24.06.2021 - 17:00 Uhr
BesserWissen

Dekorativ, duftend und lecker: Die Aromen essbarer Blüten genießen

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Blüten schmücken mit ihrer Pracht nicht nur Beete und Kübel. Viele sind auch essbar und bereichern unsere Küche mit Aromen von zuckersüß bis pfeffrig-scharf. Einsteiger versuchen Gänseblümchen und Hornveilchen.

Wunderschön und köstlich: Essbare Blüten verfeinern auch Brothäppchen.
von Agentur DPAProfil

Wenn der Löwenzahn blüht, kommt Ursel Bühring ins Schwärmen. Schon als Kind sammelte sie die goldgelben Blüten und genoss die feinen Blütenblätter auf dem Butterbrot. "Wenn man die bitteren Kelche entfernt, schmecken sie wunderbar. Für mich sind sie wie flirrendes Gold", sagt die Heilpraktikerin und Buchautorin. Ob Löwenzahn, Rotklee und Gänseblümchen, Rose, Apfel, Schnittlauch oder Zucchini: Die Liste der Pflanzen mit essbaren Blüten ist lang und abwechslungsreich - sowohl farblich, als auch im Geschmack.

Die Blüten der Kapuzinerkresse beispielsweise haben ein pfeffriges Aroma, Borretschblüten schmecken hingegen süß. Wer beide Nuancen vereinen will, kann Taglilien probieren. "Knospen und Blüten der Taglilie eignen sich hervorragend für Salate und als gedünstetes Gemüse. Der erste Geschmack ist süßlich, dann kommt die pfeffrige Note", sagt Nadja Krause von der Niedersächsischen Gartenakademie. Die Staude ist Krauses Favorit unter den essbaren Blütenpflanzen: "Die Taglilie bildet über den Sommer ständig neue Blüten, da kann man ohne großen Blütenverlust regelmäßig zugreifen."

Finger weg vom Unbekannten

Ohne genaue Kenntnis der Pflanze sollte allerdings keine Blüte in einer Salatschüssel oder auf dem Butterbrot landen, egal wie verführerisch sie sich präsentiert. "Als Faustformel gilt: Stehen lassen, wenn ich mir nicht sicher bin!", sagt Krause. Das Motto: "Probieren geht über Studieren" sei hier fehl am Platz. Hochgiftig sind beispielsweise Fingerhut, Goldregen, Goldlack und Maiglöckchen. Auch bei Nachtschattengewächsen heißt es: Finger weg. "So lecker die Früchte von Tomaten, Paprika, Kartoffeln und Aubergine sind, so sehr sind die restlichen Pflanzenteile giftig und verursachen zum Teil starke Vergiftungserscheinungen", so Krause.

Wer die Welt der essbaren Blüten entdecken will, dem rät Susanne Klinger von der Hessischen Gartenakademie zu Gänseblümchen und Hornveilchen als Einstieg: "Die farbenfrohen Blüten lächeln uns auf dem Teller an und schmecken blumig. Die Pflanzen sind leicht zu beschaffen und halten lange." Auch Pelargonienblüten sind aus ihrer Sicht verwendbar. "Sie sind von sich aus nicht giftig, werden aber gegen Läuse und Pilze gespritzt", so Klinger. Ihr Tipp: Pflanzen in Bio-Qualität kaufen oder einige Wochen bis zur Ernte warten. "Je mehr sie zuwachsen, umso besser."

Am besten aus dem Garten

Nadja Krause empfiehlt, auf den Verzehr von Blüten bei Pflanzen aus dem Gartencenter zu verzichten beziehungsweise nur Blüten zu nutzen, die auf dem Etikett oder Topf entsprechend gekennzeichnet sind. "Am besten verwendet man essbare Blüten aus dem eigenen Garten", rät sie.

Garten, Balkon und die Natur bieten das ganze Jahr hindurch essbare Blüten. Im Frühling lassen sich neben Hornveilchen, Gänseblümchen und Löwenzahn auch Gundermann, Veilchen sowie die Blüten von Apfel, Birne, Kirsche und Pflaume genießen. Ursel Bührings Tipp: Wiesenschaumkraut. "Die Blüte schmeckt leicht kresseartig und hat eine aparte Schärfe. Mit ihrem zarten Rosa peppt sie grünen Salat oder Spinat auf."

Für Suppen, Salate und Öle

Im Sommer ist der Tisch dann reich gedeckt, zum Beispiel mit blühenden Kräutern wie Schnittlauch, Oregano, Salbei, Thymian, Minze und Basilikum. "Basilikumblüten sind süß und haben ein kräftiges Nelkenwurzaroma", sagt Krause. Sie rät, nur die Blüten ohne den Kelch zu verwenden: "Sie geben jeder Salatsoße eine herrliche Note, aber auch zur Verfeinerung von Suppen sind sie ideal. Wer gerne Öle selbst aromatisiert, sollte Basilikumblüten unbedingt einmal ausprobieren."

Für einen essbaren Blütenschmaus im Blumenkasten rät Susanne Klinger dazu, eine Mischung auszusäen: "Leuchtend blaue Kornblumen und gelbe oder orangefarbene Ringelblumen sind sehr robuste Pflanzen, die sich auch selbst aussäen und so jedes Jahr wiederkommen. Schneidet man die verwelkten Blüten ab, blühen sie vom Frühling bis zum Herbst." Klinger zählt weitere Möglichkeiten aus dem Blumenbeet auf: Dahlien, Gewürztagetes, Nelken, Rosen. Essbare Chrysanthemen seien in Asien eine große Sache. Auch im Gemüsebeet finden sich essbare Varianten: "Kürbis- und Zucchiniblüten sehen toll aus. Man kann sie füllen und ausbraten oder einfach klein schneiden und über den Salat streuen."

Ursel Bühring erntet die essbare Blüten an sonnigen Tagen, wenn sie frisch aufgegangen sind - von Hand sowie mit Bedacht und Augenmaß: "Ich lasse immer genügend stehen, auch für die Insekten. Wir wollen ihnen schließlich nichts wegessen." Bühring rät, nur unbeschädigte und saubere Blüten zu sammeln. Das spart nicht nur Arbeit, sondern erhält auch das Aroma. "Die Blüten bitte nicht waschen. Es wäre jammerschade, wenn dadurch die zarten Blüten zerstört und der Nektar und Blütenstaub ausgewaschen würden."

Blüten machen Lust

In der Küche lassen sich die Blüten vielseitig verwenden - zum Dekorieren, Würzen und Aromatisieren, für herzhafte und süße Speisen. "Essbare Blüten bringen Farbe in den Salat und aufs Butterbrot und machen Lust aufs Essen", sagt Klinger. Sie nutzt Blütenblätter unter anderem, um darin Frischkäsebällchen zu wälzen oder Blütenbutter herzustellen.

Bühring aromatisiert auch Getränke und stellt Honig und Sirup her. "Üppig auf weiße Tischtücher gestreut oder in Wasserschalen gelegt sind Blüten eine wunderschöne Dekoration für eine Gartenparty." Für die Heilpraktikerin sind essbare Blüten aber nicht nur aus optischen oder Aromagründen ein Pluspunkt: "Essbare Blüten sind total gesund. Sie wirken antioxidativ, zellschützend und entzündungshemmend."

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