Vilseck
14.05.2018 - 15:16 Uhr

200-jähriges Fahnenjubiläum in Vilseck : Krieger- und Reservisten feiern die älteste Fahne Bayerns

Welcher Verein hat wohl noch eine 200-jährige Fahne im Einsatz, die im Original erhalten ist? Diese Besonderheit, die in Bayern seines Gleichen sucht, gibt es in Vilseck bei der Krieger- und Reservistenkameradschaft. Mit großem Stolz feiert der Verein dieses historische 200-jährige Fahnenjubiläum.

Stolz wird die älteste Kriegerfahne Bayerns präsentiert. (Von links): Stellvertr. Vorsitzender der Krieger- und Reservistenkameradschaft Heinrich Deinzer; Vorsitzender Maximilian Hammer; Kulturbeauftragte der Stadt Vilseck, Adolfine Nitschke  und 1. Bürgermeister Hans-Martin Schertl.
Stolz wird die älteste Kriegerfahne Bayerns präsentiert. (Von links): Stellvertr. Vorsitzender der Krieger- und Reservistenkameradschaft Heinrich Deinzer; Vorsitzender Maximilian Hammer; Kulturbeauftragte der Stadt Vilseck, Adolfine Nitschke und 1. Bürgermeister Hans-Martin Schertl.

Vilseck. Im Tagebuch von Heinrich Winkelmaier, einem 1762 gebürtigen Vilsecker, ist zu lesen: „1818, den 31. Mai, ist die Fahnenweihe von unserem Bataillon gewesen. Auf dem Markt am Rathaus war ein Altar aufgebaut, eine Messe ist gelesen worden von unserem Pfarrer Tremel und eine feierliche Zeremonie und eine Weihung der Fahne gehalten worden.“
Jeder der anwesenden hohen Militärs hat damals einen Nagel in den Fahnenstiel geschlagen, und schöne Bataillonsmusik ist erklungen. Winkelmaier schreibt weiter: „Auf den Dächern und Bodenfenstern haben die Menschen zugesehen. Nach aller Feierlichkeit ist beim Weinwirt Leonhard Schertl eine Tafel für 40 Personen gegeben worden, und in mehreren Wirtshäusern ist alles lustig in der ganzen Nacht zugegangen.“ Durch dieses schriftliche Dokument ist belegt, dass die Fahne nun exakt zwei Jahrhunderte alt ist und die Fahnenweihe 1818 ganz groß gefeiert wurde.
Die Fahne wurde dem damaligen Bürgerwehrbataillon in Vilseck von König Maximilian Joseph I. von Bayern persönlich gestiftet. Die Einsätze der Bürgerwehr waren alle unkriegerisch und unspektakulär. Es galt im Notfall die eigene, engere Heimat zu verteidigen. Man leistete polizeiliche Unterstützungsdienste und hielt Wache an militärischen Objekten. Die Fahne wurde bei Paraden, sowie bei weltlichen und kirchlichen Feierlichkeiten mitgeführt und verlieh militärischen Glanz.
Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1868 verloren die Bürgerwehren in Bayern ihre Bedeutung und wurden aufgelöst. So übergaben die Vilsecker ihre Fahne der Stadtverwaltung zu treuen Händen. Als nach dem siegreichen Feldzug 1870/1871 der Veteranen- und Kriegerverein Vilseck gegründet wurde, erhielt dieser die ehrwürdige Fahne als Vereinsfahne zurück. Nach dem 2. Weltkrieg kam das historische Stück erneut zu Ehren. Es erhielt 1960 beim 75-jährigen Gründungsfest des Kriegervereins auf Veranlassung von Herzog Albrecht von Bayern die Kronprinz-Rupprecht-Medaille verliehen. Um das Jahr 2000 wurde die Fahne bei der Regens-Wagner-Einrichtung in Michelfeld aufwändig restauriert.
Das 200-jährige Fahnenjubiläum wird in Vilseck am Mittwoch, 30. Mai, gebührend gefeiert. Um 18 Uhr findet ein Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Ägidius statt. Anschließend marschieren die Gäste und Fahnenabordnungen der geladenen Vereine zur Burg Dagestein, wo sie mit Salut durch die kurfürstlichen Landkreis-Böllerschützen und Salven aus der Vereinskanone begrüßt werden.
Beim Festakt im Zehentkasten, der von den Geschwistern Rosemann musikalisch umrahmt wird, findet nach Sektempfang und Grußworten der Festvortrag durch Dr. Manuel Trummer statt. Danach wird die Jubiläumsfahne an den 1. Bürgermeister der Stadt Vilseck, Hans-Martin Schertl, übergeben. Sie wird künftig in einer Vitrine im Rathaus aufbewahrt, wo sie als ein Stück Kulturgut und Teil unserer Heimatgeschichte bewundert werden kann.

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