24.01.2018 - 17:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Bestürzung bei Rettungskräften in der Region Weidener "Christoph 80"-Pilot bei Absturz getötet

Sein Tod ist in Weiden mit größter Bestürzung aufgenommen worden. Jochen Huber, Stationsleiter der Luftrettungsstation Latsch, war bei den Kollegen äußerst beliebt. "Er hat unzählige Leben gerettet", sagt Jürgen Meyer, stellvertretender Leiter der ILS Nordoberpfalz. Das Team sei erschüttert. Ein Kollege habe gesagt: "Er fliegt als Engel weiter." Der 46-Jährige lebte für die Fliegerei - am Ende starb er dafür.

Pilot Jochen Huber in seinem Element: am Steuer des "Christoph 80". Am Dienstag hatte er einen, laut DRF ebenfalls erfahrenen Kollegen, in den Typ EC 135 einweisen sollen. Bild: Baumgärtner
von Christine Ascherl Kontakt Profil

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Das Unglück ereignete sich am Dienstagmittag. Über Oberhausen-Rheinhausen im nördlichen Landkreis Karlsruhe stießen ein Hubschrauber und ein Kleinflugzeug zusammen. Augenzeugen berichteten im Fernsehsender "n-tv", dass der kleine Flieger des Typs Piper aus den Wolken kam und den Hubschrauber rammte. Das Flugzeug gehört zu einer Basler Flugschule und sollte auf den nur noch wenige Kilometer entfernten Flugplatz Speyer landen.

Der Helikopter gehört zur DRF-Luftrettung-Zentrale Filderstadt. Er befand sich auf einem Trainingsflug, gestartet vom Baden-Airpark aus. Dorthin hätte er auch zurückkehren sollen. Beide Piloten waren laut DRF erfahren. Es handelte sich um eine Einweisung in den EC 135, der gleiche Typ wie Weidens "Christoph 80". Jochen Huber war als Instruktor an Bord. Der Weidener Berufshubschrauberpilot hatte die Fluglehrerberechtigung für mehrere Typen. "Die DRF Luftrettung ist durch den tragischen Unfall zutiefst betroffen und trauert um den Verstorbenen. In Gedanken sind alle Mitarbeiter bei den Angehörigen", sagte Sprecherin Petra Hentschel.

Jochen Huber lebte in Kösching (Landkreis Eichstätt). Er hinterlässt seine Frau und zwei Buben im Alter von neun und zwölf Jahren. Für seine Familie pendelte er häufig die 180-Kilometer-Strecke zu seinem Arbeitsplatz in der Oberpfalz.

Für ihn war die Fliegerei ein Kindheitstraum. Jochen Huber träumte diesen Traum als Erwachsener weiter, als der Zug bereits abgefahren schien. Er war ausgebildeter Rettungssanitäter und Leitstellendisponent. Aber Jochen Huber wollte mehr: Er wollte an den Steuerknüppel. Die meisten Rettungshubschrauberpiloten kommen von der Polizei oder der Bundeswehr. Huber musste sich einen Pilotenschein selbst finanzieren. Kostenpunkt: um die 100 000 Euro. In einem  Interview mit Oberpfalz-Medien sprach er seinen Eltern einen Dank aus: "Ich bekam viel Unterstützung durch meine Eltern, sonst wäre das nicht möglich gewesen." Für den großen Traum scheute er keine Arbeit: jobbte an der Tankstelle und als freier Mitarbeiter für den "Donaukurier".

2008 - mit 37 Jahren - saß er schließlich am Steuer des 1500-PS-starken Helikopters der Luftrettung. Der Ingolstädter Zeitung blieb er auf andere Weise verbunden: 2010 berichtete er für den "Donaukurier" aus Haiti. Er flog ab Port-au-Prince für eine deutsche Hilfsorganisation Hubschrauberflüge in Krisenregionen.

Die besondere Tragik: 2014 war sein Vorgänger als Stationsleiter, Otto Hartmann, im Alter von 53 Jahren bei einem Absturz verstorben. Dessen Maschine war bei einer Offshore-Übung vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns ins Meer gestürzt.

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