Weiden in der Oberpfalz
03.06.2026 - 18:24 Uhr
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Oberpfälzisch-tschechischer Müllskandal: Vier weitere Festnahmen

Die Ermittler melden im Skandal um illegal nach Tschechien transportierten Windkraftschrott weitere Festnahmen, diesmal in Tschechien. Es geht um vier Männer, die Mitglieder einer regelrechten Abfall-Bande gewesen sein sollen.

Die illegale Müllhalde in Jiříkov. Hier nahm der Skandal seinen Anfang. Bild: Pryèek Vladimír/CTK/dpa
Die illegale Müllhalde in Jiříkov. Hier nahm der Skandal seinen Anfang.

Nicht nur in Deutschland, auch in Tschechien gehen die Behörden gegen die Akteure des Müllskandals mit Ursprung in der Oberpfalz vor. Am Mittwoch hat die tschechische Polizei bekannt gegeben, dass auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte Kriminalbeamte Anklage gegen vier Männer erhoben haben. Sie sollen in den illegalen Transport von Müll aus Deutschland verwickelt gewesen sein. Außerdem wurden von den Ermittlern aus der Region Bruntál vier Unternehmen nach tschechischem Recht angeklagt. Der Vorwurf lautet auf „illegale Abfallentsorgung“, wie es in einer Mitteilung heißt.

Seit Anfang 2025 laufen die Ermittlungen, nachdem die ersten Lastwagenladungen mit illegalem Müll im Nordosten Tschechiens entdeckt worden waren. Die Lkw sollten damals vor allem Schrott aus alten Windkraftanlagen, aber auch Batterien in ein ehemaliges Sägewerk auf dem Gebiet der Gemeinde Jiříkov u Rýmařova im schlesischen Teil Tschechiens bringen. Die dortige Bürgermeisterin Barbora Šišková stoppte die Fahrzeuge, verständigte die Behörden und brachte so die Ermittlungen ins Rollen.

Zwischen 40 und 70

Als Resultat dieser Ermittlungen erfolgten nun die Anklagen. Demnächst müssen sich vier Männer im Alter zwischen 40 und 70 Jahren aus den Regionen Ostrava, Nový Jičín und Frýdek-Místek wegen unerlaubter Abfallentsorgung vor Gericht verantworten. Auch vier Unternehmen sind von den Anklagen betroffen. Zuvor hatten die Beamten Frachtpapiere geprüft und Zeugen befragt. Zudem „sammelten und analysierten sie umfangreiche Informationen und zogen Experten aus den Bereichen Naturschutz und Abfallwirtschaft hinzu“, heißt es in der Mitteilung der Polizei weiter. Auch der tschechische Zoll und weitere Behörden seien eingebunden gewesen, ebenso habe es Austausch mit den Ermittlern in Deutschland gegeben.

Den gewonnenen Erkenntnissen nach sollen innerhalb von etwa sechs Monaten ab Juni 2024 in rund drei Dutzend Containern fast 600 Tonnen Abfall aus Deutschland in die tschechischen Regionen Rýmařov, Brünn und Zlín transportiert worden sein. „Es handelte sich um illegalen Abfall, da die Transporte ohne vorherige Anmeldung und Zustimmung der zuständigen Behörden der betroffenen Länder erfolgten“, so die Polizei in ihrer Erklärung. Im Müll sollen sich zudem gefährliche Stoffe befunden haben.

Klare Rollenteilung

Die nun angeklagten Tschechen waren laut Anklage „nach Absprache und mit klar definierten Rollen“ als Mitglieder einer Gruppe organisiert. Einer von ihnen sei etwa für den Transport, ein anderer für die Organisation der Lagerorte zuständig gewesen. Alle vier Angeklagten sind bereits wegen unterschiedlicher Delikte vorbestraft, heißt es im Bericht. Für die jetzigen Vorwürfe drohen ihnen im Falle einer Verurteilung Haftstrafen von einem bis zu fünf Jahren. Wann es zu den Hauptverhandlungen kommt, ist noch unklar, die Ermittlungen seien noch nicht vollständig abgeschlossen.

In Deutschland stehen dagegen ab nächster Woche bereits zwei mutmaßliche Komplizen der vier Männer vor der Ersten Strafkammer am Landgericht Weiden. Ein Entsorgungsunternehmer und ein Mitarbeiter sollen aus der Nordoberpfalz heraus den Müllschmuggel organisiert haben. Nach Informationen von Oberpfalz-Medien wurde der Müll in den Frachtpapieren als Rohstoff zur Weiterverarbeitung ausgewiesen, der an tschechische Unternehmen geliefert werden sollte. Vor Ort sollte der vermeintliche Rohstoff dann abgelagert, jedoch nie wieder abgeholt oder weitertransportiert werden.

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