Was macht die Oberpfalz besonders? Wenn man kurz darüber nachdenkt: erst einmal gar nichts. Keine Berge, kein Meer, keine Großstadt. Und trotzdem ist sie Heimat – der Ort, an dem ich groß geworden bin und bleiben will. Aber warum eigentlich?
Da wäre zum einen der unschlagbare Dialekt. „Zougroaste“ – also Zugezogene – haben es mit dem oberpfälzischen „ou“, „ey“ und dem allgemeinen Gebrumme nicht leicht. Aber ganz ehrlich: Bei manchen alteingesessenen Oberpfälzer Originalen bin selbst ich raus. Dann höre ich mir den Satz an, nicke erstmal bedeutungsvoll – und frage anschließend: „Wos houst gsagt?“
Aber die Oberpfalz kann mehr als Dialekt. Von außen betrachtet ist hier wohl nicht viel los. Aber wer erstmal in der Bierzelt-Bubble angekommen ist, kommt vor lauter Terminen kaum noch hinterher. Ein Highlight: Die Kirwa. Und wenn gerade keine Kirwa ist, feiert garantiert irgendeine Feuerwehr, ein Schützenverein oder sonst ein Verein Jubiläum. Das Wichtigste bei den ganzen Festen ist nicht nur das Bier, sondern die Menschen. Man trifft jemanden, ratscht sich fest, geht kurz aufs Klo und braucht dafür zwei Stunden, weil man unterwegs fünf weitere Bekannte trifft.
Und genau das macht für mich die Oberpfalz aus: Am Ende kennt jeder jeden – oder zumindest jemanden, der jemanden kennt. Für Neuigkeiten braucht’s hier kein Internet. Ein bisschen „Altweibertratsch“ reicht völlig. Irgendwer weiß immer was. Und wenn nicht, weiß es halt der Nachbar. Oder dessen Cousine. Oder die Tante des Schwagers der Nachbarin. Und überhaupt: die Nachbarschaft. Klar, ein paar „Grattler“ gibt’s überall. Aber in der Oberpfalz schaut man eben nicht einfach kurz beim Nachbarn vorbei. Nein, man landet in irgendeinem „Haisl“, kriegt ein Kaltgetränk in die Hand und ehe man sich versieht, ist es Mitternacht. Es wird „gegrantlt“, „gschimpft“, gelacht und vielleicht sogar mal gelobt. Wobei ein „Basst scho“ eigentlich schon alles sagt. Mit den Gefühlen muss man es nicht gleich übertreiben.
Mein Fazit: Es braucht keine Berge, Meer oder sonst irgendwas, was die Oberpfalz besonders macht. Es ist ein Lebensgefühl, das echt schwer zu beschreiben ist. Aber die echten Oberpfälzer wern des verstey.
OTon
Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.













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