23.05.2018 - 20:28 Uhr
VohenstraußOberpfalz

"Schaltlücke" spricht mit Bürgermeister, Polizei und "Need No Speed": Lücke für Dealer schließen

Krisengespräch im Vohenstraußer Sportheim: Der Verein "Schaltlücke" zieht Konsequenzen aus der Drogenrazzia bei seiner Party. Ein neues Konzept soll Dealer fernhalten. Ob die Stadt wieder eine Veranstaltung genehmigt, ist jedoch unsicher.

Vom Krisengespräch zum Runden Tisch: "Schaltlücke"-Mitglieder reden mit (von rechts) Bürgermeister Andreas Wutzlhofer, Polizist Thomas Meiler und Vertreterinnen von "Need No Speed". Bild: Luber
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Es geht um die Zukunft der "Schaltlücke". Das ist allen Beteiligten klar, die sich auf Einladung des Vereins zum Gespräch treffen. Thomas Meiler von der Polizei Vohenstrauß macht gleich zu Beginn klar: "Massiv" war das Ausmaß der Straftaten bei der Party am 14. April in der Vohenstraußer Glasfabrik. Die Polizei führte aufgrund von Hinweisen "von allen Seiten" eine Razzia durch (wir berichteten) und nahm sieben Dealer fest, alle aus der Oberpfalz. Zwar hätten die Festgenommenen ausschließlich Cannabis mit sich geführt. Doch Meiler verweist auf polizeiliche Erkenntnisse, dass auch harte Drogen konsumiert und gedealt wurden.

"Das war ja nicht das einzige", empört sich Bürgermeister Andreas Wutzelhofer. Statt der beantragten 200 seien etwa 500 Besucher da gewesen. Ohne Wissen des Ordnungsamtes habe der Veranstalter Bereiche auf dem Fabrikgelände geöffnet, die nicht angemeldet waren. "Wenn da etwas passiert, dann haben wir es mit der Staatsanwaltschaft zu tun."

Streetworker im Club

"Unser Verein wurde aus Liebe zur Musik gegründet. Drogen gehören ganz sicher nicht dazu", betont einer der Vereinsgründer, Florian Mittelmeier. "Wir wollen mit ihnen gemeinsam dagegen vorgehen", erklärt zweiter Vorsitzender Andreas Großmann und präsentiert ein umfangreiches Konzept. Zuerst einmal will die "Schaltlücke" den Sicherheitsdienst wechseln.

Auch soll die nächste Party in der Vohenstraußer Stadthalle steigen. "Der Raum ist nicht so verwinkelt, da kann man sich nicht verstecken", erklärt Großmann. Außerdem sollen Vertreter der Initiative "Need No Speed" vor Ort sein. Andrea Neumeier, Präventionsbeamtin der Kripo Weiden, empfiehlt die Initiative "Mindzone" des Gesundheitsministeriums. Der Verein sende Sozialpädagogen auf Veranstaltungen, um bei der Drogenprävention zu helfen. "Das sind Streetworker im Club."

"Cooles Konzept"

Die Idee, eine Art angekündigte Razzia bei der nächsten Party durchzuführen, überzeugt Meiler nicht. "Wenn die Security auf zack ist, werden wir öfter vor Ort sein und dann sehen wir, ob es klappt. Wenn es Verstöße gibt, werden wir Maßnahmen setzen, ohne dass Sie das mitbekommen. Wir erwarten aber auch, dass Sie Dealer nicht einfach rausschmeißen, sondern uns verständigen." Wutzlhofer erwähnt Kommentare einiger Onetz-Facebook-Nutzer, wonach Techno-Partys ohne Drogen nicht möglich seien. Dem widersprechen die Vertreter der "Schaltlücke". "Das ist wie das Vorurteil, dass beim Reggae alle kiffen. Die Klischees treffen teilweise zu. Aber man kann die Musik nicht darauf reduzieren."

"Ich finde das ein cooles Konzept", sagt Theresa Sowa, Vertreterin der "Need No Speed"-Initiative und Mitarbeiterin im Jugendzentrum Weiden. Der Verein habe einen sehr guten Ruf bei vielen Jugendlichen. "Es wäre schade, wenn so was durch die Drogenproblematik kaputt geht."

Doch Meiler weist die Veranstalter auch darauf hin: "Eure Besucherzahlen werden durch die Maßnahmen wahrscheinlich erst einmal sinken." Die Party in der Stadthalle soll im Herbst stattfinden. Vorher wollen sich die Gesprächspartner noch einmal zu einem Runden Tisch treffen. Erst dann werde klar, ob die Stadt die nächste Veranstaltung genehmigt, betont Wutzlhofer.

Angemerkt von Beate-Josefine Luber

Chance für "Schaltlücke"

"Ein Jahr Lücke – Echo der Zeit“ war das Motto der „Schaltlücke“-Party am 14. April. Der Verein wollte sein Einjähriges, sein enorm beliebtes Party-Konzept und den rasanten Mitgliederanstieg im großen Stil feiern. Doch daraus wurde nichts. Ein Polizeieinsatz machte überdeutlich, dass die Veranstalter ihre Party nicht im Griff hatten.
Von Anfang an hat sich der Verein von den Drogendelikten distanziert, betonte die „Liebe zur Musik“ als obersten Vereinszweck. Doch das allein reicht nicht. Das ist auch den Veranstaltern klar, weshalb sie ein neues Konzept vorlegten. Es ist natürlich eine Strategie, um das Vertrauen in Stadt und Polizei zurückzugewinnen. Aber es bietet auch für den Verein die Chance, elektronische Tanzmusik in der Oberpfalz neu zu präsentieren: als wichtigen Ausdruck der Jugendkultur und einfach als gute Musik, die die Massen begeistert.

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