25.08.2021 - 10:16 Uhr
OberviechtachBesserWissen

Mehr Natur mit Permakultur: Ein Update für den Bauerngarten

Garteln ist das Hobby Nummer eins bei der Familie Völkl im Oberviechtacher Ortsteil Pirk. Der neue Gemüsegarten ist eine Bereicherung für Mensch und Tier. Denn bei der Pflanzenauswahl wird auch auf die Vorlieben der Insekten geachtet.

Der Bauerngarten vorm Elternhaus von Egbert Völkl wurde 2018 neu angelegt.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

„Ich hab eigentlich immer nur auf die Blumen geschaut. Doch jetzt bin ich voll im Gemüseanbau drin“. Wenn Edeltraud Völkl von ihrem Garten erzählt, dann sprudelt es nur so aus ihr heraus. „Ich lebe dafür“, sagt sie. Auch Ehemann Egbert hat sie mit ihrer Begeisterung angesteckt und so hat sich im Laufe der Jahre ein kleines Gartenjuwel am Dorfrand entwickelt. Neue Möglichkeiten boten sich im Frühjahr 2018 auf den zusätzlichen 200 Quadratmetern am angrenzenden Grundstück. Nachdem das Ehepaar durch ein Youtube-Video auf die Permakultur aufmerksam wurde, wollten sie es auf der neuen Fläche damit versuchen. Zur Erklärung: Permakultur (permanent agriculture) ist ein nachhaltiges Konzept für Landwirtschaft und Gartenbau. Es geht darum, natürliche Ökosysteme und Naturkreisläufe nachzuahmen: Eine dauerhafte Kultur, die sich jedes Jahr von selber aussät und gesund heranwächst.

Edeltraud Völkl erläutert den Aufbau ihres Permakultur-Gartens. So wurden als Grundlage zunächst unbedruckte Kartons auf dem Rasen ausgelegt („Regenwürmer fressen gerne Zellulose“) und darauf Gartenabfälle, Laub, Gehölz- und Grasschnitt sowie Pferdemist aufgebracht. Darüber kam Gartenerde und zum Abschluss eine Mulchschicht. So entstanden mehrere Hügelbeete, die vom Aufbau der „inneren Werte“ mit einem Hochbeet zu vergleichen sind. Denn auch hier erwärmt der Rotteprozess (Abbau und Umbau der organischen Substanz) die Erde: „Das fördert das Wachstum, alles geht viel schneller.“ Der neue Gemüsegarten machte gleich im ersten Jahr viel Freude: „Das ist richtig explodiert. Drei Kürbispflanzen brachten beispielsweise rund 60 Kürbisse hervor.“ Für den Windschutz und als „Sonnenfalle“ (für ein optimales Licht-Schatten-Verhältnis) wurden Beerensträucher und Blühstauden gepflanzt. Damit sich die Nützlinge gleich zu Beginn wohlfühlten, brachte Egbert Völkl Totholz und Steinlesehaufen auf die Fläche ein.

Samenfestes Saatgut

Gegärtnert wird zum einen in Mischkultur mit dem bewussten Ziehen von Reihen, und zum anderen durch die Selbstaussaat. Als es 2018 ums Bestellen der Beete ging, wurde deshalb nur samenfestes Saatgut verwendet. Dieses hat den Vorteil, dass es sich selbst vermehren lässt. Eine Saatgutspezialistin aus Schwandorf, die sich der Erhaltung und der Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt verschrieben hat, war dabei eine gute Adresse. Die Völkls besorgten sich bei ihr Samen von Petersilie, Rote Bete, Bohnen, Erbsen, Gelben Rüben, Mangold, Lauch und Tomaten. Damit sich der Kreislauf schließt, werden nun jedes Jahr einige Gemüsepflanzen bis zur Blüte und Selbstaussaat stehen gelassen. Beim Salat praktizierte die Hobbygärtnerin dies schon früher, jetzt kamen noch Bohnen und Erbsen (gut geeignet für Anfänger) dazu. Auch an Rote Bete wagte sie sich heran. Letztere bilden ihr Saatgut aber erst im zweiten Jahr aus.

Ausgereiftes Saatgut ist beigefarben, trocken und hart. Während sich ein Teil von selber im Garten verteilt und im nächsten Frühjahr Jungpflanzen hervorbringt, sichert sich Edeltraud Völkl natürlich auch Samen von gut gewachsenen Exemplaren in Tütchen. Ihre Erfahrung: „Pflanzen, die sich selber aussäen und zu treiben beginnen, sind sehr robust und fest. Die Samen gewöhnen sich immer mehr an unser raues Klima und an den Boden.“ Und sie ergänzt: „Denn wenn die Bedingungen nicht passen würden, dann würden sie ja nicht keimen.“ Die Hobbygärtnerin hat einen weiteren Vorteil entdeckt: „Die Schnecken mögen die robusten Pflanzen nicht so gerne und lassen sie in Ruhe.“

