Im Tagebuch von Heinrich Winkelmaier, 1762 in Vilseck geboren, ist zu lesen: "1818, den 31. Mai, ist die Fahnenweihe von unserem Bataillon gewesen. Auf dem Markt am Rathaus war ein Altar aufgebaut, eine Messe ist gelesen worden von unserem Pfarrer Tremel und eine feierliche Zeremonie und eine Weihung der Fahne gehalten worden." Jeder der anwesenden hohen Militärs schlug damals einen Nagel in den Fahnenstiel, schöne Bataillonsmusik erklang.
Winkelmaier schreibt weiter: "Auf den Dächern und Bodenfenstern haben die Menschen zugesehen. Nach aller Feierlichkeit ist beim Weinwirt Leonhard Schertl eine Tafel für 40 Personen gegeben worden, und in mehreren Wirtshäusern ist alles lustig in der ganzen Nacht zugegangen." Dieses Dokument belegt, dass die Fahne nun exakt zwei Jahrhunderte alt ist und ihre Weihe 1818 groß gefeiert wurde. Die Fahne hat König Maximilian Joseph I. von Bayern persönlich dem damaligen Bürgerwehrbataillon in Vilseck gestiftet. Dessen Einsätze waren unkriegerisch und unspektakulär: Es sollte im Notfall die eigene, engere Heimat verteidigen, leistete polizeiliche Unterstützungsdienste und hielt Wache an militärischen Objekten. Die Fahne wurde bei Paraden, bei weltlichen und kirchlichen Feiern mitgeführt.
Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1868 verloren die Bürgerwehren in Bayern ihre Bedeutung und wurden aufgelöst. So übergaben die Vilsecker ihre Fahne der Stadtverwaltung. Als nach dem siegreichen Feldzug 1870/71 der Veteranen- und Kriegerverein gegründet wurde, erhielt dieser das ehrwürdige Stück als Vereinsfahne. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam diese erneut zu Ehren: 1960, beim 75. Gründungsfest des Kriegervereins, auf Veranlassung von Herzog Albrecht von Bayern, in Form der Kronprinz-Rupprecht-Medaille. Um das Jahr 2000 wurde die Fahne bei der Regens-Wagner-Einrichtung in Michelfeld aufwendig restauriert.
Jubiläum wird groß gefeiert
Das 200. Fahnenjubiläum wird in Vilseck am Mittwoch, 30. Mai, gefeiert. Um 18 Uhr findet ein Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche St. Ägidius statt. Anschließend marschieren die Gäste und Fahnenabordnungen der geladenen Vereine zur Burg Dagestein, wo sie mit Salut der kurfürstlichen Landkreis-Böllerschützen und Salven aus der Vereinskanone begrüßt werden. Beim Festakt im Zehentkasten, den die Geschwister Rosemann umrahmen, hält nach Sektempfang und Grußworten Manuel Trummer den Festvortrag. Danach wird die Jubiläumsfahne an Vilsecks Bürgermeister Hans-Martin Schertl übergeben. Sie wird künftig in einer Vitrine im Rathaus aufbewahrt - als Stück Kulturgut und Teil der Heimatgeschichte. (rha)















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