12.03.2021 - 00:01 Uhr
TirschenreuthBesserWissen

Gut durchs Gartenjahr ganz ohne Torf

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Die Verwendung von Torf beim Hobbygärtnern steht in der Kritik, weil dadurch einzigartige Lebensräume zerstört werden. Dabei gibt es längst gute Alternativen. Ein Experte gibt Tipps.

Ist das Substrat torffrei oder nur torfreduziert? Im Normalfall genügt ein aufmerksamer Blick auf die Verpackung. Inzwischen haben auch regionale Anbieter torffreie Alternativen im Angebot.
von Christa VoglProfil

Viele werden sich noch gut daran erinnern: Bis weit in die 70er Jahre war es für Hobbygärtner ganz normal, im Garten als Bodenverbesserungsmaßnahme Torferde – oder wie es damals hieß „Torfmull“ - zu kaufen. Meistens im Frühjahr, zu Beginn der Gartensaison, gerne auch auf Vorrat, überwiegend verpackt in großen, quaderförmigen 100 l-Ballen und daher gut stapelbar.

Zwischenzeitlich hat sich an der Torffront viel getan: Heute wird den Hausgärtnern von der Verwendung dieses Naturprodukts abgeraten. Nicht nur deshalb, weil es neue Erkenntnisse in Sachen Bodenverbesserung gibt, sondern vor allem aus Gründen des Umweltschutzes. Aber was hat ein Ballen Torf mit Umweltschutz und der Rettung des Weltklimas zu tun?

Harald Schlöger ist Gartenfachberater für den Landkreis Tirschenreuth. Angesprochen auf das Thema Torf, vertritt er eine klare Position: „Torf ist nicht mehr zeitgemäß.“ Und er erklärt auch, warum das so ist: „Der Torf stammt aus Mooren, die durch den industriellen Abbau des Torfs zerstört werden. Dabei gehen wertvolle Biotope verloren.“ Außerdem, so Schlöger, werden durch den Abbau große Mengen an Kohlendioxid freigesetzt und damit der Klimawandel beschleunigt.

Dabei gebe es mittlerweile gerade für den Hobbygärtner gute Alternativen. „Torf und Torfsubstrate werden zur Bodenverbesserung eingesetzt, aber zwischenzeitlich ist bekannt, dass sie nur eine kurzfristige Verbesserung bringen. Und gerade in schweren Böden verpufft ihre Wirkung sehr schnell. Mit nachhaltigem Gärtnern hat das nichts zu tun.“

Harald Schlöger ist Gartenfachberater für den Landkreis Tirschenreuth: "Torf ist nicht mehr zeitgemäß.“

Der Gartenexperte rät daher in seinen Vorträgen und Beratungsgesprächen seit Jahren zur Verwendung von torffreien Substraten. Inzwischen, so Schlöger, hätten auch die Erden- und Substrathersteller auf die veränderte Nachfrage seitens der Verbraucher reagiert: „Es gibt inzwischen viele Ersatzstoffe, die miteinander kombiniert werden, um die zugegebenermaßen positiven Eigenschaften von Torf bei der Verwendung als Blumenerde – Strukturstabilität, gute Durchlüftung, Wasserspeicher – nachzubilden.“ Alternativen seien zum Beispiel Komposte aus Grüngut, Faserstränge aus Restholz oder Rinde von Sägewerken, sowie Ton und Lava als Zusatzstoffe. Moderne Substrate bestehen aus genau diesen Komponenten, Schlöger spricht von wahren „Erdkompositionen.“

Um selbst einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten – inzwischen kommt Torf überwiegend aus den baltischen Staaten oder aus Russland - genügt im Normalfall ein aufmerksamer Blick auf die Verpackung, denn dort ist die genaue Zusammensetzung des Substrats beschrieben: „Oft lautet der Aufdruck ganz explizit ‚Torffreie Erde‘ oder ‚Torffreies Substrat‘“, erklärt der Gartenfachberater. Nicht eindeutig sei dagegen die Bezeichnung „Bioerde“. Diese könne durchaus auch Torf enthalten und sei in den überwiegenden Fällen nur eine Marketingstrategie der Hersteller, die zur Verwirrung des Käufers beitrage. Ein genauerer Blick auf die Inhaltsliste mit den Bestandteilen des Substrats lohne sich in jedem Fall. "Heutzutage ist es überhaupt nicht mehr schwierig, torffreie Alternativen zu finden, denn „nahezu alle Erdenproduzenten – regionale Anbieter eingeschlossen – haben inzwischen torffreie Erde im Programm“, weiß Schlöger aus eigener Erfahrung.

