte er also mehrere Hundert Euro ausgeben, wenn er weiß, dass er dort keinen Spaß haben wird? Und wieso sollte ich darauf verzichten, nur weil er nicht mitkommen will?

Paare können das natürlich handhaben, wie sie wollen, solange sie damit glücklich sind. Für mich sind gegenseitiges Vertrauen und Freiräume lassen aber Voraussetzungen dafür, dass eine Beziehung funktionieren kann.

Hintergrund:

OTon

    Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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