23.11.2020 - 15:54 Uhr
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Christbaum-Suche: Die Schönheit aus dem Kaukasus

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Ein Christbaum gehört für viele Familien zur Tradition. Rund 80 Prozent entscheiden sich für die Nordmanntanne. Der Grund: Dieser Baum verzeiht fast alles. Das weiß auch Thomas Emslander, Vorsitzender der bayerischen Christbaum-Anbauer.

Christbaum-Anbauer schätzen an der aus dem Kaukasus stammenden Nordmanntanne eine besondere Eigenschaft: ihre Formstabilität. „Die Nordmanntanne ist einfach zu kultivieren und verzeiht fast alles“, sagt Thomas Emslander.
von Christa VoglProfil

Thomas Emslander aus Ergolding bei Landshut erinnert sich noch sehr gut an einen Samstag im Advent vor einigen Jahren. Ein kleiner Junge, nicht gerade leutescheu, kam an den Verkaufsstand, schaute sich um und fragte: "Bist du der Chef da?" Emslander sagte: "Ja." Darauf der Junge: "Bist du also der Christbaum-Anbauer?" Emslander nickte bestätigend: "Ja." Da schaute ihn der Bub neugierig an und wollte wissen: "Und was tust du denn den Rest vom Jahr?"

Emslander, Vorsitzender der bayerischen Christbaum-Anbauer, muss lachen, wenn er diese Geschichte erzählt. Doch so abwegig ist die Frage des Buben nicht. Wahrscheinlich haben sich diese Frage auch schon Erwachsene gestellt. Was macht ein Christbaum-Anbauer eigentlich, wenn nicht gerade Weihnachtszeit ist? Bäume wachsen doch von alleine, oder etwa nicht? Emslander verrät bereitwillig, was er "den Rest vom Jahr so macht", nämlich: säen, pflanzen, pflegen, kontrollieren, formschneiden, mähen, mulchen, etikettieren, verkaufen. Und dies alles immer und immer wieder.

Buschigkeit und Dichte

"Jetzt im November und Dezember sind wir natürlich alle mit dem Verkauf unserer Christbäume beschäftigt. Wir bieten auf unserem Hof ganz verschiedene Baumarten an", sagt Emslander. Die beliebteste ist die Nordmanntanne mit einem Anteil von 80 Prozent. Warum das so ist? Der Unternehmer muss nicht lange überlegen: die gute Haltbarkeit, die relativ weichen Nadeln, der gleichmäßige Wuchs, ihre Buschigkeit und Dichte.

Gerade Christbaum-Anbauer schätzen an der aus dem Kaukasus stammenden Tanne aber noch eine besondere Eigenschaft: ihre Formstabilität. "Die Nordmanntanne ist einfach zu kultivieren und verzeiht fast alles. Man kann sie ins Netz stecken, auf eine Palette legen und zusammenpressen, man kann sie dermaßen verpackt und eng gestapelt zum Abnehmer fahren, nimmt sie dort von der Palette, zieht sie aus dem Netz, schüttelt sie kurz: und sie sieht aus wie gerade frisch gefällt."

Wenn 80 Prozent der Käufer auf die Nordmanntanne schwören, welche Kandidaten teilen sich dann die restlichen 20 Prozent? An zweiter Stelle steht die Blaufichte, gefolgt - allerdings mit großem Abstand - von verschiedenen Nischenbäumen: zum Beispiel Coloradotanne, Gewöhnliche Waldfichte oder Nobilis-Tanne. Und auch die Kiefer mit ihren schönen Nadeln und dem ausgefallenen Wuchs hat ihre Liebhaber. Diese Nischenbäume, von denen keiner mehr als ein bis zwei Prozent Marktanteil hat, sind zwar in der Handhabung viel empfindlicher, zeichnen sich aber durch eine Besonderheit aus: ihren harzigen Duft, oft auch kombiniert mit einer zitronigen Note. "Viele ältere Menschen kommen zu uns und sagen: Sie, ich möchte wieder mal einen Baum wie früher, als ich ein Kind war, als man ins Zimmer kam und der Duft hat einen überwallt", sagt Emslander, dessen Familie bereits seit 60 Jahren in dieser Branche tätig ist. Wenn ein solcher Wunsch an ihn herangetragen wird, rät er in der Regel zu einem dieser Nischenbäume.

Regional kaufen, kurze Wege

Dem Verein der bayerischen Christbaum-Anbauer ist aber nicht so sehr wichtig, welche Baumart der Kunde letztendlich in seinen Kofferraum packt, sondern vielmehr, dass regional angebaute Weihnachtsbäume gekauft werden. Argumente für eine regionale Kaufentscheidung gibt es genügend: Die Reduktion der CO2-Belastung durch kurze Wege, die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Stärkung der heimischen Land- und Forstwirtschaft, die in der Region bleibende Wertschöpfung und schließlich auch der Lebensraum, den Christbaumkulturen für Tiere und Pflanzen bieten würden.

