22.02.2019 - 08:49 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Die AfD und das rechte Maß

Wie sollten wir von Oberpfalz-Medien in unserer Berichterstattung mit der AfD umgehen? Diese Frage stellten wir unseren Lesern. Fünf antworteten und standen mit Angabe von Name und Wohnort zu ihrer Meinung. Warum waren es nur fünf?

Ein Schild mit der Aufschrift „Alternative für Deutschland – Presse“ steht im November 2016 in Ingolstadt vor Beginn des Landesparteitages der AfD auf einem Tisch in der hintersten Ecke des Saals.
von Jürgen Kandziora Kontakt Profil

Da können wir nun munter spekulieren. Hat das Thema vielleicht gar nicht groß interessiert? Hat die Verpflichtung, sich öffentlich mit Name und Wohnort zu seinen Aussagen zu bekennen, manchen davon abgehalten, uns zu schreiben? Oder ist es vielleicht so, dass die meisten Leser es in Ordnung finden, wie in unseren Publikationen über die AfD berichtet wird?

Unter der Überschrift "Journalist trifft auf Rechtspopulist" hatten wir am vergangenen Samstag auf der Leseranwalts-Seite die von den "Neuen deutschen Medienmachern" (NdM) formulierten Tipps zum Umgang mit Rechtspopulisten zur Diskussion gestellt. Diese Hinweise, so die NdM, seien nach Rücksprache mit Experten und der Lektüre einiger Untersuchungen ausgearbeitet worden.

Wir veröffentlichen nachfolgend vier der fünf Zuschriften, die uns in den vergangenen Tagen erreicht haben. Eine Reaktion bringen wir wegen ihrer Wortwahl nicht. Die Redaktion bekam nach dem Aufruf an die Leser auch zwei Mails, deren Verfasser anonym bleiben wollten.

Deutschland und die Welt
  • "Berichtet als neutrale Instanz"

„Sie fragen uns Leser, wie Sie mit der Berichterstattung über die AFD umgehen sollen. Über diese Frage waren wir sehr erstaunt. Haben sich die Regeln des Journalismus geändert? Hintergrund war ein Bericht über Tipps der Organisation ,NdM‘ zum Umgang mit der AFD. Die ,Neuen deutschen Medienmacher‘, in den vergangenen Jahren von der Bundesregierung mit 2,3 Millionen Euro unterstützt, partnerschaftlich verbunden z.B. mit der ,taz‘, der ,Zeit‘, dem ,Spiegel‘, dem ZDF, dem August Bebel Institut, der Amadeu Antonio Stiftung – ist das unabhängig?

Erstaunlich, wie viel Energie aufgewendet wird, Strategien zu entwickeln, wie man mit einer Partei umgehen soll, statt zu hinterfragen und sachlich zu berichten, warum diese Partei in der Wählergunst bei ca. 12 bis 15 Prozent liegt. Man darf voraussetzen, dass sich Journalisten und Redakteure der Verantwortung bewusst sind und unvoreingenommen, deeskalierend, faktentreu, unparteiisch berichten. Den Mainstream zu bedienen sowie vorauseilender Gehorsam sollten tabu sein. Berichtet als neutrale Instanz und traut uns Lesern zu, dass wir durchaus ein Gefühl für Recht und Unrecht haben und ein feines Gespür für Manipulation. ,Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten‘ (Hajo Friedrichs).“

A & P Zinke, 92284 Poppenricht

  • "Berichten Sie, was ist!"

„Meine Meinung zum Umgang mit der AfD ist: Berichten Sie, was ist, und nicht, was sein könnte! Vor allem sollten der AfD nicht Ziele und Absichten unterstellt werden, die nicht belegt werden können. Das gilt natürlich nicht für Kommentare. Die Meinungsfreiheit gilt immer und für alle. Im Übrigen warte ich darauf, dass Sie nach der Meinung der Leser zum Umgang mit der Linkspartei fragen. Die Linkspartei ist ,klar links der Mitte des politischen Spektrums … im Rahmen der Verfassung …‘, also nach der von Ihnen zitierten Definition linksradikal.“

Erwin Niklaus, 92224 Amberg

  • "Gute Leitlinie für Journalisten"

„Als Kind habe ich leidvoll erleben müssen, wohin Deutschland und Europa durch rechtspopulistische Politik geführt wurden. Die ausgewogenen, fundierten Tipps der ,Neuen deutschen Medienmacher‘ sind (...) eine gute Leitlinie für alle Journalisten zum Umgang mit Rechtspopulisten. Sie sollten auch den Lesern und Wählern als Orientierungshilfe dienen, damit der Friedens- und Integrationsprozess in Europa trotz aller Probleme fortgesetzt werden kann.“

Heinz Netta, 92224 Amberg

  • Leserin spricht von "Hetze"

„Dieser Artikel ist an Manipulation nicht mehr zu übertreffen! Um die Leser entscheiden zu lassen, wie mit der Berichterstattung über die AfD umzugehen sei, hätten Sie als Gegenpol einen ebenso langen Artikel über die positiven Aspekte veröffentlichen müssen. Das wäre seriöser Journalismus gewesen. In dieser Form aber tun Sie beziehungsweise die NdM nichts anderes als das, was Sie der AfD unsinnigerweise vorwerfen: Hetze verbreiten! Und zwar gegen eine demokratisch gewählte Partei, die im Bundestag und in fast allen Ländern vertreten ist. Wenn Rechtsradikalismus als ,klar rechts der Mitte ... allerdings im Rahmen der Verfassung bleibend‘ definiert wird, dann sind Grüne und Linkspartei linkspopulistisch und linksradikal. Über diese berichten Sie allerdings ausschließlich positiv.