Durch diesen bewussten Kauf könne sich der Käufer nicht nur gegen den Inhaltsstoff Torf, sondern auch gegen Kokosfaser als Komponente entscheiden. „Kokosfasern werden aus der Rinde und den Schalenresten von Kokosnüssen gewonnen, die Fasern werden verpresst und kommen mit Schiffen nach Europa zur weiteren Verarbeitung“, sagt der Gartenexperte und fügt erklärend hinzu: „Zwar sind die Fasern nur ein Abfallprodukt, aber oft genug muss Regenwald weichen, um Platz für die Anlage von entsprechenden Plantagen zu schaffen. Wer also konsequent denkt, vermeidet auch die Kokosfaserbestandteile aus Übersee.“

Bleibt die Frage, ob der Kauf von Blumenerde überhaupt notwendig ist? Ja und nein, sagt Schlöger. „Ja, wenn ich zum Beispiel für meine Blumenkästen zusätzliche Erde benötige und auf den Zukauf von Substrat angewiesen bin.“ In diesem Fall könne der Verbraucher mit seiner bewussten Kaufentscheidung gegen torfhaltiges Substrat großen Einfluss nehmen. „Aber ein ganz klares Nein, wenn durch die Zugabe von Blumenerde vor allem die Bodenbeschaffenheit in den Beeten verbessert werden soll.“ Denn dafür gebe es nämlich eine weit bessere Alternative: Kompost – und zwar aus dem eigenen Garten.

Doch noch einmal zurück zur Torferde. Langsam geht der Winter zu Ende und bei vielen Hobbygärtnern laufen die Planungen und Vorbereitungen der kommenden Gartensaison bereits auf Hochtouren. Da kommt Harald Schlögers Appell gerade zum richtigen Zeitpunkt: „Wenn jemand etwas aktiv für den Klimaschutz tun möchte, dann sollte er keinesfalls torfhaltiges Substrat verwenden.“ Die Alternative dazu sei ein bisschen teurer. Aber, so ist Harald Schlöger überzeugt: „Das muss es einem wert sein.“

Service:

Spezialkompost ansetzen für Moorbeetpflanzen

  • Normaler Kompost wird immer zu einem pH-neutralen Kompost. Für Pflanzen, die sauren Boden benötigen (etwa Rhododendren, Azaleen, Heidelbeeren und andere Moorbeetpflanzen), kann im Garten Spezialkompost angesetzt werden.
  • Zutaten: Sägespäne, Rindenabfälle vor allem von Nadelbäumen, Nadelstreu (vom Christbaum oder Adventskranz), Kaffeesatz und Laub.
  • Gerade „Problemlaub“ etwa von Eiche oder Nussbaum ist gut geeignet, da es sehr viel Gerbstoffe und -säure enthält.
  • Es ist von Vorteil, wenn das Eichen- oder Walnusslaub zerfasert ist, bevor es auf den Kompost gegeben wird. Das gelingt am besten, wenn man mehrmals mit dem Rasenmäher über die zusammengerechten Blätter fährt. Auf diese Weise verrotten die Blätter schneller und bilden keine Schichten im Kompost.
  • Wichtig ist auch eine gute Durchmischung der Materialien. Später wird der Spezialkompost wie der „normale Kompost“ umgesetzt oder zumindest gelockert für eine bessere Durchlüftung.

Wie man den eigenen Garten auf den Klimwandel vorbereitet

Schwandorf

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.