14.05.2021 - 16:43 Uhr
TirschenreuthBesserWissen

Gegen alles ist ein (Kneipp-)Kraut gewachsen

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Am 17. Mai 2021 wird des 200. Geburtstags von Pfarrer Sebastian Kneipp gedacht. In seiner Heilkunde empfiehlt der "Wasserdoktor" viele Kräuter, die auch in Gärten oder der Natur gedeihen. Wenig bekannt ist dabei wohl die Verwendung der Erdbeere.

Kaum bekannt ist bei den Liebhabern der süßen Früchtchen, dass die Erdbeere und ihr Kraut auch heilende Kräfte haben. Der Naturheilkundler Sebastian Kneipp hat ihre Wirkung erforscht.
von Ulla Britta BaumerProfil

Täglich ein Schoppen Milch und ein halber Schoppen Erdbeeren haben wohltuende und blutreinigende Wirkung: Das ist eine Weisheit, die aus den Lehren des Pfarrers Sebastian Kneipp stammt. Sicherlich gut bekannt ist dieses Rezept heute noch als "Erdbeermilch" in der mittleren und älteren Generation. Versprach die Mutter zum Mittagstisch Erdbeermilch, jubelten die Kinder.

Dass Erdbeermilch in der Rezeptsammlung des Heilkundlers eine wichtige Rolle einnimmt, ist allgemein weniger bekannt. Der Wasserdoktor und Kräuterpfarrer aus Stephansried in Schwaben wurde mehr aufgrund seiner Wasserkuren berühmt. Kneipp hat in seinen vier Säulen auch Kräutern einen großen Stellenwert eingeräumt. Die Kräuterführerin und Kneipp-Gesundheitstrainerin Johanna Zettl aus Tirschenreuth findet manches Kneipp-Kraut in ihrem eigenen Garten.

46 ausgewählte Pflanzen

Pfarrer Kneipp habe die Leidenschaft zu den Kräutern von seiner Mutter in die Wiege gelegt bekommen, sagt sie. Die kundige Frau habe ihren Sohn von klein auf in die hohe Kunst der Heilkunde mit natürlichen Mitteln eingeführt. "Das war vor 200 Jahren", erinnert Johanna Zettl an den diesjährigen, runden Geburtstag Kneipps am 17. Mai. Kneipp habe aus der Fülle der Heilkräuter 46 Pflanzen ausgewählt, weiß die Fachfrau. Damit wollte er dem Laien Zugang zur schier unübersichtlichen Pflanzenheilkunde verschaffen. "Wenn jeder nur ein Dutzend Pflanzen kennt und ihre Wirkung, so kann er viel Unheil vorbeugen und Krankheiten verhüten", zitiert Johanna Zettl den berühmten Pfarrer.

Kneipp, so Zettl, empfehle vier Anwendungen der Kräuter als Tee (pro Tasse so viel wie man mit den Fingern fassen kann), als Tinktur (für die inneren Kräfte), als Pulver (wie Gewürze in den Speisen zu verwenden) und als Öl (um die Wirkstoffe auch hier zu extrahieren). Lang ist die Liste der Kräuter aus unseren Gärten, die in Pfarrer Kneipps 47 Auserwählten vorkommen. Brennnessel, Huflattich, Lindenblüte, Pfefferminze, Spitzwegerich, Schafgarbe, Fenchel, Hafer und andere zählt Zettl auf.

Eines davon mag der Laie gar nicht zu den Kräutern zählen. Tatsächlich sei die Erdbeere sogar "ein wunderbar heilsames Kraut, dessen Früchte ebenso wie die Blätter Verwendung finden als Gesundheitsmittel bei Schwächen der Erwachsenen und Kinder sowie nach schwerer Krankheit". Die Blätter werden getrocknet als Tee gebrüht. "Drei Fingerspitzen fünf bis zehn Minuten ziehen lassen", rät Zettl. Erdbeeren seien auch blutreinigend, berichtet die Kräuterkundlerin von einer weiteren Eigenschaft der roten Beeren.

Schleimlösender Spitzwegerich

Wesentlich unscheinbarer, aber nicht weniger heilsam, hat der Spitzwegerich bei Kneipp einen hohen Stellenwert. "Seine Heilkraft verschenkt dieses Kraut, das in Wiesen wie zufällig und häufig zu finden ist, für die Heilung von schmerzenden Wunden oder bei üblen Insektenstichen." "Der Spitzwegerich kann an seinen Parallelnerven in den Blättern erkannt werden", erklärt Zettl. Als Teepflanze ist Spitzwegerich jeder Mutter im Hustensaft für Kinder bekannt. Schleim- und krampflösend hilft er, Husten, Koliken und Blähungen zu lindern.

Während die Wacholderbeere in der Küche hauptsächlich als Gewürz für Fleischgerichte oder fürs Sauerkraut verwendet wird, hat Kneipp dieser Strauchbeere eine große Heilbedeutung zugeschrieben. Als Kur bei schwachem Magen solle der Kranke "am ersten Tag vier Beeren, am zweiten fünf, am dritten sechs und am vierten Tag sieben Beeren zerkaut" zu sich nehmen. "Danach werden die Beeren beginnend mit sieben an der Zahl abnehmend ein weiteres Mal eingenommen." Jeder hat sicherlich im Sauerkraut versehentlich schon einmal eine Wacholderbeere zerbissen. "Roh schmecken sie völlig anders", sagt Johanna Zettl. Entwässernd und blutreinigend würden die jungen Sprossen des Wacholders als Tee ihre Wirkung gegen Mundgeruch und Migräne entfalten. "Aber nicht zu viel davon verzehren", rät die Fachfrau. Diese Regel gelte sowieso bei der Verwendung aller Kräuter. "Die Dosis sollte nie übertrieben werden." Süß und lieblich kommt die Lindenblüte daher, die Kneipp ebenfalls als Heilmittel empfiehlt. Die Blüten des Lindenbaumes entfalten als Schwitztee ihre Wirkung und können angewandt werden bei Husten, Unterleibsbeschwerden, Erkältungen und Entzündungen. Als Tee seien die Blüten ebenso gut einsetzbar wie als Auflage oder Wickel. "Die Linde blüht im Sommer. Getrocknet geben uns die Blüten im Winter die Wärme des Sommers zurück", schwärmt Johanna Zettl. "Die Lindenblüten tragen manchen wunderbaren Speicher in sich." An einem Sommertag unter einem Lindenbaum übe das Schwirren der Insekten im Baum und der Blütenduft auf den Menschen eine geradezu betörende Wirkung aus.

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Friedenfels

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