26.02.2018 - 10:30 Uhr

V-Mann-Prozess: Schwierige Zeiten für das LKA "Adonis" sagt, was Sache ist

Die Minibagger wurden in Dänemark gestohlen und sollten in den Kosovo gebracht werden. Bei Amberg war Endstation. Zur Freude der lokalen Polizei. Aber zum Missfallen des Landeskriminalamts. Dort wähnte man einen V-Mann in der akuten Gefahr, enttarnt zu werden.

Symbolbild: dpa
von Autor HWOProfil

Nürnberg/Amberg. (hwo) Der Mann war vor etlichen Jahren in der Amberger Rotlichtszene tätig. 2009 warb ihn das Landeskriminalamt (LKA) als Spitzel an, nicht lange darauf begann sein Auftrag. Er lautete: Den Regensburger Rockerclub Bandidos und dessen Mitglieder ausspionieren. Jetzt sitzen sechs vom Dienst suspendierte LKA-Fahnder vor der 13. Strafkammer des Nürnberger Landgerichts. Ihnen wird vorgeworden, ihren heute 50-jährigen V-Mann auch dann noch gedeckt zu haben, als er sich an einem großangelegten Baggerdiebstahl in Dänemark beteiligt hatte.

Parkplatz an der A 93

Amberg und andere Teile der Oberpfalz spielen in dem Prozess eine wesentliche Rolle. Im September 2011 flog am Parkplatz einer Rastanlage an der A 93 der Spitzel auf, als er mit einem Lkw des Weges kam, auf dem drei geklaute Minibagger festgezurrt waren. Als der V-Mann nun erstmals in dem seit November 2017 laufenden Verfahren in Nürnberg als Zeuge vernommen wurde, machte er konkrete Angaben.

Der 50-Jährige firmierte intern offenbar unter der Adresse "Adonis1967". Er will regelmäßig unter diesem Pseudonym E-Mails, SMS und Telefongespräche an seine Partner vom LKA abgesetzt haben. Gelegentlich traf er sich mit seinem in Nürnberg ansässigen Führungsbeamten (52) an einer Autobahnraststätte an der A 6 im Raum Schwandorf. Was folgte, interessierte die Richter besonders: Bereits im Sommer 2011 will der Spitzel Informationen zu einem von der Rockergruppe Bandidos in Regensburg geplanten Baggerdiebstahl in Dänemark weitergegeben haben. Er nahm selbst an diesem Coup teil und ließ erkennen, während und nach der Begehung des Bandendiebstahls Nachrichten an seine Auftraggeber vom Landeskriminalamt weitergegeben zu haben. Damit bestand also eine offenbar lückenlose Informationskette. Sie war wohl dem Umstand geschuldet, dass man beim Landeskriminalamt von der Teilnahme des Informanten an der Bandidos-Aktion in Dänemark wusste.

Falsche Informationen?

Was nach der für die LKA-Leute allem Anschein nach völlig überraschend kommenden Festnahme des Spitzels geschah, ist nun Gegenstand des Prozesses: Die Fahnder sollen durch Falschinformationen an einen damaligen Amberger Oberstaatsanwalt und an die Kripo dafür gesorgt haben, dass ihr V-Mann auf freien Fuß kam. Den 50-Jährigen hat eine Nürnberger Boulevardzeitung so zitiert: "Ich sollte zwischen 6000 und 10 000 Euro im Monat bekommen." Gleichwohl habe er sich beim LKA darüber beschwert: "Ich bin schlechter bezahlt als eine Klofrau."

Der mehrfach Vorbestrafte kostete dem Staat für seine Spitzeltätigkeit auch noch auf ganz anderen Ebenen eine Stange Geld: Er bekam eine eigene Harley-Davidson-Maschine und chauffierte einen Daimler samt Tankkarte. Hohe Ausgaben für ihn, der unter dem Decknamen "VP 113" auf der Gehaltsliste stand. In Nürnberg geht es weiter. Ursprünglich hatte die Strafkammer ein Urteil für März geplant. Jetzt sind Termine bis zum Juli ins Auge gefasst. Die Anklage gegen die sechs Beamten lautet auf Diebstahl in mittelbarer Täterschaft und Strafvereitelung im Amt.

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