18.01.2018 - 11:16 Uhr
VohenstraußOberpfalz

Urologe Käs über Inkontinenz und Behandlungsmöglichkeiten Betroffenen den Druck nehmen

Altenstadt/Voh . Ein herzhaftes Lachen, ein heftiges Niesen, und schon ist es passiert: Unkontrolliert tritt Urin aus der Blase aus. Ein unangenehmer Moment und ein Warnzeichen des Körpers. Inkontinenz ist schon fast eine Volkskrankheit - und doch für viele ein Tabuthema. "Probleme mit der Blase - Endlich wieder herzhaft lachen": So war am Mittwoch das Landfrauenfrühstück im Gasthof "Schloßwirt" überschrieben, eine Veranstaltung, des Bayerischen Bauernverbands, die an den folgenden Tagen auch andernorts über die Bühne ging.

Beim Landfrauenfrühstück wurden im Gasthof "Schloßwirt" leckere Sachen aufgetischt.
von Elisabeth DobmayerProfil

Der Referent, der Weidener Urologe Dr. Michael Käs, war sichtlich angetan über den Besucheransturm in Altenstadt. Im Volksmund als Blasenschwäche bekannt, sind nach seinen Worten viele von der Krankheit selbst betroffen oder kennen zumindest jemand aus dem Bekanntenkreis. Allein in Deutschland gibt es über neun Millionen Betroffene. Im Jahr 2004 seien 8 Millionen der 25- bis 75-jährigen Frauen inkontinent gewesen, informierte der Urologe. Die Betroffenen leiden unter unwillkürlichem Harndrang, der ihr Alltagsleben stark beeinträchtigt. Dennoch schweigen viele - und bleiben daher mit ihren Beschwerden allein.

Dabei sei es sehr wichtig, offen mit dem Thema umzugehen und über die unterschiedlichen Formen und die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten zu sprechen, sagte der Experte. Eingangs erklärte er anhand einer Hängebrücke, wie die Blase und die Beckenbodenmuskulatur mit einem komplexen System und einer soldatenähnlichen Befehlsstruktur ans menschliche Gehirn funktionieren. Es gebe verschiedene Formen der Inkontinenz: znter anderem Belastungs- und Stressinkontinenz, Drang-, Überlauf- oder Reflexinkontinenz. Wer glaubt, dass die Behandlung durch einen Arzt dabei die größte wirtschaftliche Bedeutung besitze, der irre. Vielmehr seien es die Vorlagen mit 49 Prozent - die Arztkosten fielen nur mit rund 10 Prozent ins Gewicht.

Die Inkontinenz werde angesichts der demografischen Entwicklung in den nächsten Jahren drastisch steigen, führte Käs aus. "Der Leidensdruck durch Inkontinenz ist sehr individuell." Einer der Gründe für eine Belastungsinkontinenz, an der ein Drittel der Patienten leidet, kann schwere körperliche Arbeit sein. Schwangerschaft und Geburt tun ein Übriges. Eine angeborene Bindegewebsschwäche oder chronischer Husten können ebenfalls Ursachen sein. Bei Männern ist oft eine Prostata-Operation schuld an einer Inkontinenz. Überfallartiger Harndrang kommt bei der Dranginkontinenz vor, an der 25 bis 35 Prozent der Patienten leiden. Das Risiko sind Entleerungsstörungen, die Menopause, ein Tumor oder eine Gebärmuttersenkung. Der Facharzt sprach ebenso den Teufelskreis der Inkontinenz an, der mit psychologischer Belastung, sozialen Faktoren, Verlust sozialer Kontakte oder Verminderung der sexuellen Aktivität einhergehen.

Grundsätzlich gilt bei allen Formen der Blasenschwäche, dass zur Ermittlung der tatsächlichen Ursachen eine umfassende Diagnose nötig ist. Jeder Teilnehmer erhielt zum Ende der Veranstaltung einen Inkontinenz-Fragebogen, den er zu Hause in Ruhe beantwortet kann. Am Drang- und Belastungs-Ergebnis, einer Art Checkliste, liest der Arzt genau ab, um welche Art von Erkrankung es sich handelt. Die zweite Veranstaltung des BBV fand am Donnerstag in Schlammersdorf statt. Die dritte und letzte Veranstaltung folgt heute um 9 Uhr in Rothenstadt, im Gasthaus Lehner.

Der Leidensdruck durch Inkontinenz ist sehr individuell.Urologe Dr. Michael Käs

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