04.07.2019 - 12:02 Uhr
OTon

Zuckersüße Erinnerungen

Die unbeschwerte Kindheit ist vorbei. Im neuen OTon beschreibt Mona-Isabelle Aurand, wie eine bestimmte Süßigkeit sie hin und wieder daran erinnert und nostalgische Gefühle in ihr auslöst.

Die Brause-Ufos wecken im Kolleginnenkreis zuckersüße Erinnerungen an eine unbeschwerte Kindheit.
von Redaktion ONETZ Kontakt Profil

Manche Dinge verlieren im Laufe eines Lebens an Bedeutung: die Kuscheltiere, die einen als Kind über das aufgeschürfte Knie hinwegtrösteten, oder die Märchenfilme, die am Sonntagnachmittag zum Pflichtprogramm gehörten. Manchmal verirren sich aber ein paar dieser inzwischen scheinbar unbedeutenden Dinge zurück in unseren Alltag und lösen ein euphorisches Gefühl von Nostalgie aus.

So ging es mir vor ein paar Wochen. Eine Kollegin brachte Nervennahrung mit ins Büro. Darunter: Brause-Ufos. Diese kunterbunten Esspapier-Ufos, die mit fruchtig-säuerlicher Brause gefüllt sind. Oh man, habe ich die als Kind geliebt. Wenn ich einmal angefangen hatte, sie zu essen, konnte ich nicht mehr aufhören.

Also nichts wie eintauchen in die Erinnerungen einer unbeschwerten Kindheit. Erst mal schütteln, um die Brause im Innern zu lösen, dann an einer Seite aufbeißen und die Brause auf einmal in den Mund schütten. Während sie mir prickelnd auf der Zunge zergeht, fühle ich mich wieder wie ein neunjähriges Mädchen. Zum Schluss kommt das Esspapier, das wie damals selbstverständlich an Gaumen und Zähnen kleben bleibt. Das Faszinierende daran: Meine Kolleginnen machen es genauso. Gemeinsam hängen wir unseren Gedanken an eine zuckersüße Vergangenheit nach.

Irgendwie schmecken die Brause-Ufos heute sogar noch besser als vor 20 Jahren. Oder bilde ich mir das nur ein, weil die Süßigkeit eine wunderbare Zeit in mir wiedererweckt? Herumtollen im Gras, auf Bäume klettern, mit zerrissenem Sommerkleid nach Hause kommen … Ich überlege, welche Sorte der Kribbelbrause-Ufos ich damals am liebsten hatte. Die Blau-Grünen? Oder doch eher die Rosa-Weißen? Ich weiß es nicht mehr. Also probiere ich mich durch die unterschiedlichen Farben – immer in freudiger Erwartung, ob die Brause eher süß oder säuerlich schmeckt. Eine Wundertüte mit Geschmacksexplosion.

Zwei Wochen später steht der große Wocheneinkauf an. Während ich im Supermarkt an der Kasse anstehe, entdecke ich in einer Grabbel-Kiste neben dem Tresen diese heißgeliebten Süßigkeiten. Aber diesmal muss ich nicht Mama oder Papa fragen, ob sie mir eine Tüte kaufen. Ich überlege nicht lange und greife zu. Am Abend sitze ich mit meiner Packung Oblaten-Ufos im Arm auf der Couch – und vergesse das bitter-süße Erwachsenen-Dasein für ein paar kribbelnde Momente.

OTon:

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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