18.10.2021 - 16:41 Uhr
MünchenDeutschland & Welt

600 Millionen Euro bis 2035 – Bayern hat jetzt Streuobstwiesenpakt

Streuobstwiesen gelten als besonders artenreich. Die Zahl der dort stehenden Bäume schwindet in Bayern aber trotz des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" weiter. Der "Streuobstpakt Bayern" soll nun für eine Trendwende sorgen.

Hoffentlich wächst der Kirschbaum, der nach dem Runden Tisch „Streuobst“ gepflanzt wurde. Von links der frühere Landtagspräsident Alois Glück, Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler),Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU), Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Norbert Schäffer, Vorsitzender des Landesbund für Vogelschutz, und Richard Mergner, Vorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern.
von Jürgen UmlauftProfil

Der von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einberufene "Runde Tisch Streuobst" hat sich bis 2035 zur Pflanzung von einer Million zusätzlicher Obstbäume in Bayern verpflichtet. Das entspräche einem Zuwachs des aktuellen Bestandes um rund 20 Prozent. Insgesamt sollen während der Laufzeit des Projekts 600 Millionen Euro ausgegeben werden. Die Hälfte davon sind bayerische Landesmittel, der Rest stammt vom Bund und der EU.

Seit 1965 ist die Zahl der Streuobstbäume in Bayern um etwa 70 Prozent zurückgegangen. Die Bestände besser zu schützen, war 2018 bereits eines der Hauptanliegen des erfolgreichen Volksbegehrens "Rettet die Bienen". Mit dem am Montag unterzeichneten "Streuobstpakt Bayern" wolle man dem Verlust von Streuobstflächen entgegenwirken und wieder für einen Aufbau sorgen, erklärte Söder. Der Leiter des runden Tisches, der frühere Landtagspräsident Alois Glück (CSU), nannte die Vereinbarung "einmalig". Von den Landwirten über die Naturschutzverbände bis hin zu den Obstsaftherstellern und Obstvermarktern zögen nun alle an einem Strang. Der Pakt gehe "weit über die reine Unterschutzstellung" der Streuobstwiesen hinaus.

Zusätzliche Fläche von 17.000 Fußballfeldern

Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) sprach von "einem der schönsten Tage, die ich als Minister erleben durfte". Der Pakt schaffe mehr Artenschutz und sichere mehr regionale Wertschöpfung. Der geplante Zuwachs an Streuobstbäumen entspreche der Fläche von rund 17.000 Fußballfeldern. Mehr Wertschätzung für die Arbeit der Landwirte sah Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU). Es zeige sich, dass die Landwirte Partner beim Artenschutz seien.

Klage nicht weiterverfolgt

Mit Freude und Genugtuung nahmen der Bund Naturschutz (BN) und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) die Vereinbarung auf. Beide Verbände werden nun ihre Klage gegen die Streuobstverordnung der Staatsregierung vorerst nicht weiterverfolgen. Diese hatte aus ihrer Sicht zentrale Forderungen des Artenschutz-Volksbegehrens ausgehebelt. "Wir haben jetzt eine Allianz für Streuobst", erklärte der BN-Vorsitzende Richard Mergner. LBV-Präsident Norbert Schäffer nannte den Pakt eine "Trendwende" im Artenschutz. Man lege nun Wert auf eine konsequente Umsetzung. Deshalb ruhe die Klage auch nur. "Wir werden die Bäume zählen", kündigte er an.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.