19.08.2019 - 12:44 Uhr
Deutschland & Welt

"AfD in weiten Teilen nicht demokratisch"

Anton Hofreiter gilt als der grobe Klotz der Grünen: Der Fraktionschef der Partei im Bundestag nimmt selten ein Blatt vor den Bund und ist für seine markigen Sprüche bekannt. In Kemnath gab er Oberpfalz-Medien ein Kurzinterview.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter am Sonntagnachmittag auf dem Kemnather Wiesenfest.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Das Wiesenfest in Kemnath (Landkreis Tirschenreuth) ging in diesem Jahr zum 70. Mal über die Bühne - und erstmals war bei den politischen Kundgebungen auch ein Grünen-Politiker dabei: Anton Hofreiter, Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Deutschen Bundestag. Vor seiner Rede hat er sich den Fragen der Redaktion gestellt.

ONETZ: Herr Hofreiter, die Grünen werden von politischen Mitbewerbern oft als "Feinde" des ländlichen Raums dargestellt. Der Bayerische Finanzminister Albert Füracker schlug am Samstagabend am Kemnather Wiesenfest in eine ähnliche Kerbe. Was halten Sie dem entgegen?

Anton Hofreiter: Das ist Quatsch. Unsere Politik hat das Ziel, den ländlichen Raum zu stärken: mit schnellem und umfassenden Internet, der Anbindung von Ortschaften durch Bus und Bahn, mit Erneuerbaren Energien und einer vernünftigen Landwirtschaftspolitik, die dafür sorgt, dass hochwertige Arbeitsplätze im ländlichen Raum dauerhaft vorhanden bleiben. Da gibt es auch für die Bayerische Staatsregierung noch einiges zu tun, um es mal vorsichtig auszudrücken.

ONETZ: Sie sind in einer Region zu Gast, in der es stellenweise eine regelrechte Phobie gegenüber Windrädern und Windenergie gibt. Wo kann man ansetzen, um einen Bewusstseinswandel herbeizuführen? Oder muss man vor Windkraft wirklich Angst haben?

Anton Hofreiter: Wir müssen uns alle darüber im Klaren sein, dass wir auch weiterhin Energie verbrauchen werden und wollen. Die Klimakrise spitzt sich immer mehr zu, deswegen brauchen wir Alternativen zu Kohlekraftwerken und anderen fossilen Kraftwerken. Und dabei ist die Windenergie ein ganz wichtiger Teil des neuen Energiemixes. Im Idealfall geht man das Thema natürlich als Kommunal- oder Bürgergenossenschaften an, hier gibt es in vielen Regionen Bayerns positive Beispiele. Dann profitieren die Menschen vor Ort auch direkt. Die Erfahrung zeigt, dass Windenergie zwar nicht jeder, aber die ganz große Mehrheit sinnvoll findet.

ONETZ: Demnächst stehen Landtagswahlen in drei ostdeutschen Bundesländern an. Die Wahrscheinlichkeit, dass die AfD zur stärksten Partei werden könnte, ist real. Wie gehen die Grünen mit dieser Perspektive um?

Anton Hofreiter: Ich glaube, dass es entscheidend ist, dass man den Rechtsradikalen keinen Raum gibt und ihnen die Stirn bietet. Es ist wichtig, dass die demokratischen Parteien ihre Unterschiede deutlich machen, und dann nach der Wahl ehrlich und vernünftig miteinander reden. Wir Grüne können mit allen demokratischen Kräften zusammenarbeiten. Und um es ganz deutlich zu sagen: Wir halten die AfD in weiten Teilen nicht für demokratisch. Ich erwarte von allen Parteien, dass sie ohne Rumdeuteln jede Zusammenarbeit mit dieser Partei unterlassen.

Anton Hofreiter auf dem Kemnather Wiesenfest

Kemnath

Finanzminister Albert Füracker (CSU) auf dem Kemnather Wiesenfest

Kemnath
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