18.05.2018 - 19:02 Uhr
Oberpfalz

Bayerischer Fußballverband will Pyro verbannen Harte Strafen für Freudenfeuer

Das Phänomen habe so vor zehn Jahren erstmals in der Region gezündet: "Nachahmeffekt", nennt Lorenz Gebert das mit Blick auf die Pyro-Exzesse in Bundesligastadien. Aber auch einige Ligen tiefer treiben es manche Fans bunt - und das stinkt dem Sportsgerichtsvorsitzenden im Kreis Amberg-Weiden.

"Wir sind aufgestiegen", beschreibt Bernhard Meckl, Fußball-Abteilungsleiter des TSV Waidhaus, die Feier aus seiner Sicht. "Das passiert einmal in 20 Jahren, und dann haben ein paar junge Leute nach dem Spiel ein paar Fackeln hochgehalten." Bild: fjo
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Weiden/Waidhaus. Lorenz Gebert weiß, wovon er spricht. Der pensionierte Lehrer musste selbst miterleben, wie "einige Idioten" bei einem Entscheidungsspiel in Hirschau mitten auf der Tribüne drehende Böller unter die Zuschauer geworfen hätten: "Ich habe schleunigst geschaut, dass ich rauskomme", erinnert er sich mit Schaudern.

Und auch als Sportrichter bildet sich der Ex-Kicker des SV Kemnath am Buchberg in puncto Pyrotechnik weiter: "Bei unserer letzten Tagung in Bad Gögging hat der Vertreter einer Firma so eine Seenot-Fackel vorgeführt, wie sie bei den Ausschreitungen in Hamburg verwendet wurden", erzählt er. "Die entwickelt nicht nur immens hohe Temperaturen, sondern sie brennt in allen Materialien - ob in Wasser oder Sand, die ist praktisch unlöschbar.

Trommeln statt Feuern

Eine massive Gefährdung sei deren Einsatz und deshalb versteht der leidenschaftliche Fußballer a.D. mit über 1000 Spielen in den Waden zwar die Freude bei Erfolgen, aber keinen Spaß bei der "fürchterlichen Pyrotechnik": "Man kann doch seine Begeisterung auch anders zeigen - mit singen oder trommeln."

Weil sich aber zuletzt bei Vereinen, die die Meisterschaft oder Relegation erreicht hatten, Freudenfeuer und Rauchbotschaften häuften, warnt Gebert eindringlich: "Das fällt unter Paragraf 73 der BFV-Rechts- und Verfahrensordnung." Fälle der Platzdisziplin gingen immer gleich nach München - und dort will man brandgefährliche Verfehlungen künftig strenger ahnden.

"Die neue Strafenordnung, die voraussichtlich ab 1. Juni gilt", schildert der Richter, "sieht in der Regionalliga für schwerwiegende Fälle - etwa bei Spielabbruch, massivem Sachschaden, Polizeieinsatz oder gar Personenschaden - bis zu 50 000, in der Bayernliga bis zu 25 000 Euro und in den Ligen darunter immerhin noch zwischen 1500 und 12 000 Euro vor." Bisher habe es keine Verletzten gegeben, sagt Gebert. "Und das soll auch so bleiben."

Deshalb wolle man dieser Unsitte Einhalt gebieten. "Die Vereine haften", stellt er unmissverständlich fest, das heißt: "Sie müssen den Ordnungsdienst auf Trab bringen - wenn etwas brennt, muss der sofort hin, eingreifen und die Namen der Täter benennen."

Security am Dorfplatz

Nur wenn der Heimverein nachweisen könne, dass er alle erdenklichen Sicherheitsmaßnahmen getroffen hat, kommt er bei solchen Vorfällen günstiger weg: "Ich schätze, dass die Vereine künftig Security anfordern und kontrollieren müssen." Aber auch der Gastverein haftet für seinen Anhang: "Der jeweilige Anteil hängt vom Einzelfall ab.

„Nicht den Hauch einer Gefährdung“

"Wir sind aufgestiegen", schildert Bernhard Meckl, Fußball-Abteilungsleiter des TSV Waidhaus, die Feier aus seiner Sicht, "das passiert einmal in 20 Jahren, und dann haben einige junge Leute nach dem Spiel ein paar Fackeln hochgehalten." Man habe die jungen Fans beschworen, beim Spiel ja nicht zu zündeln." Als aber Zuschauer und Gastverein weg gewesen seien, habe sich die Begeisterung Bahn gebrochen. "Es gab nicht den Hauch einer Gefährdung", ärgert sich Meckl, "das Ganze hatte eher den Charakter einer privaten Feier."

Die drastische Erhöhung der Strafen sieht der Waidhauser als Kurzschlussreaktion auf die Eskalation in Hamburg: "Der bayerischer Fußballverband hat keine Konzepte zur Prävention und reicht deshalb den Schwarzen Peter weiter." Für Meckl komme es nicht in Frage, Mitglieder, die seit Jahren mit angepackt hätten, anzuzeigen: "Das sind fast Stasi-Methoden." Junge Erwachsene hätten ihren eigenen Kopf: "Die machen nicht mehr alles, was wir ihnen sagen", nennt Meckl die Härten der späten Pubertät.

Nach dem Willen des BFV müsse man haufenweise Ordner hinstellen: "Selbst bei den Profis wird Pyrotechnik reingeschmuggelt, "wie soll das ein kleiner Verein stemmen?" Die zu erwartende Strafe aus dem schwebenden Verfahren wird der TSV jedenfalls selbst tragen: "Wenn ich die Strafe weiterreiche, hat sich das Thema Mitgliedschaft erledigt."

Mit einem blauen Auge davon kam vor vier Jahren die SpVgg Schirmitz: "Damals ging es gegen den Abstieg aus der Kreisliga", erinnert sich Fußball-Abteilungsleiter Christian Schieder. "Alle Spieler waren schon weg, da hat oben am Ranger der Anhang aus der Reservemannschaft ein paar bengalische Fackeln angezündet." Weil dies außerhalb des Geschehens passierte, sei man mit einer Verwarnung davon gekommen. Seitdem seien keine neuen Brandherde aufgeflammt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp