23.05.2018 - 11:24 Uhr
Oberpfalz

Crystal im Fernbus: Gericht verurteilt Tschechen Ein paar Gramm zu viel

Weihnachtsgeschenk oder Dealerware? Zwei Tschechen hatten zu viel Crystal im Gepäck, was die Richter bei der Verhandlung nur bedingt milde stimmt.

von Autor hczProfil

(rns) In eine ungewohnte Richtung wollten zwei junge Tschechen im Dezember vergangenen Jahres Crystal schmuggeln. Statt aus dem "klassischen Herstellerland Tschechien" (Richter Hermann Sax) nach Deutschland, wollten sie 56 Gramm Methamphetamin über Waidhaus in die Tschechei bringen. Am Grenzübergang fanden Polizeibeamte das Rauschgift in den Rucksäcken der, im Fernbus von Holland nach Prag fahrenden, Männer.

Nach knapp sechs Monaten Untersuchungshaft in den Justizvollzugsanstalten Amberg und Weiden standen die beiden 26-Jährigen am Dienstag vor dem Schöffengericht und waren geständig. "Zufällig" seien sie in den Niederlanden an einen Polen und einen Rumänen geraten, die ihnen, neben "Gras" auch 40, beziehungsweise 16 Gramm Methamphetamin verkauften. Als "Dreingabe" habe es zudem einige Extasy-Tabletten gegeben, welche die Beamten bei der Durchsuchung ebenfalls sichergestellt hatten.

Der Ledige, der in Tschechien einen Handel mit Mobiltelefonen betrieb, und sein ebenfalls lediger Kumpel, der in Holland in einer Fleischfabrik arbeitete, gaben an, seit längerer Zeit intensiv Crystal zu konsumieren. Man habe sich für die Weihnachtsfeiertage eindecken wollen, sagte der Jüngere der beiden. In der tschechischen Heimat hätte man nichts mehr bekommen können, denn alle Lieferanten seien eingesperrt. Außerdem sei in Holland gute Qualität zu einem sehr günstigen Preis angeboten worden.

Dass die großen Mengen, die die Angeklagten schmuggeln wollten, allein für ihren Eigenverbrauch gedient hätten, hielt Staatsanwältin Sandra Dechant für unglaubwürdig. Eine "normale" Konsumeinheit sei ein Zehntel Gramm, womit man schwerlich auf den, von den Angeklagten angegebenen Konsum von täglich ein bis eineinhalb Gramm komme. Selbst wenn man dies glaube, seien 40 Gramm nicht schnell zu verbrauchen. Dechant ging also davon aus, dass mit dem Rauschgift gehandelt werden sollte. Sie forderte dreieinviertel Jahre Freiheitsstrafe für denjenigen, der die größere Menge dabei gehabt hatte und zweieinhalb Jahre für den Anderen.

Die Verteidiger Bernhard Piehler und Willibald Bayer argumentierten, dass gerade die Quelle Holland für Eigenverbrauch spreche. Durch den Verlust der Arbeitsstelle und der Wohnung, sowie die lange U-Haft seien ihre Mandanten geläutert und hätten sich zudem vom Rauschgift los gesagt. Die Rechtsanwälte plädierten auf Bewährungsstrafen. Erfolg hatte damit nur Bayer, der den Täter mit der geringeren Menge vertrat. Richter Sax und die Schöffen verhängten zwei Jahre mit Bewährung. Bei dem Älteren habe er, schon aufgrund der großen Menge keinen Handlungsspielraum für "Bewährung" gegeben, so Sax. Der, bisher nicht Vorbestrafte erhielt 28 Monate.

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