15.05.2018 - 22:20 Uhr
Deutschland & Welt

Fußball-WM 2018 Seppelt darf einreisen

Russland akzeptiert Akkreditierung - Aber Vernehmung droht

Auf den Journalisten Hajo Seppelt wartet in Russland zunächst eine Vernehmung, ehe er seiner Arbeit bei der Fußball-WM nachgehen darf. Bild: Michael Kappeler/dpa
von Agentur DPAProfil

Berlin. Russland spielt im Fall Seppelt ein seltsames Spiel. Die Regierung lässt den ARD-Dopingexperten nun doch zur Fußball-Weltmeisterschaft, die Justiz will ihn aber nach der Einreise vernehmen. Deutschlands Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte am Dienstag via Twitter mitgeteilt, dass der Journalist "zumindest einreisen darf". Der SPD-Politiker bezeichnete dies jedoch nur als einen "Zwischenerfolg".

"Es überrascht mich sehr", sagte Seppelt, der zu Recherchen in Kanada weilt, der Deutschen Presse-Agentur. Über die Konsequenzen, dass sein Einreiseverbot aufgehoben wurde, ihm bei der Ankunft in Russland aber eine Vernehmung droht, will er "erst einmal mit seinem Sender beraten". Der 55-jährige Berliner hatte mit seinen Dokumentationen "Geheimsache Doping. Im Schattenreich der Leichtathletik" und "Wie Russland seine Sieger macht" wesentlich zur Aufklärung des systematischen Sportbetrugs in dem Land beigetragen.

Russlands Justiz will ihn zu den laufenden russischen Ermittlungen gegen den Doping-Kronzeugen Grigori Rodschenkow vernehmen, sagte die Sprecherin des Staatlichen Ermittlungskomitees in Moskau. Russland habe Deutschland um Rechtshilfe ersucht, um Seppelt zu dessen Enthüllungen über angebliches Doping befragen zu können. Die deutsche Seite habe immer darauf verwiesen, dass der Journalist von seinem Recht auf Zeugnisverweigerung Gebrauch mache.

Die russische Botschaft in Berlin teilte mit, Seppelt sei per Gerichtsbeschluss zur unerwünschten Person erklärt worden. "Diese Reise zur WM wird eine Ausnahme sein", die durch die Akkreditierung der Fifa bedingt sei, sagte Botschaftssprecher Denis Mikerin. Seppelt könne bei der WM ungehindert journalistisch arbeiten, sagte Mikerin demnach. Auch der Fußball-Weltverband Fifa bestätigte, "dass das Visum von Herrn Seppelt für die WM genehmigt" worden sei.

Die Fifa hat im Übrigen die Ermittlung von Doping-Fällen im russischen Fußball noch nicht abgeschlossen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hatte dem Weltverband 34 Proben zur Untersuchung weitergegeben, die womöglich manipuliert sein sollen.

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