21.06.2021 - 16:22 Uhr
Neustadt an der WaldnaabBesserWissen

Der Weg zur Geburt: Das leisten Frauenarzt und Hebamme

Mit der Schwangerschaft kommen viele Fragen auf. Wie viele Zusatzleistungen möchte man bei den Routineuntersuchungen? Soll es eine Wassergeburt werden? Eine Entbindung in der Geburtsklinik oder im Geburtshaus? Ärzte und Hebammen stehen mit Rat zur Seite.

Vorsorgeuntersuchungen können nicht nur beim Arzt, sondern auch bei der Hebamme vorgenommen werden.
von Michelle BalzerProfil

Wird eine Schwangerschaft bemerkt, ist der erste medizinische Schritt zunächst die Feststellung beim Frauenarzt. Die Schwangerschaft wird dort in drei Drittel eingeteilt, zu denen unterschiedliche Untersuchungen notwendig sind. Bis zur 30. Schwangerschaftswoche sollte die Schwangere alle vier Wochen zum Arzt. Ist die 30. Woche erreicht sollte die Frau alle zwei Wochen zur Untersuchung. Sobald der errechnete Geburtstermin überschritten ist, sollte die Frau alle zwei Tage zum Arzt.

Susanne Hausdorf, Hebamme in Raum Neustadt/WN, beschreibt die Untersuchungen während der Schwangerschaft wie eine Maschinerie: "Die läuft aber nur so, wenn alles in Ordnung ist und keine Risiken bestehen. Allgemein ist der Plan von Frau zu Frau unterschiedlich und ganz von der Schwangerschaft abhängig." Bei den Untersuchungen gibt es Leistungen, die die Krankenkasse übernimmt, manche müssen extra bezahlt werden. So wird zum Beispiel pro Drittel ein Ultraschall von der Krankenkasse gezahlt.

Zusatzleistungen prüfen

Zu Beginn bekommt die Schwangere ein Infoblatt, auf dem die verschiedenen Leistungen und Untersuchungen stehen - auch welche zusätzlich gemacht werden können. Susanne Hausdorf rät: "Einfach mit dem Arzt reden und sich ehrlich fragen: Welche Extra-Leistungen brauche ich? Was kann ich eher seinlassen? Brauche ich wirklich noch einen Extra-Ultraschall?"

Vorsorgeuntersuchungen können nicht nur beim Arzt, sondern auch bei der Hebamme vorgenommen werden. Es wäre "schön, wenn eine Untersuchung beim Arzt gemacht wird und die zweite Untersuchung dann bei der Hebamme", sagt Susanne Hausdorf. "Einfach ein gesundes Miteinander. Und vier Augen sehen ja bekanntlich mehr als zwei." Hebammen machen bei ihren Untersuchungen keinen Ultraschall. "Meine Hände sind mein Ultraschall", erklärt die 44-Jährige. Wenn die Hebamme bei der Untersuchung etwas Auffälliges findet, ist es ihre Pflicht, die Schwangere zum Arzt zu schicken.

Auf die Suche nach einer Hebamme sollte sich die Schwangere allerspätestens bis zur zehnten Schwangerschaftswoche machen. Susanne Hausdorf betont ausdrücklich: "Wir sind bereits über ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht. Wir haben fast schon Münchener Verhältnisse hier in der Oberpfalz und deswegen muss sich schnell gekümmert werden."

Die Leistungen der Hebamme werden von der Krankenkasse übernommen, manche Zusätze müssen selbst gezahlt werden. In der Schwangerschaft ist die Hebamme dann persönlich für die Frau da und bietet ihr individuelle Betreuung an. Bei Beschwerden, Problemen oder Ängsten steht die Hebamme zur Verfügung. Sie unterstützt auch durch Kurse wie zur Beikosteinführung, Rückbildung, Akupunktur oder auch Taping. "Die wichtigste Botschaft ist aber: Wenn ich nichts von der Schwangeren höre, dann gehe ich davon aus, dass alles passt", erklärt sie.

Geburt mit Arzt und Hebamme

Auch die vielen Optionen der Geburt können mit der Hebamme besprochen werden. "Die werden meist alle in dem Geburtsvorbereitungskurs geklärt", so Susanne Hausdorf. "Wenn Schwangere spezielle Wünsche haben, wie zum Beispiel in einem Geburtshaus zu entbinden oder zu Hause, dann wissen die Frauen das meist schon vorher und haben sich alleine schon top informiert. Doch auch hier muss sich rechtzeitig angemeldet werden", so die Hebamme.

Wird sich für die Geburt in einem Krankenhaus entschieden, ist dort rund um die Uhr die klinische Geburtshilfe gewährleistet. Bei kleineren Häusern sollte sich über die Hebamme zur Geburt angemeldet werden, in größeren Häusern kann normalerweise einfach hingefahren werden. Bei der eigentlichen Geburt gibt es eine Betreuung durch die Hebamme. Das heißt: Die Hebamme leitet die Geburt. Der anwesende Arzt und die Hebamme sind gleichberechtigt. Wenn alles gut läuft, muss der Arzt nicht eingreifen. Sollte es Komplikationen geben, hat die Hebamme die Pflicht, den Arzt mit hinzuzuziehen.

Die Varianten der Geburt können auch in einer Klinik ganz unterschiedlich sein. "Am besten sollte man seine Wünsche ansprechen und das, sobald man in das Krankenhaus kommt", rät die Hebamme. Gebe es zum Beispiel den Wunsch einer Wassergeburt, seien die Indikationen dafür sehr streng. Nur wenn Schwangerschaft und Geburt unproblematisch und ganz natürlich ablaufen sei das möglich.

Allgemein sei die Geburt laut Susanne Hausdorf immer eine impulsgesteuerte und situationsabhängige Reaktion. Hausdorf: "Ich finde es immer gut, wenn die Frau ein Entspannungsbad nimmt, das Becken kreist oder öfter aufs Klo geht. Aber wie es dann ist, das sieht man erst, wenn die Geburt stattfindet. Da bringt es nichts, sich schon Wochen vorher Gedanken zu machen. Gemeinsam haben wir das dann schon immer geschafft."

Erste Schritte: Das ist zu tun während und nach der Schwangerschaft

Weiden in der Oberpfalz
Susanne Hausdorf arbeitet seit 2007 als Hebamme in der Oberpfalz. Ihre Hebammenpraxis "Bauchladen" leitet sie gemeinsam mit einer Kollegin. Seit 2013 liegt Susanne Hausdorfs Schwerpunkt in der Betreuung der Schwangerschaft und im Wochenbett. Diese Betreuung ist bei ihr bis zum Ende der Stillzeit möglich. Außerdem hat Hausdorf Zusatzausbildungen in der Akupunktur, als Pilates-Trainerin und als Kinderentspannungstrainerin abgelegt.

 

 

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