Natürlich soll über die AfD ebenso berichtet werden, wie über alle anderen Parteien. Was sonst? Aber künftig nicht mehr so reißerisch, abwertend und bösartig wie bisher, sondern neutral. Das sind Sie Ihren Lesern schuldig.“

Elke Wedel, 92259 Neukirchen

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Kommentare

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Joachim Schmidt

Ich äußere diesen Kommentar als wirklich ernstgemeintes Feedback an die Redaktion, auch als Ergänzung zu meinem Kommentar beim ursprünglichen Artikel "Journalist trifft auf Rechtspopulist" https://www.onetz.de/deutschland-welt/journalist-trifft-rechtspopulist-id2634768.html

Den Artikel "Die AfD und das rechte Maß" habe ich von einem Freund per Link geschickt bekommen.

Zitat:
"Da können wir nun munter spekulieren. Hat das Thema vielleicht gar nicht groß interessiert? Hat die Verpflichtung, sich öffentlich mit Name und Wohnort zu seinen Aussagen zu bekennen, manchen davon abgehalten, uns zu schreiben? Oder ist es vielleicht so, dass die meisten Leser es in Ordnung finden, wie in unseren Publikationen über die AfD berichtet wird?"

Meine Antwort:
Warum müssen Sie spekulieren? Für mich klingt dies als Ausrede (Angst vor zu viel Dialog?), um sich weitere Fragen an die Leser zu sparen.
Bei Ihren Fragen fehlt eine wichtige Variante, nämlich die, dass wohl wenige Bürger im Einzugsgebiet als AfD Wähler Ihre Zeitung abonniert haben, wie z.B. ich.
Aber natürlich führt auch die Verpflichtung zur Namensnennung dazu, dass wohl weniger Mitmenschen wagen sich öffentlich zu melden. Aber woran mag das wohl liegen?
Ich versuche hier mal eine naheliegende Antwort: Die Einschränkung des "öffentlichen Debattenraums" nach Mausfeld führt dazu, dass Themen, mit denen die CDU 2002 erfolgreich (!) in den Wahlkampf ging (bitte mal selbst recherchieren), nun plötzlich "im Mainstreamnarrativ" (bewusste Verkürzung) tabu sind, bzw. als rechts/ rechtsextrem und sogar ausländerfeindlich dargestellt werden. Da es auch von vielen "eher links angesiedelten" Aktivistengruppen bundesweit zahlreiche Aufrufe und Aktionen gab, "AfD Sympathisanten" beim Arbeitgeber "zu verpfeifen/anzuzeigen" (Rufmord), um möglichst die Kündigung zu erreichen (siehe die berichteten Aktionen des sog. "Zentrums für politische Schönheit") , können es sich eben nur wenige Leisten, öffentlich Ihre Meinung zu äußern ohne unmittelbare finanzielle Risiken einzugehen oder Repressalien zu fürchten. Ich verweise auch auf das Statement von Stefan Kretschmar zur nicht mehr vorhandenen Meinungsfreiheit. Aber diese offensichtliche Möglichkeit (Angst) ziehen Sie nicht in Erwägung in Ihrer Einleitung. Warum nicht?

Daher vielen Dank an diejenigen, die wichtige und gute Statements öffentlich abgegeben haben.

Die Hauptprobleme aus meiner Sicht bzgl. der Berichterstattung der Oberpfalzmedien über die AfD anhand folgender Beispiele, die auch auf die Sprache/ Wortwahl Bezug nehmen:
1. Diffamierung statt Diskussion / Austausch von Argumenten
Anspielungen statt neutrale Berichterstattung bereits im Titel > "rechtes Maß" / "Rechtspopulisten"
Nur weil andere Medien ebenso tagtäglich Wortspiele/ Anspielungen oder Begriffe wie "Rechtspopulisten" im negativen Sinne gebrauchen (Fragen Sie bitte 100 Leute selbst ob der Begriff neutral, positiv oder negativ behaftet ist), ist dies kein Freifahrtschein und führt eben zu, aus meiner Sicht, berechtigter Kritik.
2. "Unter der Überschrift "Journalist trifft auf Rechtspopulist" hatten wir am vergangenen Samstag auf der Leseranwalts-Seite die von den "Neuen deutschen Medienmachern" (NdM) formulierten Tipps zum Umgang mit Rechtspopulisten zur Diskussion gestellt."
Mein Antwort: Nein, sie haben hier nichts "Zur Diskussion gestellt", sondern lediglich die eben sehr streitbaren Thesen der NdM (und die NdM sind selbst streitbar) unkritisch abgedruckt. Wo blieb die kritische Diskussion zu jedem genannten Punkt? Wo blieb die "Gegenposition" (in welcher Form auch immer).?

3. "Eine Reaktion bringen wir wegen Ihrer Wortwahl nicht."
Für mich als Leser klingt das so: Wir drucken zwar mal diese Kritik, aber wir gehen nicht darauf ein oder nehmen Sie nicht ernst.

Auch muss ich an folgendes denken:
Kritische Stimmen nennen den Ersatz von objektiver Berichterstattung mit Meinungsjournalismus (wie die NeuenDeutschenMedienmacher, bzw. ein wesentlicher Teil fordern) "Haltungsjournalismus".

Anmerken möchte ich an dieser Stelle, dass der Kampf links gegen rechts und auch die immer weiter gehende Spaltung der Gesellschaft ein schon immer bewährtes "Mittel" über die Jahrhunderte war, eben "Teile und Herrsche".

Im Übrigen halte ich den Begriff "Leseranwalt" für einen sehr euphemistisch gewählten, wenn der Kommentar vor den Antworten diese mit dem erwähnten Satz kommentiert: "Eine Reaktion bringen wir wegen Ihrer Wortwahl nicht."

25.02.2019