Die Rückkehr der Königinnen

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Ende April erwachen die Hornissenköniginnen aus ihrem Winterschlaf. Sofort beginnen sie mit der Suche nach einem Nistplatz. Auch Rollokästen kommen dabei in die engere Wahl.

Eine Hornisse im Flug. Sie trägt mit ihren Mundwerkzeugen, den Mandibeln, ein Fruchtstückchen. Hornissen sind die größte Wespenart Deutschlands.
von Christa VoglProfil

Wie gefährlich sind Hornissen? Was soll ich machen, wenn ich ein Hornissennest an meinem Haus entdecke? Darf man es ausräuchern, das Nest selbst entfernen? Was kann ich tun, damit sich Hornissen gar nicht erst an meinem Haus einnisten? Sind Hornissen nicht aggressiv und stichwütig? Josef Ernst aus Münchenreuth bei Waldsassen ist Hornissen-Berater. Er kennt diese Fragen, denn sie werden ihm seit 20 Jahren immer wieder neu gestellt. Und zwar meistens zwischen Ende April und November.

Im April, weil das der Zeitpunkt ist, an dem die Jungköniginnen aus dem Winterschlaf erwachen und sich einen Platz für ihr Nest suchen. Im November, weil dann das Nest verwaist ist und sich die Frage stellt, wie damit zu verfahren ist. Und in den Monaten dazwischen? "Meistens rufen mich die Menschen an, weil sie Probleme mit ein- und ausfliegenden Hornissen an Hornissennestern haben. Ich fahre hin und schaue mir das vor Ort an", sagt der 63-Jährige. Und dann? "Dann berate ich." Wobei das Ergebnis der Beratung immer offen sei.

Nur für Allergiker gefährlich

Denn Beratung könne vieles bedeuten. Zuallererst natürlich Aufklärung der Betroffenen. "Früher hieß es: Drei Hornissen töten einen Menschen. Sieben Hornissen töten ein Pferd. Zwei Hornissen töten ein Kind", sagt Ernst. Eigentlich sei inzwischen bekannt, dass das nicht stimme. Man weiß: Hornissengift ist nicht gefährlicher als Bienengift. Eine Schwellung an der Einstichstelle sowie Schmerzen gehören zur ganz normalen Reaktion des Immunsystems. Allergiker müssen dagegen aufpassen und gegebenenfalls einen Arzt aufsuchen, da sie oftmals heftig auf das Gift reagieren.

Aber das sei die Ausnahme, versichert Ernst und schildert die übliche Vorgehensweise bei einer Beratung: "Hinfahren, sich die Sache anschauen. Es ist vor allem wichtig, mit den Leuten zu reden. Wir haben Broschüren dabei, wir verweisen auf Internetseiten, wir erzählen von unseren Erfahrungen." Oft genug seien einfache Schutzmaßnahmen völlig ausreichend, um während der kommenden Monate ein friedliches Miteinander von Mensch und Hornisse zu gewährleisten. Zum Beispiel mit einem Insektenschutzgitter oder dem Anbringen von Holzbrettern als wirksamen Sichtschutz.

Es gebe aber natürlich auch Fälle, in denen die Umsiedlung eines Volkes notwendig sei. Zum Beispiel wenn sich die Nester an kritischen Stellen im Wohnbereich befinden: In der Nähe des Sandkastens, auf einem viel genutzten Dachboden, im Rollokasten, auf der Terrasse direkt über dem Kaffeetisch. Doch auch das sei dann kein Problem. "Das Landratsamt stellt uns Hornissenkästen aus Holz zur Verfügung. Da hinein kommen die Völker, wenn wir sie umsiedeln müssen", sagt Ernst, der auch Hobbyimker ist und mehrere Bienenvölker in seinem Garten hat. Die Vorgehensweise dabei sei immer gleich: Mit einer Saugvorrichtung werden abfliegende und heimkehrende Hornissen beständig abgesaugt, bei kleineren Nestern reicht oft ein einfacher Kescher aus. Dann wird der Hohlraum geöffnet, das Nest entnommen und mit Hilfe von Heißkleber in die Umsiedlungskiste eingebaut.

Am Ende wird die Kiste verschlossen und zusammen mit den eingefangenen Arbeiterinnen zu einem neuen Standort gebracht. Dieser muss allerdings mindestens drei Kilometer entfernt sein vom alten Nest, da andernfalls die Arbeiterinnen wieder zum alten Standort zurückfliegen. Am Ende wird die Kiste geöffnet und die abgesaugten Arbeiterinnen dürfen wieder zum Nest zurück.

