Vor einer Woche war Raimund Swobada noch Mitglied der AfD-Fraktion im Landtag, nach seinem Austritt erinnert vor dem Sitzungssaal der AfD nichts mehr an den Mittelfranken. Aus dem Zeitungsausschnitt mit den Portraits der Abgeordneten neben der Saaltür, den sich die Saaldiener zum Kennenlernen aufgehängt hatten, klafft unten rechts ein Loch. Ein dienstbarer Geist hat das Foto Swobodas akausgeschnitten. Da waren es noch 21.
Beinahe hätte am Montag noch einmal jemand die Schere zücken müssen, hätte Fraktionschefin Katrin Ebner-Steiner nicht vor der Fraktionssitzung den Ausschlussantrag gegen den Oberbayern Franz Bergmüller abgesetzt. Illoyalität war dem Gastwirt vorgeworfen worden, weil er sich mit Swoboda und dessen Kritik am Rechtsruck und dem Führungsstil der Chefin solidarisiert hatte. Manche bei der AfD raunen gar, Bergmüller sei der geistige Vater von Swobodas Austritt. Ein Telefonat von Fraktionsgeschäftsführer Christoph Maier mit Bergmüller hatte Ebner-Steiner einlenken lassen. Dabei, so ihre Lesart, habe Bergmüller Gesprächsbereitschaft signalisiert. Hinter verschlossenen Türen geht es dennoch zur Sache. Bergmüller beantragt, über seinen Ausschlussantrag doch abstimmen zu lassen. "Ich wollte das geklärt haben, ich hätte gerne gewusst, wo jeder steht", begründet er. Aus formalen Gründen wird sein Gesuch abgelehnt, er hätte es vor der Sitzung einreichen müssen. Bergmüller glaubt, dass Ebner-Steiner eine Niederlage befürchtet habe. Die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit für den Ausschluss hätte sie nach seiner Einschätzung nicht zusammengebracht.
In der Sitzung wird es immer wieder laut. Auf dem Weg zur Toilette witzelt der dem gemäßigten Lager zugerechnete Markus Bayerbach: "Wir sind gerade beim Gruppenkuscheln." Was an Wortfetzen durch die geschlossene Tür dringt, klingt anders. Nach fast drei Stunden stöckelt Ebner-Steiner resolut vor die Presse und verkündet, dass man Swobodas Kritik mehrheitlich zurückweise und Bergmüller nach in der Fraktion belasse. Man werde "in Zukunft weiterhin konstruktiv zusammenarbeiten", auch mit Bergmüller. "Die Fraktion steht in Zukunft Seit an Seite, wir bekämpfen uns nicht selbst, sondern den politischen Gegner."
Aus Bergmüllers Mund klingt das Fazit anders. Er fordert weiter eine Klärung seiner Zukunft. Von Swoboda habe er sich nicht distanziert, betont er. Auch stellt er klar, dass die Strukturen und das Zusammenwirken in der AfD-Fraktion "noch weiter, tiefer besprochen" werden müssten. "Die Fraktion hat nur eine Zukunft, wenn alle aufeinander zugehen", sagt Bergmüller. Bei Ebner-Steiner habe er wenig Selbstkritik gespürt, dabei gehöre es zum modernen Führungsstil, alle einzubinden. Wenn aber Mitglieder der Fraktion Themen einbrächten und dabei das Gefühl hätten, von der Spitze ignoriert zu werden, "dann ist das schlecht".
Ob er mit Ebner-Steiner noch einmal auf ein Bier gehen werde, wird Bergmüller gefragt. Seine Antwort: "Nein, ganz bestimmt nicht, privat nie mehr." Der Ausschlussantrag gegen ihn sei falsch und unnötig gewesen, das höre er auch aus Rückmeldungen der Partei. "Wer so einen Zinnober lostritt, der interessiert mich nicht mehr", sagt Bergmüller im Gehen noch. Ebner-Steiner hätte keine Berührungsängste. In Bayern gebe es immer einen Grund zum Biertrinken - egal mit wem. "Wir müssen uns ja nicht lieben." Es sieht so aus, als bestünde diese Gefahr in der AfD nicht.













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