Herbstgarten im Hygge-Stil: Maria Vogl richtet sich im Grünen ein

Dieser Garten ist unkompliziert, gemütlich und fröhlich – einfach hyggelig. Was andere Leute wegwerfen, wird hier zum kuriosen Kunstobjekt. Weinbergschnecken stören nicht, sondern kriechen mit ihren bemalten Häuschen durch die Beete.

Im Herbst leuchtet der Garten der Familie Vogl besonders intensiv.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Der Garten liegt an der Straße. Doch wer jetzt meint, mit einem Blick über den niedrigen Zaun schon alles gesehen zu haben, der täuscht sich gewaltig. Denn vieles entdeckt man erst beim Gartenspaziergang. Auch wenn es nur 900 Quadratmeter sind, ähnelt die Anlage einem kleinen, kuscheligen Park. Maria und Alfred Vogl haben für diesen Eindruck mehrere Gartenzimmer geschaffen, die zum Innehalten einladen. „Ein Garten wirkt erst größer durch mehrere Räume“, sagt die Hobbygärtnerin. Ein weiterer Vorteil: Es ergeben sich mehr Möglichkeiten für windgeschützte Sitzplätze.

Eine niedrige, geschwungene Buchshecke markiert den Vorgarten. Auf der überdachten Terrasse hält die Amerikanische Pfeifenwinde (Aristolochia macrophylla) mit ihren herzförmigen Blättern Hofstaat. Die Kletterpflanze schuf eine blickdichte grüne Wand, die von allen Seiten schön aussieht. Der schnittverträgliche Schlingstrauch (bis zu zehn Meter) benötigt eine senkrechte Kletterhilfe und eine waagrechte Rankhilfe. Tipp: Um die Verzweigung zu fördern, bei den Jungpflanzen die frischen Triebe in die Höhe richten und gelegentlich entspitzen. Die pfeifenartig gebogenen Blüten erscheinen von Juni bis August. Die großen Blätter (bis zu 30 Zentimeter) liegen übereinander und bilden bis zum Spätherbst einen dichten Vorhang. Auch ohne Laub bleibt die Pfeifenwinde den Winter über attraktiv.

Duft und Genuss

Dekorativ sind auch die Wege durch den Garten, denn als Material wurden viele unterschiedliche und teils gebrauchte Pflastersteine und Ziegel verwendet. Damit sind auch niedrige Mäuerchen und hohe Säulen entstanden. Feldsteine sind zu Trockenmauern und einer Kräuterspirale aufgeschichtet. „Die Steine speichern Wärme, was die Kräuter mit mehr Aroma danken“, erklärt die leidenschaftliche Köchin. Für sie ist der Garten auch Duft und Genuss. Perlagonien in Töpfen setzen Farbkleckse. Gräser und Stauden beleben mit unterschiedlichen Blattstrukturen. „Ich nehme alles nicht so genau und lasse der Natur freie Hand“, betont Maria Vogl beim Blick in die Beete. Doch die gärtnerische Ordnung ist deutlich zu sehen. Das spürt auch die etwa 15 Jahre alte Trauerbirke (Betula pendula Youngii). Damit die schirmartige Krone in Form bleibt, wird diese alle zwei Jahre kräftig zurückgeschnitten.

Maria Vogl lebt ihre kreative Ader im Garten aus. Sie platziert teils sehr kuriose ausrangierte Gerätschaften, die sich in natura oder bunt bemalt wunderbar einfügen. Einige Beispiele: Ein eiserner Traktorsitz dient als Pflanzgefäß für Hauswurze. Ein landwirtschaftlicher Düngerstreuer leistet als Hochbeet für die Erdbeeren gute Dienste. Auf einem alten Holzofen steht bepflanztes Emaillegeschirr. Am Hausgiebel lehnt ein Spiralrad eines Heuwenders und verdeckt die Dachrinne. Auf der Terrasse stehen mit Acrylfarbe bemalte Holzstühle, die eine fröhliche Leichtigkeit versprühen. „Ich bin immer auf der Suche nach Dingen, egal ob im Sperrmüll, beim Alteisenhändler oder in der Flur beim Spazierengehen“, erklärt Maria Vogl. Auch die dekorativen Eisenzaunelemente, die ein Viereck um ein Staudenbeet bilden, hat sie vorm Verschrotten gerettet.