Alternativen zur Umsiedlung

"Pro Jahr habe ich ungefähr so fünf bis sieben Umsiedlungen", erzählt Ernst. Meistens gebe es aber gute Alternativen zu Umsiedlungen. "Hornissen sind nicht so gefährlich. Im Gegenteil, sie sind sogar sehr nützlich." Nützlich vor allem, weil ein großes Volk mit seinen ungefähr 500 Bewohnern bis zu 50 Kilo Insekten pro Jahr vertilgt. Darunter vor allem Insekten, die gerade vom Menschen als "Lästlinge" empfunden werden, nämlich Mücken, Fliegen, Wespen und auch Bremsen.

Dass Hornissen nach wie vor keinen besonders guten Ruf haben, liegt nicht zuletzt an ihrer besonderen Jagdmethode. Denn nur erwachsene Hornissen ernähren sich von Pflanzen- und Baumsäften, die zum Beispiel aus Rindenverletzungen bei Flieder oder Weide austreten.

Die Maden sind jedoch auf Eiweißfutter angewiesen, im vorliegenden Fall sind das Insekten. "Die Hornissen fangen ihre Beute meistens im Flug. Dann setzen sie sich auf einen Ast, zwicken erst den Kopf, dann das Hinterteil des erbeuteten Insekts ab und nehmen das nahrhafte Mittelstück mit nach Hause ins Nest", weiß Ernst. Daher werden die Hornissen oft als "brutale und aggressive Jäger" wahrgenommen, nicht zuletzt, weil auch Sympathieträger wie Bienen oder Libellen auf ihrem Speiseplan stehen.

Trotzdem hat Josef Ernst in den vergangenen Jahren eine Änderung im Verhalten der Menschen gegenüber der Hornisse feststellen können. "Früher ist gleich mit der Fliegenklatsche auf die Hornisse Jagd gemacht worden, wenn sich eine von ihnen in der Küche verflogen hat." Heute würden die meisten Menschen richtig reagieren und das Fenster weit öffnen, damit die Hornisse aus dem Gefängnis heil entkommen kann.

Auf Gift verzichten

Trotz verstärkter Aufklärung und Beratung komme leider auch immer noch die Spraydose mit Gift aus dem Baumarkt zum Einsatz, um Hornissen zu vertreiben. "Das muss aber nicht sein. Man kann ganz einfach am Landratsamt anrufen und dort Bescheid geben. Dann kommt der Hornissen-Berater vorbei und gemeinsam wird nach einer Lösung gesucht", erklärt Ernst. "Gescheiter ist immer die Beratung. Die kostet nichts. Und das Nest kann notfalls umgesiedelt werden."

Apropos Umsiedelung: Eine Erfahrung, die er in den vergangenen Jahren gemacht hat, freut den Imker und Hornissen-Berater ganz besonders: "Wenn man einmal den Leuten die Angst genommen hat und die Nester sich an einer Stelle befinden, die das Zusammenleben zwischen Mensch und Hornisse nicht behindern, dann entscheiden sich die Garten- und Hausbesitzer meistens dafür, doch keine Umsiedlung des Nests vornehmen zu lassen." Und sehr oft bekomme er dann einige Wochen oder Monate später von den betroffenen Familien eine positive Rückmeldung: "Hey, super", heißt es dann meistens. "Hätten wir ehrlich nicht gedacht, dass man so schön mit Hornissen im Garten leben kann."

Auf den Spuren der Wildkatze

Tirschenreuth

Zu den Artikeln der Serie "Natur unserer Heimat"

Josef Ernst aus Waldsassen ist Hornissenberater: „Hornissen sind sehr nützlich.“
Hintergrund:

Hornissen stehen unter Schutz

  • In jedem Landkreis in Bayern gibt es Hornissen- und Wespenberater. Sie bieten konkrete Hilfe und Beratung vor Ort an. Die Beratung und die Umsiedlung von Wespen- und Hornissennestern ist kostenfrei.
  • Hornissen stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere und Pflanzen in Deutschland. Zusätzlich sind die Hornissen durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt.
  • Hornissen dürfen weder gefangen noch getötet werden und auch das Beschädigen oder Versetzen eines Hornissennestes ist verboten und nur mit einer Ausnahmegenehmigung von der Naturschutzbehörde möglich.

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