Brennnesseljauche und Co.: So klappt's im Garten ohne Kunstdünger

Mineraldünger tragen dazu bei, dass die Nitratbelastung im Grundwasser zunimmt. Auch in Privatgärten wird oft auf ihn zurückgegriffen. Hobbygärtnerin Cornelia Roth kommt seit Jahren ohne aus. Sie arbeitet mit der Natur - und regelmäßigen Bodenproben.

Unter anderem Tomatenpflanzen brauchen besonders viele Nährstoffe. Cornelia Roth setzt dafür Brennnesseljauche ein.
von Christa VoglProfil

Dass Dünger nicht gleich Dünger ist, davon ist Cornelia Roth felsenfest überzeugt. Durch mehrere Umzüge war die Thumsenreutherin in den vergangenen Jahrzehnten gezwungen, im Garten immer wieder ganz von vorne zu beginnen. Ihr jetziger Garten befindet sich noch in der Entstehungsphase - der letzte war sogar überregional bekannt, zog viele Fotografen und Reisegruppen in seinen Bann, auch ein Aufnahmeteam der Sendung "LaVita" im Bayerischen Fernsehen war einmal zu Gast. Dass sie durch das ständige Planen, Vermessen und Ausprobieren im Laufe der Zeit viel Wissen über Pflanzen und ihre Bedürfnisse gesammelt hat, versteht sich von selbst. Eine Erfahrung zieht sich dabei allerdings wie ein roter Faden durch die verschiedenen Gartenstationen: dass Düngen zwar äußerst wichtig ist, dass man dazu aber keinen Mineraldünger benötigt.

Doch aus welchem Grund sollte der Hobbygärtner auf Kunstdünger verzichten? Zumal seine Handhabung auch für den Laien äußerst einfach ist und viele Vorteile für ihn sprechen: Zum Beispiel der hohe Nährstoffgehalt, die schnelle Wirksamkeit, der Preisvorteil. Cornelia Roth kennt diese Argumente, sie hat sie schon sehr oft zu hören bekommen. Für die Hobbygärtnerin sind die Vorteile der chemisch-industriell hergestellten Nährstoffmischungen jedoch nur scheinbare Vorteile.

Sie steht dem Einsatz von Kunstdünger sehr kritisch gegenüber. "Kunstdünger passt nicht in einen natürlich wachsenden Garten und ist nicht gut für das Bodenleben", ist Roth überzeugt. Viel besser sei es doch, mit der Natur zu arbeiten, ohne den Einsatz von Chemie.

Nitrat im Trinkwasser

Abgesehen von der angesprochenen Verarmung des Bodenlebens im Hausgarten, birgt der Einsatz von Kunstdünger aber noch eine weit größere Gefahr: Wird er übermäßig dosiert, können Pflanzen die darin enthaltenen Nährstoffe nicht aufnehmen, sie werden ausgewaschen. Die Folge: Der Stickstoff sickert durch tiefere Bodenschichten, gelangt in Form von Nitrat ins Grundwasser und damit auch in unser Trinkwasser. Das Beunruhigende daran: Hohe Aufnahmen von Nitrat stellen für den Menschen - insbesondere für Säuglinge - ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar.

Cornelia Roth fällt es leicht, auf Kunstdünger komplett zu verzichten. Schon aus dem einfachen Grund, weil es "genügend gute und natürliche Alternativen dafür gibt". Die Umsetzung dieser Alternativen, so die 65-Jährige, würde nicht nur Spaß machen, sondern vor allem zu vielen positiven Entwicklungen im Garten führen: Gesunde Pflanzen, die sehr widerstandsfähig sind. Ein reichhaltiges Bodenleben. Weniger Schädlinge. Und nicht zuletzt die Fähigkeit des Bodens, mehr Wasser zu speichern und Nährstoffe auf Dauer zu halten.

Allerdings verhehlt die Hobbygärtnerin nicht, dass diese "guten und natürlichen Alternativen" etwas arbeitsaufwendiger sind als das Ausstreuen und Unterharken der kleinen Körner aus der Chemiefabrik. Roth hat dabei die Erfahrung gemacht, das der beste Erfolg mit einer Kombination aus mehreren Mitteln erzielt wird: Kompost aus dem eigenen Garten, Hornspäne, sowie als "zusätzliches Futter für Starkzehrer" abgelagerter Dung oder zugekaufter organischer Gartendünger. Und natürlich nicht zu vergessen: selbst angesetzte Jauchen und Brühen.

