10.10.2017 - 20:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Selbshilfegruppe Weiden 2 feiert 20-Jähriges Fröhliche Truppe trotz Krebs

Waltraud Rottenberg wollte nach ihrer Krebserkrankung eigentlich nicht in die Selbsthilfegruppe. "Ich dachte, da sind lauter Kranke, die jammern." Ein Besuch belegte das Gegenteil. Heute sagt die Mantelerin voller Überzeugung: "Wir sind eine fröhliche Truppe."

Seit zehn Jahren leitet Waltraud Rottenberg die "Selbsthilfegruppe nach Krebs Weiden 2", die im Oktober 20-jähriges Bestehen feiert. Bild: exb
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Vor zehn Jahren hat Waltraud Rottenberg sogar die Leitung der Selbsthilfegruppe nach Krebs Weiden 2 - so der offizielle Name - übernommen. Die feiert am 12. Oktober ihr 20-jähriges Bestehen. Anlass für ein Interview mit der 59-jährigen Chefin.

Wie kam es zur Gründung der Selbsthilfegruppe?

Waltraud Rottenberg: Edeltraud Hausel, die Frau des früheren Ärztlichen Direktors der Kliniken Nordoberpfalz AG, hat die Selbsthilfegruppe im Oktober 1997 aus der Taufe gehoben. Zum ersten Treffen kamen drei Interessierte, aber es wurden schnell mehr.

Sie selbst waren damals noch nicht dabei.

Stimmt. Ich bin erst vor 12 Jahren dazu gestoßen. Frau Hausel hat ihre Arbeit sehr gut gemacht. Dass sie die Leitung abgab, lag nur an den Vorgaben des neuen Dachverbands. 2007 ist die Gruppe nämlich der Bayerischen Krebsgesellschaft beigetreten, und die schreibt vor, dass die Gruppenleitung in den Händen eines Betroffenen liegen muss.

Wie viele Mitglieder zählt Ihre Gruppe aktuell?

Wir haben 28 Mitglieder, 20 bis 23 Personen bilden den harten Kern. Wir treffen uns jeden ersten Donnerstag im Monat. Insgesamt gibt es drei Selbsthilfegruppen nach Krebs in Weiden, eine davon widmet sich speziell Leukämie- und Lymphom-Erkrankungen. In unserer Gruppe ist praktisch jede Krebserkrankung vertreten, vom Brustkrebs über Lungen- oder Nieren- bis zum Prostatakrebs.

Das klingt jetzt aber wirklich so, als gäbe es bei den Gruppentreffen nicht viel zu lachen.

Das täuscht. Natürlich werden bei den Treffen auch sehr ernste Themen behandelt. Aber ein Großteil unserer Mitglieder ist bereits seit Jahren dabei, hat die Krankheit gut überstanden und kann den Neuerkrankten dadurch gut zur Seite stehen. Sie motivieren die Neuen durch ihr Beispiel und bauen sie auf.

Was haben Sie für Tipps parat?

Wir raten vor allem dringend dazu, alle Vorsorge- und Nachsorgetermine wahrzunehmen. Wenn jemand die Diagnose Krebs bekommen hat, fällt er zunächst mal in ein Loch. Er weiß nicht, was auf ihn zukommt. Wenn man in diesem Loch ist, muss man sich Hilfe holen. In unserer Gruppe sieht er, dass viele die Krankheit überstanden haben. Das nimmt den Betroffenen ein bisschen die Angst. Anfangs ist es wichtig, den Leuten zuzuhören, sie zu trösten und auch mal in den Arm zu nehmen. Durch unsere Mitglieder erkennen sie, dass das Leben in den meisten Fällen weitergeht. Unsere "alten Hasen" können ihnen viele Ratschläge geben, zum Beispiel zum Thema Ernährung. Viele Krebskranke haben nach der Chemotherapie einen Metallgeschmack im Mund, so dass ihnen nichts schmeckt. Denen raten wir zum Beispiel, dass sie kandierten Ingwer oder Ingwerbonbons kauen, dann wird es etwas besser. Aus unserer Gruppe heraus hat sich außerdem eine Walkinggruppe gebildet, die einmal pro Woche losmarschiert.

Sie organisieren auch Vorträge, greifen Fachthemen auf. Welche sind das zum Beispiel?

Wir hatten schon Vorträge über Darmkrebs, Strahlentherapie, Brustkrebs, Erbrecht, Patientenverfügung oder vor kurzem sogar über die Gestaltung einer Beerdigung. Das hat sich ein Mitglied ausdrücklich gewünscht und war sehr interessant. Wir unterhalten außerdem gute Kontakte zum Klinikum, zur Palliativstation und zu Krankenkassen.

Woher kommen Ihre Mitglieder und sind deren Angehörige auch willkommen?

Wir haben Teilnehmer bis aus Wernberg, Pfreimd und Freihung, aber die meisten stammen aus dem Bereich Weiden-Neustadt. Natürlich sind Angehörige gerne gesehen. Wir haben einige Ehepaare in der Gruppe, bei denen beide Partner von Krebs betroffen sind. Wir haben aber auch einen Mann bei uns, dessen Frau inzwischen verstorben ist und der als Nicht-Betroffener weiter zu unseren Treffen kommt, mir sogar ab und zu Arbeiten abnimmt. Das finde ich einfach klasse. Die Stimmung bei uns in der Gruppe ist sehr gut und oft locker und lustig.

Gibt es irgendwelche Vorgaben für die Treffen?

Wir haben uns nur eines geschworen: Alles, was wir besprechen, bleibt unter uns. Manchmal sind es ja doch sehr heikle oder intime Themen. Bei unseren Treffen beim Sparrer-Wirt in Letzau haben wir immer den Wintergarten für uns, so dass keine anderen Gäste mithören können. Dort feiern wir am 12. Oktober ab 14.30 Uhr auch unser 20-jähriges Bestehen.

Die Selbsthilfegruppe nach Krebs Weiden 2 steht allen Interessenten offen. Ansprechpartnerin ist Waltraud Rottenberg, Telefonnummer 09605/1251.

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