Rosen selber vermehren

Durch den Heckenbogen der Hainbuche geht es zum gemauerten Bassin mit Wasserspiel und Büste. Ein schöner Platz, um mit der Familie oder Freunden das Leben draußen zu genießen. Nostalgie pur verströmt in dieser Sichtachse der Gartenpavillon. Hier residiert die ,Unschuld', eine öfter blühende weiße Rankrose. Sie erreicht eine Höhe von bis zu 3,50 Metern und wird zwischen Rambler- und Kletterrose angesiedelt. Maria Vogl mag den kräftigen Duft der kleinen, dicht gefüllten Blüten. Und sie schätzt es, dass die Rose „absolut winterfest" ist. Ein weiterer Liebling unter den Rosen ist die Sorte „Burghausen“, eine Strauchrose mit hellroten, halb gefüllten, leicht duftenden Blüten. Diese eignet sich sowohl als Solitärpflanze, als auch als Hecke und kann gut am Spalier gezogen werden. Ebenso wie die „Unschuld“ ist sie sehr robust, hitzeverträglich und regenfest. Im Vorgarten stehen einige „rosige Pflanzenkinder“ in Töpfen. Die Hobbygärtnerin macht Mut: „Jede Rose ist einen Versuch wert, sie durch Stecklinge zu vermehren.“ Der beste Zeitpunkt dafür ist von Ende Juni bis Anfang August.

Unter dem Motto „Leben und leben lassen“ dürfen die Weinbergschnecken bleiben. „Die sind nicht so gefräßig wie ihre Verwandten, die Nacktschnecken“, sagt die Hausherrin. Sie freut sich, wenn sie einen „Schleimer“ mit bayerischer Raute auf seinem Kalk-Schneckenhaus entdeckt. Denn dann weiß sie, dass es den Tieren gut geht, denen sie vor drei Jahren ihre Wohnung bemalt hat. Für die Selbstversorgung mit Gemüse ist der Nutzgarten zu klein. Deshalb wurde ein Acker am Waldrand gepachtet, der jedes Jahr vor allem mit Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren und Kraut bewirtschaftet wird.

Beim Abschied unter der Winterlinde fällt der Blick auf den historischen Kartoffelroder, dessen Schleuder fast vollständig von einer rosa blühenden Strauchrose durchwuchert ist. Wer Maria Vogl kennt, der weiß, dass dies nicht das letzte Relikt aus vergangenen Zeiten sein wird, welches hier stilvoll altern darf. Schließlich trägt die Einrichtung der Gartenzimmer wesentlich dazu bei, dass diese Romantik, Harmonie und Geborgenheit ausstrahlen. „Hygge“ lautet dafür das neue Modewort.

Farbenspiel im Garten von Renate und Hubert Steger in Gunzenbach

Gunzendorf bei Auerbach

Das Buch Oberpfälzer Gartenglück zeigt die Vielfalt des Gartelns in der Oberpfalz auf

Oberpfalz
Hintergrund:

Der Garten von Maria und Alfred Vogl

  • Standort: Seubersdorf-Schnufenhofen (Landkreis Neumarkt).
  • Grundstück: 900 Quadratmeter.
  • Beschreibung: Der naturnahe und wohnlich eingerichtete Garten ist in unterschiedliche Räume gegliedert. So wächst die Hainbuchenhecke nicht am Grundstücksrand, sondern mittendrin. Alte landwirtschaftliche Geräte sind als Kunstobjekte zwischen den Pflanzenkombinationen platziert. Ein kleiner Nutzgarten und ein gepachteter Gemüseacker dienen der Familie zur Selbstversorgung.
  • Unsere Miniserie "Hobbygärtnern ins Beet geschaut" ist zu Ende. Weitere Gartengeschichten über die Vielfalt des gärtnerischen Schaffens in der Oberpfalz gibt es im Buch "Oberpfälzer Gartenglück".

"Ein Garten wirkt erst größer durch mehrere Räume."

Maria Vogl

 

 

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