Doch woran erkennt man, dass die Christbäume aus Bayern stammen, wenn sie in Baumärkten, Gartencentern oder Supermärkten angeboten werden? "Entweder man fragt direkt beim Verkäufer nach, oder man sucht gezielt nach dem Logo", erklärt der 67-Jährige: Es zeigt einen Weihnachtsbaum mit Stern, versehen mit dem Hinweis: Bayerischer Christbaum.

Und noch ein weiteres Siegel gebe es für Christbäume seit 2017, sagt der Unternehmer, nämlich "Geprüfte Qualität - Bayern". Dieses Zertifikat garantiere zusätzlich strenge Produktionsstandards: Die Bäume dürfen zum Beispiel erst ab dem 10. November geschlagen werden. Sie dürfen während der letzten drei Jahre nicht mit Pflanzenschutzmittel behandelt worden sein, sie müssen die letzten drei Jahren in Bayern gestanden haben und nicht aus anderen Ländern zugekauft sein.

Bis 1996 stammten 50 Prozent der Weihnachtsbäume in den deutschen Stuben aus Dänemark. Zwischenzeitlich ist die Eigenversorgung auf 75 bis 80 Prozent gestiegen. Nicht zuletzt durch den Einsatz des Vereins "Christbaum aus Bayern", der zwischenzeitlich 194 Mitgliedsbetriebe zählt, darunter auch einige aus der Oberpfalz.

In den vergangenen Jahren sehen sich die Christbaum-Anbauer mit zwei neuen Herausforderungen konfrontiert. Nummer eins: Plastikchristbäume. Dazu sagt Emslander: "Gerade aus Asien werden Christbäume aus Plastik angeboten. In sehr guter Qualität, aber auch zu entsprechend hohen Preisen. Ich frage mich: Warum muss ich einen Baum haben, der auf Erdölbasis produziert ist und um die halbe Welt transportiert wurde, wenn ich einen Naturbaum haben kann?" Nummer zwei: Das Argument, auf den Weihnachtsbaum komplett zu verzichten, "weil der Baum weiter Kohlendioxid speichern und Sauerstoff produzieren soll." Emslander lässt dieses Argument nicht gelten: "Für mich ist das ein falscher Ansatz. Denn diese Bäume wurden ja extra gepflanzt, um zu Weihnachten als Christbaum geschlagen zu werden. Während der zwölf Jahre ihre Lebens haben die Bäume intensiv Kohlendioxid gebunden, außerdem werden an ihrer Stelle im kommenden Jahr wieder neue Bäume gepflanzt."

Leicht duftende Colorado-Tanne

Und welchen Baum holt sich Thomas Emslander zu Weihnachten ins Wohnzimmer? Welches ist sein Lieblingsbaum? "Naja, das ist ein Problem bei uns in der Familie", gesteht er lachend. Sein Favorit sei die aus Amerika stammende Colorado-Tanne, die es in bläulichen und grünen Farbtönen gibt, leicht duftend, ein "toller Baum". Doch immer mal wieder würde er von den Mitgliedern seiner Familie bei der Entscheidung überstimmt. Dann gibt es stattdessen eine Nordmanntanne. "Ich bin halt traditionell", sagt Emslander. "Das, was mir gefällt, dabei bleibe ich." Er darf also gespannt sein, welcher Christbaum dieses Jahr in der guten Stube stehen wird. Aus Bayern ist er aber ganz sicher.

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Schönficht bei Plößberg
Thomas Emslander: „Viele ältere Menschen kommen zu uns und sagen: Ich möchte wieder mal einen Baum wie früher, als ich ein Kind war, als man ins Zimmer kam und der Duft hat einen überwallt.“

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Döllnitz bei Leuchtenberg
Service:

Pflegetipps von Thomas Emslander

  • Schützen Sie den Baum beim Transport vor Sprühwasser von der Straße (Salzwasser).
  • Stellen Sie den Baum im Netz an einen kühlen Ort.
  • Empfehlenswert sind Ständer mit Wasserbehälter. „Bevor Sie den Baum dort hineinstellen, idealerweise noch mal frisch anschneiden, aufrichten, dann das Netz entfernen“, rät Thomas Emslander.
  • Der Baum lässt sich leichter schmücken, wenn er einen Tag zuvor aufgestellt wird, damit sich die Zweige senken.
  • Vermeiden Sie Heizungsnähe und gießen Sie regelmäßig. „Ein zimmerhoher Baum braucht bis zu zwei Liter Wasser pro Tag“, erklärt Thomas Emslander. (cvl)
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