23.05.2018 - 21:58 Uhr
Oberpfalz

Immer mehr Firmen steuern mit berufsbegleitendem Studium gegen Fachkräftemangel: "Dual" als Karriere-Turbo

Das Modell verbindet kongenial die berufliche und akademische Bildung. Vor dem Hintergrund des akuten Fachkräftemangels entdecken immer mehr Unternehmen die Vorzüge des dualen Studiums. Die Hochschule Amberg-Weiden rollt ihnen dafür quasi den "roten Teppich" aus.

Aus diesem Bild sprechen die begeisterte Zustimmung von Mitarbeitern und Unternehmern zum dualen Studium: Student Patrick Eberlein mit seinem Chef Marco Bauer von der Firma BAM, Student Sebastian Völkl mit seinem Chef Michael Richthammer (Versicherungen) und Thomas Schieder, der 2014 sein duales Studium abschloß und heute Firmenkundenbetreuer bei der Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz ist (von links). Bilder: cf (2)
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Weiden/Amberg. Alle Studiengänge - quer durch die Fakultäten der OTH - sind inzwischen dual. Die nutzbringende Kombination von Hochschulstudium und betrieblicher Praxis schlägt selbst auf die Familien von OTH-Vizepräsidentin Christiane Hellbach und Prodekan Frank Schäfer durch: Auch ihre Söhne studieren berufsbegleitend. Professor Schäfer stellt bei den dualen Studenten an der OTH ein höheres Maß an persönlicher Bindung an den Betrieb, Zielstrebigkeit, Leistungsbereitschaft und Selbstorganisation fest. Er sieht hier angesichts des Fachkräftemangels eine exzellente strategische Perspektive für die Unternehmen, die er zeitnah gezielt angehen will, etwa bei einer Veranstaltung des Wirtschaftsclub Nordoberpfalz an 14. Juni.

"Die an der OTH vermittelte Theorie ist in der beruflichen Praxis super einsetzbar", sagt Patrick Eberlein. Der 24-Jährige aus Waidhaus arbeitet in der Qualitätssicherung bei der Firma BAM. Eingebettet in ein Jahresarbeitszeit-Konto, kann er sich mit flexiblen Arbeitszeiten an den Vorlesungen ausrichten. Die Doppelbelastung sei zwar stressiger als ein normales Studium, "aber es bereitet Freude und ich wachse in mein späteres Arbeitsumfeld rein". Diese positiven Erfahrungen unterstreicht BAM-Inhaber Marco Bauer, der auf "Transfer-Wissen durch die OTH" verweist. Bauer hat 2007 übrigens selber berufsbegleitend studiert.

"Vollste Zufriedenheit"

Die "ideale Verknüpfung von Theorie und Praxis" betont Sebastian Völkl. Der 22-Jährige aus Moosbach studiert neben seiner Tätigkeit beim Versicherungsbüro Richthammer Handels- und Dienstleistungsmanagement an der OTH. Der junge Mann stieg bereits zum Assistenten der Geschäftsleitung und IT-Leiter auf. Inhaber Michael Richthammer bekundet "vollste Zufriedenheit". "Wenn sich ein Unternehmen jetzt nicht personell zukunftsweisend aufstellt, hat es keine Chance", mahnt Richthammer seine Arbeitgeber-Kollegen.

Die BHS Corrugated ermöglichte seit 2011 bisher 22 Mitarbeitern ein Verbund-Studium. "Sie sind noch näher an der Produktion dran und der Stallgeruch zum Unternehmen ist Gold wert", bekräftigt Personalchef Harald Hiller. Gerade der internationale Ansatz sei enorm wichtig.

"Diesen Weg würde ich nochmals gehen, weil ich mein Arbeitsumfeld, die Prozesse und die Personen kenne", sagt Thomas Schieder, heute Fimenkunden-Betreuer bei der Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz. Der 27-Jährige machte von 2010 bis 2014 seinen Bachelor: während der Semester an der OTH, in den Ferien arbeitete er in der Bank. Sabine Märtin, Leiterin von "OTH-Professional", betont in diesem Zusammenhang die große Flexibilität der Hochschule. Das neue Projekt "Oberpfalz dual" sieht die Zusammenarbeit mit den Berufsschulen vor (u.a. spezielle Klassen für Dual-Studierende).

Selbst ein Masterstudium (MBA bzw. M. A.) ist heute an der OTH Amberg-Weiden möglich, etwa Technologiemanagement 4.0, Digital Business Management oder Angewandte Wirtschaftspsychologie.

Das duale Studium bedeutet eine Win-Win-Situation für den Studierenden und das Unternehmen.Prof. Dr. Frank Schäfer, Prodekan Fakultät Wirtschaftsingenieurwesen

Die Investition eines Unternehmens in das duale Studium eines Mitarbeiters rechnet sich finanziell.Michael Richthammer, Inhaber Richthammer Versicherungsmakler

OTH Amberg-Weiden

Weiden/Amberg. (cf) Das sagt OTH-Präsidentin Professorin Dr. Andrea Klug: "Das duale Studium an unserer Hochschule ist ein wichtiger Baustein und ein Erfolgsmodell in unserer Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Region. Die Unternehmenspartner in unserem Netzwerk gewinnen gut ausgebildete und qualifizierte Fachkräfte, die frühzeitig in den Unternehmen eingebunden werden können und die nach dem Studium sofort optimal einsetzbar sind. Und auch wir als Hochschule profitieren von dem engen Kontakt zu unseren Partnern durch den im dualen Studium gelebten, intensiven beidseitigen Transfer."

 

 

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