16.05.2018 - 17:38 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Wirtschaftsexpertin Claudia Kemfert in Ursensollen Die Chancen einer Energiewende

Durch das Festhalten an überkommenen Strukturen des Energiemarktes ist die Energiewende schon viel zu lange hinausgezögert worden: Das betont die Wirtschaftsexpertin Claudia Kemfert in Ursensollen. Ihr Thema dort lautet " Mythen, Macht und Monopole".

Wirtschaftsexpertin Claudia Kemfert sprach im Kubus über die Vorteile einer Energiewende. Bild: pwpt
von Redaktion OnetzProfil

Claudia Kemfert, Professorin und Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt des deutschen Instituts für Wirtschaft, war am Montagabend zu Gast im Kubus. Auf Einladung des ÖDP-Kreisverbands sprach sie über die Chancen der Energiewende in einem gut gefüllten Saal.

Politische Handlanger

Kemfert zufolge werden die erneuerbaren Energien zum Opfer ihres eigenen Erfolges: Das fossile Kapital sei stets in der Lage, Handlanger auf politischen Ebenen zu finden. "Konflikte um fossile Energien nehmen nicht ab", stellt die Expertin fest. Allerdings sei die Lösung dieses Problems in den erneuerbaren Energien zu finden. In fast allen Sektoren sei die Nutzung fossiler Brennstoffe in den vergangenen Jahren zurückgegangen und die Emissionen konnten gesenkt werden. Nur im Verkehr habe sich seit über 20 Jahren nichts verändert. "Dass die Motoren der Fahrzeuge, die heute gebaut werden, effizienter sind, das ist richtig", gab Kemfert zu. "Aber die Autos werden immer größer und schwerer, und die Effizienzvorteile, die uns der Motor bietet, werden dadurch vollständig überkompensiert."

Für höchst problematisch hält es die Expertin, dass die neue Regierung gleich als erste Amtshandlung beschlossen habe, die Klimaziele bis 2020 nicht erreichen zu wollen. "Die Aufgabe der Klimaziele sollte im Politischen niemals stattfinden, sondern man muss alles tun, damit die Emissionsminderung soweit wie möglich auch umgesetzt wird", mahnte die Ökonomin. "Das Zeitfenster, es schließt sich einfach, wir können es nicht unendlich nach hinten verschieben. Dafür bleibt uns schlichtweg keine Zeit mehr."

Auch im Bereich der Besteuerung gebe es einige Verzerrungen, die dazu beitragen, dass die Energiewende nur langsam voran geht. Der Wirtschaftswissenschaftlerin zufolge wird der Strom derzeit sehr stark belastet, wohingegen für fossile Energien in den vergangenen Jahren kaum mehr Abgaben gefordert worden seien. Deshalb sei es Zeit für eine neue, ökologische Steuerreform, die die fossilen Energien stärker besteuert und erneuerbare entlastet.

Klare Vorteile

Für die Wirtschaftsexpertin liegen die Vorteile von erneuerbaren Energien klar auf der Hand: Volkswirtschaftlich gesehen brächten sie den Regionen die Möglichkeit zur Wertschöpfung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Zudem könnten regionale Handwerker gestärkt und Innovationen vorangetrieben werden. Schließlich mache man sich damit immun gegen weltweite Energiekrisen, da man sich den Lieferanten von fossilen Rohstoffen nicht mehr schutzlos aussetzen müsse.

Zitate

"Das fossile Kapital will nicht, dass die erneuerbaren Energien erfolgreicher werden.

"Wir könnten eine Welt mit mehr Demokratie, mit mehr Partizipation und mehr Frieden haben, weil die erneuerbaren ganz anders als die fossilen Energien das Potenzial besitzen, diese Werte und Entwicklungen zu stärken."

"Die Autobauer behaupten, nur mit dem Diesel können wir die Klimaziele erreichen. Die Statistiken zeigen aber, dass das so nicht stimmen kann."

"Es geht darum, die erneuerbaren Energien wirklich ins Zentrum zu rücken und sie nicht nur in den Randbereichen zu belassen, denen man dann auch alle Probleme und alle Schwierigkeiten zuordnet. Nur so können neue Geschäftsmodelle entwickelt werden."

"Ihnen, meine Damen und Herren, wird das Leben schwer gemacht mit allen möglichen Mythen, die ständig da sind. Es ist aber wichtig, dass man sich da nicht beirren lässt, sondern einfach weitermacht."

Professor Claudia Kemfert

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