18.05.2018 - 21:40 Uhr
Oberpfalz

Fall Mauser mit langem Vorspiel: Schon vor zehn Jahren Vorwürfe in Schwandorf #MeToo in der Oberpfalz

Fall Mauser mit langem Vorspiel: Schon vor zehn Jahren Vorwürfe in Schwandorf

Professor Siegfried Mauser bei einem Konzert im Stadttheater Amberg.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Weiden/Schwandorf. Nach der Verurteilung des Musikprofessors Siegfried Mauser wegen sexueller Nötigung werden mehr Details und eine längere Vorgeschichte bekannt. Dabei entsteht ein Bild, dass an die #MeToo-Debatte in den USA erinnert. So soll eine Studentin dem Mann schon vor Jahren sexuelle Belästigung vorgeworfen haben. Nachdem solche Vorwürfe auch im Beirat der Max-Reger-Tage bekannt wurden, verließ sein Kritiker das Gremium - Mauser durfte bleiben.

Der nun Verurteilte trat auch beim Schwandorfer Klavierfrühling auf. Eine Studentin soll ihm vor zehn Jahren vorgeworfen haben, sie dort sexuell belästigt zu haben, wie Oberpfalz-Medien aus gut unterrichteter Quelle erfahren hat. Das Opfer sei nach dem Vorfall abgereist, andere Studenten sollen sich bei ihrem Professor über Mauser beschwert haben. Sie hätten gesagt, "nie wieder nach Schwandorf zu kommen, wenn Mauser noch einmal dabei wäre", heißt es in einem Schreiben, das Oberpfalz-Medien vorliegt. Der Professor lud Mauser daraufhin nicht mehr ein. Mehrmals - auch in Weiden - habe der Angeklagte versucht, "Frauen abzuschleppen". Viele seien auch "nicht abgeneigt gewesen", heißt es aus gut unterrichteten Kreisen.

Im Kulturbereich seien Chefposten und Professorentitel mit viel Macht verbunden. Gleichzeitig gibt es viele "ehrgeizige und gut ausgebildete Künstler ... , die fast alle in prekären Verhältnissen leben", erläutert der Insider. Sie seien von der Gunst der Chefriege abhängig. Die Lehre finde zudem als Einzelunterricht statt, ein Professor habe oft nicht mehr als elf Studenten. "Lehrer-Studentinnen-Beziehungen sind an Musikhochschulen nichts Ungewöhnliches."

Als die ersten Vorwürfe gegen Mauser 2016 bekannt wurden, habe er diesen gebeten, seine Aktivitäten im wissenschaftlichen Beirat der Weidener Max-Reger-Tage ruhen zu lassen, bis die Sache geklärt ist, erklärt der Professor Wolfgang Rathert. Er saß damals mit Mauser und Professor Susanne Popp vom Max-Reger-Institut in Karlsruhe im wissenschaftlichen Beirat der Max-Reger-Tage. "Da mir daraufhin aus dem Kreis des Beirats vorgehalten wurde, dass diese Bitte 'an den Tatbestand des Mobbing' grenzen würde, habe ich für mich die entsprechenden Konsequenzen gezogen und inzwischen auch die Max-Reger-Gesellschaft verlassen", berichtet Rathert, der an der Ludwig-Maximilians-Universität in München lehrt. So sei er statt Mauser Ende 2016 aus dem Gremium ausgeschieden. Petra Vorsatz, Leiterin des Weidener Kulturamts, sagt dagegen, Rathert sei nie direkt an Mauser herangetreten, um Auszeit oder Rücktritt nahezulegen. Sie sei bei den Gremiumstreffen anwesend gewesen.

Rather sagt dagegen, sei Abschied stehe in Zusammenhang mit dem ersten Prozess gegen Mauser. Dabei wurde dieser beschuldigt, eine Professorin sexuell bedrängt zu haben. Im April 2017 wurde der Ex-Direktor der Münchener Musikhochschule wegen sexueller Nötigung in zweiter Instanz zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Der Fall liegt jetzt beim Oberlandesgericht.

Trotz der Urteile hält Susanne Popp an ihrem Kollegen fest: Die Vorwürfe seien eine "gewaltige Intrige". Im Beirat, der das Programm für die Max-Reger-Tage erstellt, hatte Mauser "besonders gute Ideen", sagte sie. Popp sei laut Professor Kurt Seibert, der die Reger-Tage 1998 gegründet hat, seit Jahrzehnten mit Mauser eng befreundet. Der gebürtige Straubinger habe sich auch im Reger-Institut in Karlsruhe engagiert und Popp "den ein oder anderen Gefallen getan", sagt Seibert. Er beschreibt den 63-Jährigen als "umtriebigen Musiker", der "politisch gut vernetzt war" und viele Funktionärsposten inne hatte. "Es war allgemein bekannt, dass ein guter Kontakt zu ihm auch der Karriere vor allem im Hochschulbereich förderlich sein kann. Viele hofften jedoch vergeblich", gibt ein Insider Gründe vor, weshalb auch viele nicht mehr gut auf Mauser zu sprechen waren.

Die Stadt Weiden trennte sich am Donnerstag von Mauser. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß wollte für diesen Schritt das aktuelle Urteilabwarten: Am Mittwoch wurde Mauser in München wegen sexueller Nötigung in drei Fällen zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Der Musiker will in Revision gehen.

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