01.09.2021 - 12:26 Uhr
Gunzendorf bei AuerbachBesserWissen

Ein Faible fürs Farbenspiel: Vom Grünspargel bis zum Tulpenbaum

Im steil abfallenden Hanggarten von Renate und Hubert Steger in Gunzenbach gibt es viele funktionierende Pflanzen-WGs zwischen den Steinmauern. Zum Ende des Sommers leert sich das Kartoffel-Heubeet in Nachbarschaft zur "Obstler-Runde".

Farbenfroher Empfang: Im 4000 Quadratmeter großen Garten in Gunzendorf wird farbenfroh gegartelt.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

„Vorsicht. Wilde Gärtnerin.“ Das Schild am Eingang zum Garten der Familie Steger lässt schmunzeln. Renate und Hubert Steger wohnen seit 1991 im ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen, direkt angrenzend zur Dorfkirche. Im Jahr 2013 wurde das Grundstück mit extremer Hanglage neu angelegt und mit Mauern terrassiert. Mit viel Gespür für die Bedürfnisse der Pflanzenfamilien entstanden zahlreiche Gartenzimmer. „Wir pflanzten einige Bäume, um Schatten zu haben“, erklärt Renate Steger beim Rundgang und zeigt auf den essbaren Zierapfelbaum „Everest“, der sich langsam zum Großstrauch entwickelt. Hausbaum ist jedoch der markante Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera), der sich in seiner kleineren Zuchtform gut einfügt. Im Frühling trägt er große gelbe Blüten und zum Saisonende verabschiedet er sich mit einer kräftig goldgelben Blattfärbung. Hingucker im herbstlichen Garten sind auch die roten Früchte der zwei Apfeldornbäume (Crataegus lavallei Carrierei). „Sie ähneln ein wenig der Habebutte und bleiben teilweise bis zum Februar hängen. Das freut auch die Vögel“, berichtet die Hobbygärtnerin. Das Laub lässt sie als Winterschutz und Dünger in den Beeten liegen. Rasenfläche gibt es ja eh nur wenig zu pflegen.

Außerhalb der Baumkrone haben die Stauden genügend Licht und Luft. Sonnig mögen es beispielsweise die sehr dekorativen Herbstanemonen, denn im Halbschatten bilden sie weniger Blüten aus. Die Mondviole (Silberblatt) hat einen geschützten Platz gefunden und vor den Mauern kommen Sonnenhut und Eisenkraut gut zur Geltung. Auch Bartnelke, Akelei und Stockrosen lieben es, durch Selbstaussaat weiterzuwandern. Das Faible der Gärtnerin für Funkien, Buchs und Rosen ist unübersehbar. Rambler- und Kletterrosen ranken sich an Gerüsten und an der Pergola empor. Am Freisitz mit Backofen mischt sich eine Berg-Waldrebe (Clematis montana) darunter, die ein paar Wochen lang mit einer Wucht an kleinen weißen Blüten überzeugt.

Gut gefüllter Naschgarten

Vorbei an weiteren Sitzplätzen geht es den Hang hinauf zu den Weinstöcken, die an einer sonnenverwöhnten Mauer gut geschnitten ihre Traubenzöpfe zeigen. Hier gefällt es auch einigen Steingartengewächsen sowie Thymian & Co. im Kräuterbeet. Der Naschgarten liegt ein Stockwerk tiefer und hat viel zu bieten. Was nicht frisch verzehrt wird, kommt bei 50 bis 65 Grad Celsius in den Dörrapparat. Überwiegend sind das Aroniabeeren, Äpfel, Birnen, Zwetschgen, Weinbeeren und Pfirsiche. Der Pfeil am Schild „Obstler-Runde“ weist den Weg hinunter zum Obstbaumspalier. Hier kann vom Spätsommer bis zum Spätherbst geerntet werden, was durch die verschiedenen Apfelsorten (Julia, Pinova, Baya Marisa, Mela, Rubinola und roter Herbstapfel) möglich ist.

Wir kommen zum Gemüsegarten. Die Hausherrin setzt auf Selbstversorgung und probiert gerne Neues aus. 2020 pflanzte sie etwas Grünspargel in eine ausgediente Wassertonne. „Es hat für drei Mahlzeiten gereicht“, meint sie lachend. Länger hat die Familie etwas von den Cocktailtomaten, die gedörrt in Öl einlegt werden. Die größeren Sorten kocht Renate Steger zur Soße ein. Sie hat im Laufe der Zeit 22 „lieb gewordene“ Tomatensorten weiter gezogen. Hybrid-Saatgut ist in diesen Garten nicht zu finden, denn der Besitzerin ist der Erhalt alter Sorten und die Sortenvielfalt wichtig: „Ich verwende und ziehe nur samenfestes Saatgut weiter.“ Dieses hat sie von Gartenfreunden bekommen oder bei ökologischen Züchtern bestellt. Neu sind ein paar alte Sorten von Stangenbohnen, die „hervorragend schmecken“. Einige lila Schoten hat sie davon zum Ausreifen hängen lassen.

