Nach den deprimierenden Umfragen der vergangenen Woche hat es Ministerpräsident Markus Söder geschafft, der CSU auf dem Parteitag Mut und Zuversicht für die heiße Wahlkampfphase zu geben. Ob sich auch die Wähler wieder von der CSU überzeugen lassen, steht auf einem anderen Blatt. Denn die Gründe für den massenhaften Liebesentzug sind vielfältig. Sie haben viel mit Enttäuschung und verlorenem Vertrauen zu tun.
Auch wenn Söder in der Migrationspolitik jetzt moderater formuliert, der mit aller Härte, spalterischem Vokabular und Angstmache geführte Asylstreit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei liberal-konservativen Wählern tiefe Spuren hinterlassen. National gesinnte Bürger hat man aber kaum zurückgeholt, weil die CSU gefühlt einmal mehr als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet ist. Dass Parteichef Horst Seehofer entgegen der Losung Söders nach Chemnitz erneut die rechtspopulistische Klaviatur bediente, war zudem nicht hilfreich.
Aber auch Söder selbst hat seinen Anteil am schrumpfenden Zuspruch. Viele nehmen ihm die Blitz-Wandlung zum Landesvater nicht ab. Sein über Jahrzehnte verfestigtes Image als ehrgeiziger Rabauke, dem die schnelle Schlagzeile wichtiger ist als seriöse Politik, hat er als Umwelt- und Finanzminister nicht ganz abstreifen können. Auch einige seiner vielen Initiativen als neuer Regierungschef waren eher auf schnellen Effekt denn auf Nachhaltigkeit ausgerichtet.
Dazu kommt: Eine deutliche Mehrheit der Bayern hat genug von der CSU-Alleinregierung. Damit verstärkt sich der Trend zur strategischen, auf eine bestimmte Koalition ausgerichtete Stimmabgabe. Als potenzielle Partner profitieren davon Freie Wähler und Grüne. Die CSU steht deshalb vor schweren Wochen. Und bei allem Kampfeswillen: Die Tage der bequemen absoluten Mehrheit sind gezählt. Alles andere wäre eine der wundersamsten Wiederbelebungen seit Lazarus.












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