Bereits seit Anfang Mai ist in Cornelia Roths Garten die erste Brennnesseljauche "fertig" und seitdem Woche für Woche im Einsatz. Dass das Ansetzen von Jauchen kein Hexenwerk ist, wird spätestens dann klar, wenn Roth mit unverhohlener Begeisterung schildert, wie die Zubereitung dieses selbst gemachten Düngers abläuft. "Ich nehme eine Plastiktonne, in die ungefähr 20 Liter Flüssigkeit passen. Die Tonne fülle ich mit Brennnesseln, aber ohne Wurzeln und ohne Samenstände. Jetzt wird mit Regenwasser bis zum Rand aufgegossen und anschließend das Fass abgedeckt. Es sollte aber nicht luftdicht verschlossen werden."

Und dann? "Jeden Tag einmal mit einem Stock kräftig umrühren. Und falls die Geruchsentwicklung überhand nimmt, einfach einige Handvoll Urgesteinsmehl einrühren. Dann gibt sich das wieder", sagt Roth, die in ihrem Garten vom Frühjahr bis zum Herbst zwei Fässer abwechselnd befüllt und somit immer genügend Jauche vorrätig hat.

Jauche aus Löwenzahn

Übrigens eignen sich sowohl Löwenzahn als auch Giersch zum Ansetzen dieses natürlichen Pflanzenstärkungsmittels. Und das Gute daran: Der Kleingärtner muss diese Kräuter nicht mühevoll auf irgendwelchen Wiesen suchen, sondern findet sie zumeist im eigenen Garten. Je nach Witterung sei dann erfahrungsgemäß nach sieben bis zehn Tagen der Gärungsprozess, der auch oft mit Schaumbildung einher geht, beendet und der Naturdünger fertig. "Ich verdünne die Jauche im Verhältnis 1:5 und gieße damit einmal pro Woche alle Pflanzen, die besonders viele Nährstoffe benötigen, wie zum Beispiel Tomaten, Paprika oder Zucchini", sagt die Gartenliebhaberin.

Am Ende verrät Cornelia Roth noch ein Geheimnis, das maßgeblich zu ihrem beeindruckenden Erfolg im Garten beiträgt: "Ich dünge immer nach Bodenprobe", sagt die Thumsenreutherin und meint damit die passgenaue Düngung nach einer professionellen Bodenuntersuchung. "Die kostet in der Regel so um die 30 Euro und wird inzwischen von vielen Gartencentern, wie der BayWa oder dem Raiffeisenmarkt angeboten", weiß Roth.

Besonders interessant ist diese "Düngung nach Gartenprobe" für alle Hobbygärtner, die sich in ihrem kleinen grünen Reich Jahr für Jahr mit den gleichen Problemen konfrontiert sehen: Erdbeeren, die nur sehr wenig Früchte ansetzen. Gurken, die keine Wuchskraft haben. Oder Rettiche, die "einfach nichts werden".

Auch Cornelia Roth lässt routinemäßig alle zwei bis drei Jahre eine Bodenprobe untersuchen, obwohl in ihrem Garten die meisten Problemfälle bereits gelöst sind. "Das ist eine sinnvolle Investition, weil man dadurch erfährt, ob der Boden richtig versorgt ist, welche Nährstoffe wirklich gebraucht werden, wo es eine Überversorgung gibt." Und das Schöne daran: Oft genug lösen sich im Anschluss daran - fast wie von selbst - die Probleme mit den Erdbeeren, den Gurken oder auch den Rettichen, die einfach "nichts werden wollen".

Der Garten von Cornelia Roth

Thumsenreuth bei Krummennaab

Wildes Eck: Das kleine Biotop im Garten

Tirschenreuth
Cornelia Roth: "Düngen im Garten ist äußerst wichtig. Aber man benötigt dazu keinen Mineraldünger."
Blaukorn ist ein Kunstdünger, der bei Hobbygärtnern nach wie vor hoch im Kurs steht.
Hintergrund:

Das ist Blaukorn

  • Blaukorn ist die umgangssprachliche Bezeichnung des Mineraldüngers Nitrophoska.
  • Er wurde 1927 von der Firma BASF als erster mineralischer Mehrnährstoffdünger oder Volldünger auf den Markt gebracht.
  • Die Hauptnährstoffe sind Nitrat, Phosphat und Kalium.

 

 

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