Für 2021 hat sie sich vorgenommen, Samen von den Zucchini zu gewinnen. „Das ist höhere Kunst“, betont Edeltraud Völkl, „denn mit dem Bestäuben und Abdecken der Blüte muss man schneller als die Bienen sein“. Ebenfalls nicht einfach läuft es bei den Möhren, da mit einem Vlies verhindert werden muss, dass sich die Wilde Möhre von der gegenüberliegenden Blumenwiese durch Fremdbestäubung einkreuzt. „Das ist so spannend“, schwärmt die leidenschaftliche Gärtnerin, die sich auch freut, wenn sich Insekten und Kleintiere im Garten wohlfühlen. So entdeckte sie auch schon den seltenen Schwalbenschwanz-Schmetterling. Die Düngung im Permakultur-Garten erfolgt ausschließlich mit organischen Mist und Jauche (Brennnessel/Beinwell) sowie Gesteinsmehl. Dazu kommt die Flächenkompostierung. Für ein gutes Mikroklima sorgt ein Streifen mit Beerensträuchern, wie Aronia, Josta und Schwarze Johannisbeere.

Blumenwiese mit Inseln

Das gartenbegeisterte Ehepaar hat noch ein neues Projekt angepackt: Eine Blumenwiese mit Steininseln vor dem Gartenzaun. In das gefräste, gelockerte Erdreich wurde eine Blühmischung gesät. Im ersten Jahr zeigten sich Mohn, Kornblumen und Raps. „Es hingen Massen von Schwebfliegen am Mohn. Das war ein Traum!“, berichtet Edeltraud Völkl. Erst im Herbst wurde alles mit der Sense abgemäht. Im nächsten Jahr blühten vor allem Hornklee, Wilde Möhre und Natternkopf. „Eine Blumenwiese schaut jedes Jahr anders aus. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.“

Relativ beständig im Hinblick aufs Äußere ist der Ziergarten rund ums Haus mit Gehölzen, Sträuchern und Stauden. Im Schattenbeet dominieren die Farben Weiß und Grün. Denn ein Steckenpferd von Edeltraud Völkl ist die Vermehrung von Funkien mittels Samen. Neu ist eine Kräuterspirale mit auffallend vielen Oregano-Sorten. „Die Auswahl wird nach den Vorlieben der Insekten in Hinblick auf Blüte und Duft getroffen.“ Als Nist- und Überwinterungshilfe für die Nützlinge steht ein selbstgebautes Insektenhotel bereit. Der Garten dient als liebste Freizeitbeschäftigung mit Mehrwert: „Der Gemüsegarten macht mir unheimlich viel Spaß, das kann man gar nicht beschreiben. Frisches Gemüse griffbereit vorm Haus zu haben, einfach rauszugehen und zu ernten, das ist ein Traum.“

Onetz-Artikelverweis:

Weitere Bilder: www.onetz.de/

Ein Garten wie ein Dschungel mit Bepflanzung im Stil-Mix

Schorndorf bei LandkreisCham

Das Buch Oberpfälzer Gartenglück zeigt die Vielfalt des Gartelns in der Oberpfalz auf

Oberpfalz
Edeltraud und Egbert Völkl haben sich am Dorfrand ein blühendes Paradies geschaffen.
Gemüseanbau ist die neue Leidenschaft von Edeltraud Völkl.
Kulturschutznetze im Gemüsegarten verhindern Schädlingsbefall und Fremdbestäubung.
Königskerze und Stockrose sind typische Bauerngartenpflanzen.
Die Terrasse am neuen Haus ist mit pflegeleichten Stauden eingerahmt.
Die Blumenwiese mit Steininseln ist ein Rückzugsort für Insekten.
Ein Insektenhotel mit Fünf-Sterne-Komfort.
Die Aronia (Schwarze Apfelbeere) gilt als neues Superfood aus dem Garten.
Die "Corona-Mauer" im Ziergarten wurde im Frühjahr 2020 in Eigenregie in die Höhe gezogen.
Das Buch "Oberpfälzer Gartenglück - Hobbygärtnern ins Beet geschaut" zeigt anhand 25 Gärten (darunter auch das Anwesen Völkl in Pirk) aus allen sieben Landkreisen die Vielfalt des Gartelns in der Oberpfalz auf.
Hintergrund:

Der Garten von Edeltraud und Egbert Völkl

  • Standort: Pirk bei Oberviechtach (Landkreis Schwandorf)
  • Grundstück: 1200 Quadratmeter
  • Beschreibung: Der Garten am Dorfrand wurde vor rund 25 Jahren naturnah angelegt. Gehölze, Sträucher, Stauden, ein kleiner Teich, Steine und Sitzplätze verströmen ein freundliches Ambiente. 2018 kamen 200 Quadratmeter dazu. Hier wird jetzt Gemüse und Obst in Permakultur angebaut.
  • Nächsten Donnerstag: "Ein Faible fürs Farbenspiel". Renate und Hubert Steger in Gunzendorf/Auerbach im Landkreis Amberg-Sulzbach beheimaten auf dem ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen funktionierende Pflanzen-WG's und testen neue Trends wie ein Kartoffel-Heubeet.

Der Gemüsegarten macht mir unheimlich viel Spaß, das kann man gar nicht beschreiben. Frisches Gemüse griffbereit vorm Haus zu haben, einfach rauszugehen und zu ernten, das ist ein Traum.

Edeltraud Völkl

 

 

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