Im Gemüsegarten wird mit Rasenschnitt und Heu gemulcht, damit das kostbare Nass nicht gleich abtrocknet. Renate Steger schwört auf Bio-Düngung mit Jauchepflanzen wie Acker-Schachtelhalm, Beinwell, Brennnessel und Wermut. Ihr Tipp: „Aus dem Acker-Schachtelhalm koche ich einen Tee. Diesen verdünne ich etwa im Verhältnis von 1:10 mit Wasser und verabreiche ihn dann den Tomatenpflanzen zur Stärkung.“

Kartoffeln ohne zu graben

Das Heu von der Streuobstwiese wird im Garten unter anderem für das Kartoffel-Heubeet verwendet. Das Ehepaar Steger hat dazu zunächst Kartonagen flach auf den frisch gemähten Rasen ausgelegt und Heu (etwa 15 Zentimeter) aufgebracht. Darauf legten sie die Saatkartoffeln („Rote Laura“) im Abstand von etwa 40 mal 40 Zentimeter. Auf die Knollenreihe wurde dann Kompost (etwa 10 Zentimeter) gegeben und dann das Beet mit Heu (40 bis 50 Zentimeter) bedeckt. Anschließend war kräftiges Gießen angesagt, damit die Heuschicht in sich zusammensackt. Ein paar Wochen lang dann das immer gleiche Spiel: Wenn Kartoffeltriebe zu sehen waren, wurden sie mit einer neuen Mulchschicht (Heu oder Rasenschnitt) bedeckt und gegossen. Die Stegers freuten sich bei diesem Gartenexperiment über eine ertragreiche Ernte. Dazu musste die Mulchschicht nur wie ein Teppich beiseite geräumt und die auf dem Boden liegenden Knollen aufgesammelt werden.

Unten am Berg angekommen, geht es wieder zur Straße. Sichtschutz bietet ein Brombeer-Spalier („Powerfrucht ist alles, was dunkel ist“). Der Bambus-Busch ist dekorativ und praktisch: Hier schneidet Renate Steger die Tomaten-Stecken heraus. Eine Hainbuchenhecke hält als grüne Wand den Wind am unteren Hang ab. Diese wurde vor sieben Jahren selber herangezogen. „Im Herbst von der Mutterpflanze Stecken schneiden, mit der Blattknospe nach oben in die Erde stecken und mit einem Stab gerade halten“, erklärt Renate Steger im Vorbeigehen. Sie zieht die Hecke ein paar Jahre lang in Töpfen heran. „Manche setzen sie auch gleich in den Boden, allerdings sind dann größere Ausfälle möglich.“ Wir sind vorne beim Haus angekommen. Hier wacht bis zum ersten Frost die Nostalgie-Rose „Leonardo da Vinci“ mit ihren rosa Blütenbällen

Das Buch Oberpfälzer Gartenglück zeigt die Vielfalt des Gartelns in der Oberpfalz auf

Oberpfalz

Blumen und Gemüse im Permakultur-Bauerngarten von Edeltraud Völkl

Oberviechtach
Info:

Der Garten von Renate und Hubert Steger

  • Standort: Gunzendorf/Auerbach (Landkreis Amberg-Sulzbach)
  • Grundstück: 4000 Quadratmeter
  • Beschreibung: Bäume und Natursteinstelen säumen das Tor in den Garten mit extremer Hanglage. Verschlungene Wege öffnen immer wieder neue Zimmer, welche durch Mauern abgefangen werden. Viele Sitzplätze laden zum Innehalten ein. Es gibt eine Obstbaumhecke und einen Experimentier-Nutzgarten sowie frisches Brot aus dem Holzbackofen unter der Pergola.
  • Nächsten Donnerstag: So gelingt ein Wohlfühlgarten. Maria und Alfred Vogl in Seubersdorf haben ihr Hausgrundstück im Hygge-Stil eingerichtet.
  • Die Beiträge unserer Miniserie "Hobbygärtnern ins Beet geschaut" stammen aus dem Buch "Oberpfälzer Gartenglück" von Gertraud Portner, erschienen 2021 im Buch- und Kunstverlag Oberpfalz in der Battenberg-Gietl-Verlag GmbH, ISBN 978-3-95587-081-2.

"Aus dem Acker-Schachtelhalm koche ich einen Tee. Diesen verdünne ich etwa im Verhältnis von 1: 10 mit Wasser und verabreiche ihn dann den Tomatenpflanzen zur Stärkung."

Renate Steger

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.