13.09.2021 - 16:39 Uhr
AmbergBesserWissen

Ausgediente Mobiltelefone: Viel zu wertvoll für die Restmülltonne

Ausrangierte Handys enthalten wertvolle Rohstoffe wie Gold. Doch nur ein Bruchteil der Altgeräte durchläuft den Recyclingprozess. Der Amberg-Sulzbacher Klimaschutzkoordinator Robert Graf erklärt, warum das anders werden muss.

Insgesamt 124 Millionen Mobiltelefone sollen laut Schätzung der Deutschen Umwelthilfe ungenutzt in deutschen Haushalten liegen. Das sind insgesamt 2,9 Tonnen Gold, 30 Tonnen Silber, 1100 Tonnen Kupfer, die recycelt werden könnten.
von Christa VoglProfil

In den Schubladen vieler deutscher Kommoden schlummern wahre Schätze. Es handelt sich dabei nicht um edle Raritäten, auch nicht um Silber- und Goldbarren als Notgroschen für schwierige Zeiten. Die vergessenen Schätze sind defekt, technisch überholt oder entsprechen vom Design her nicht mehr ganz der aktuellen Mode - ausrangierte Handys.

Insgesamt 124 Millionen Mobiltelefone sollen laut Schätzung der Deutschen Umwelthilfe ungenutzt in deutschen Haushalten liegen. Das sind insgesamt 2,9 Tonnen Gold, 30 Tonnen Silber, 1100 Tonnen Kupfer, die recycelt werden könnten. Rein theoretisch. „Die Praxis sieht leider ganz anders aus“, sagt Robert Graf, Sachgebietsleiter für Abfallwirtschaft und Klimaschutz am Landratsamt Amberg-Sulzbach und damit auch zuständig für die Sammlung von Alt-Handys. „Viele Leute wissen: Ich kann eine defekte Waschmaschine, einen alten Fernseher am Wertstoffhof abgeben, aber an Handys wird dabei nicht gedacht. Da sind sich die Menschen oft unsicher.“

Pure Rohstoffverschwendung

Gerade diese Unsicherheit führe aber oft dazu, dass die Althandys in Schubladen wandern und dort jahrelang liegen bleiben. Oder schlimmer noch: im Restmüll landen. Für Robert Graf und seine Mitstreiter ist das pure Rohstoffverschwendung: „Wenn so ein Handy im Restmüll landet, dann wird es zusammen mit anderem Müll verbrannt und die darin enthaltenen wertvollen Rohstoffe sind ein für allemal verloren.“

Eigentlich eine Katastrophe, zumal es auch anders ginge. Graf spricht von Kreislaufwirtschaft: „Aus einem Handy kann man sehr viel rausholen, ungefähr 95 Prozent der Bestandteile eines Handys können recycelt werden.“ Dass sich hinter jedem dieser unscheinbaren Kunststoffgehäuse rund 14 verschiedene Metallsorten – darunter Gold, Silber, Kobalt, Tantal und Nickel – verstecken, sei vielen gar nicht bewusst. Und auch nicht, dass es sich dabei um Stoffe handelt, die „endlich“ sind. Was das bedeutet? „Man weiß genau, dass es von diesen Metallen auf der Erde nur eine gewisse Menge gibt und sie knapp sind. Daher auch die Bezeichnung ,kritische Rohstoffe' oder enger gefasst ,Seltene Erden'. Und dass wir vor einem großen Problem stehen, wenn diese Vorkommen abgebaut sind.“

Aber es ist nicht allein die Knappheit dieser Ressourcen. Auch die Ausbeutung von Arbeitskräften und die verursachte Umweltverschmutzung bei der Förderung der Rohstoffe sieht Graf skeptisch: „Wenn man überlegt, welche Umweltschäden durch die Förderung dieser Stoffe entstehen - der Abbau der Metalle ist hochkompliziert und führt zu großen Mengen an giftigen Abfällen – dann ist klar, dass die Kreislaufwirtschaft für Handys Standard werden muss.“

Erneut vom Rohstoffmarkt in die Produktion

Im Idealfall sieht das so aus: Das Alt-Handy wird abgegeben. Ist es noch vermarktungsfähig, so wird es repariert und wiederverwertet. Ist es nicht mehr vermarktungsfähig, wird es geschreddert, wobei wertvolle Ressourcen – wie Gold, Silber, Palladium, Platin - über den Rohstoffmarkt wieder in die Produktion gelangen. Und auch Schadstoffe werden fachgerecht und ökologisch einwandfrei entsorgt.

Obwohl alle Argumente für eine Kreislaufwirtschaft von Handys sprechen und es auch auf Gemeinde- und Landkreisebene regelmäßig Sammelaufrufe gebe, zieht Graf dennoch eine ernüchternde Bilanz: „Die Resonanz auf diese Sammelaktionen ist leider sehr verhalten. Wir werben zwar immer wieder in den Medien dafür, und ja, es werden auch Handys abgegeben.“ Aber die Menge bleibe sehr übersichtlich. Es sei allen Beteiligten klar, dass bei den Wertstoffhöfen nur ein Bruchteil der Handys landet, die nicht mehr in Gebrauch sind.

Dabei ist Graf davon überzeugt, dass heute viele Bürger durchaus gewillt sind, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. „Aber nicht jeder von uns hat die finanzielle Möglichkeit für große Investitionen, wie eine Photovoltaik-Anlage, eine neue Heizung oder einen modernen Stromspeicher.“ Es gebe jedoch auch die vielen kleinen Bausteine, die keinesfalls vergessen werden dürfen. Nur einer von ihnen: die korrekte Entsorgung der ausgedienten Handys.

Robert Graf: "Viele Leute wissen, dass sie einen alten Fernseher oder eine defekte Waschmaschine am Wertstoffhof abgeben können. Aber an Handys wird dabei nicht gedacht."
Service:

Wo können Handys abgegeben werden?

Bei Wertstoffhöfen (ganzjährig)

Bei Sonderaktionen der Gemeinden (verschiedene kommunale Sammelstellen)

Im Fachhandel: Alle Händler mit einer Verkaufsfläche für Elektrogeräte von mindestens 400 Quadratmetern müssen kleine Elektroaltgeräte (Kantenlänge bis zu 25 Zentimeter) kostenlos zurücknehmen. Dabei ist es egal, wo die Altgeräte ursprünglich gekauft wurden. Es muss auch kein neues Gerät gekauft werden. Die Rücknahmepflicht gilt auch für den Versand- und Onlinehandel, teilt das Umweltbundesamt mit.

Beim Provider abgeben oder zuschicken (zum Beispiel Telekom, Vodafone oder O2).

Handy per Post einsenden, zum Beispiel an Nabu, Missio, Pro Wildlife oder Handysfuerdieumwelt.de.

Vor der Entsorgung von Handys:

Löschen aller gespeicherten, persönlichen Daten

Entfernen der alten SIM- und Speicherkarten.

 

 

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