Gleich in der ersten Woche der bayerischen Sommerferien starten die 16- bis 26-Jährigen durch. Sie kommen aus Ländern wie Mexiko, Armenien, der Ukraine, Spanien und anderen Teilen der Welt und machen freiwillig an dem Naturschutzprojekt mit. Dafür nehmen sie viel auf sich. Manche reisen zwei Tage an - mit dem Flugzeug, der Bahn und dem Bus. Sie sind Teilnehmer der Workcamps der IJGD (Internationale Jugendgemeinschaftsdienste). Interkultureller Austausch und Naturschutz stehen laut Jacqueline Langhorst, Projektreferentin für internationale Workcamps, im Vordergrund dieses Projekts. "Es ist eine tolle Erfahrung, die die Jugendlichen da machen", findet auch Nina Forster, Leiterin des Fledermaus-Projekts. Es ist das zweite Mal, dass die Gemeinde Ursensollen mit den IJGD zusammenarbeitet.
Herzschmerz inklusive
Angefangen hat alles 2015 mit der Errichtung des Artenschutz-Turms. Auch hier gab es ein Workcamp. Noch heute schwärmen die Beteiligten von diesem Erlebnis. Vor allem die kulinarischen Raffinessen der Jugendlichen, die stets selbst und landestypisch gekocht haben, sind noch im Gedächtnis. "So manch einer hat hier auch sein Herz verloren", sagt Bürgermeister Franz Mädler mit einem Schmunzeln.
Neben der Arbeit an der Höhle steht wieder ein bunt gestaltetes Freizeitprogramm an. Die jungen Leute, die während ihres Aufenthalts zusammen mit zwei Betreuern in der Grundschule unterkommen, besuchen Amberg und Regensburg und, als besonderes kulturelles Highlight, die Kirwa in Hohenkemnath. Die überschneidet sich nicht ganz zufällig erneut mit dem dreiwöchigen Workcamp. "Ein Mädel aus Moskau war damals so begeistert, dass es sich unbedingt ein Dirndl kaufen musste", erinnert sich Mädler.
Ihm war es auch besonders wichtig, den geschichtsträchtigen Bräukeller aufzuwerten. "Dafür wollten wir nicht irgendeine auswärtige Firma beauftragen", sagt das Gemeindeoberhaupt. Lieber sei es ihm, dass Ursensollen das selbst in die Hand nimmt. Unterstützung, nicht nur finanzieller Art, bekommt die Gemeinde vom Amt für ländliche Entwicklung, vertreten durch Armin Friedrich und Huberta Bock.
73 000 Euro rechtfertigen
Die Sanierung des Kellerhäusls, wie es auch im Volksmund genannt wird, zu einer Fledermaushöhle kostet um die 73 000 Euro. Das Amt für ländliche Entwicklung beteiligt sich mit 40 000 Euro. Ein Fledermausprojekt mit einer Fördersumme von über 70 000 Euro zu rechtfertigen, sei gar nicht so leicht, gibt Isabel Lautenschlager vom Naturpark Hirschwald, der das Projekt ebenfalls unterstützt, zu bedenken.
Der Großteil davon sind Materialkosten, da die Jugendlichen ja freiwillig arbeiten. Lautenschlager merkt an, dass das Fledermaushaus in Hohenburg rund eine Million gekostet habe, somit relativiere sich die Summe wieder. Auch aus ihrer Sicht ist es "ein tolles Naturpark-Projekt." Später sollen auch Schautafeln aufgestellt und, zu Zeiten, in denen es die Fledermäuse nicht stört, Führungen für Schulklassen, Kindergärten und andere Gruppen angeboten werden. So wird aus einem maroden, unbenutzten, jahrhundertealten Felsenkeller ein Ort des Lernens und des Naturschutzes.
Was eine Fledermaus so braucht, um sich wohlzufühlen, das verrät der Experte Rudi Leitl, mit dem die Gemeinde eng zusammenarbeitet. So hoffen alle Beteiligten, dass sich bald viele Fledermäuse im Bräukeller und in den geplanten Brutkästen einnisten. "Vielleicht können wir sogar die Große Hufeisennase in den Norden locken", sagt Mädler.













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