13.01.2020 - 15:48 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Mit Akribie und Leidenschaft

Beethoven gilt als einer der größten Komponisten aller Zeiten. Sein 250. Geburtstag wird 2020 rund um den Erdball gefeiert. In Amberg verleiht der Spitzenpianist Herbert Schuch im Stadttheater den Klaviersonaten besonderen Glanz.

Beethovens Klaviersonaten zählen zu den bedeutendsten Werken der klassischen Klavierliteratur. Herbert Schuch trifft beim Konzert im Stadttheater Amberg den richtigen Ton. Die Farben des Klaviers formen die Stimmungen und Charaktere mit großer Prägnanz und Leidenschaft.
von Marielouise ScharfProfil

Der Sonntagabend mit den Sonaten Nr. 22 F-Dur, Nr. 26 Es-Dur „Les Adieux“, Nr. 24 Fis-Dur,Nr. 25 G-Dur und Nr. 28 und Nr. 28 A-Dur geriet im Stadttheater zur mitreißenden Berg- und Talfahrt der Gefühle. Neben technischer Perfektion, die heute als selbstverständlich anzusehen ist, nahm Herbert Schuch sich auch Zeit für wunderbar lyrische Momente. Insbesondere in den langsamen Sätzen manifestierte er eine prickelnde Spannung, ließ die Pausen sprechen, gestaltete die Stille mit verhauchenden Tönen. Schuch hat (s)eine ganz eigene Sprache für die großen Klaviersonaten gefunden. Er setzt Akzente, schürft nach dem jeweiligen Charakter, legt Feinheiten frei und formuliert klare Klangfarben.

Blaues Licht auf der Bühne, der Tastenmagier setzt sich an den Flügel. Kaum beginnt Schuch zu spielen, schon spürt man die Leidenschaft, die innige Verbindung mit der Komposition. Ernst und ohne zu romantisieren modelliert Herbert Schuch . Mit Finesse und Fingerfertigkeit nähert er sich dem jeweiligen Werk. Er kann leise und laut, zärtlich und aufbrausend wild. Er gestaltet Melancholisches, Kraftvolles, Humorvolles, fischt nach Gefühlen und Stimmungen und lenkt die Aufmerksamkeit mit schillernd perlenden Fingerläufen zum explodierenden Höhepunkt und rauschhaft-virtuosen Finale. Sein tiefgründiger Stil kommt an, sein exzellentes Spiel überzeugt, seine Beethoven-Interpretationen berühren.

Die Klaviersonate Nr. 28 ist die erste, die Beethovens Spätwerk zugeordnet wird und steht am Ende dieses Konzerterlebnisses. Immer mehr verabschiedet sich der Komponist von den tradierten Formen der Sonate. Die Themen werden breiter, der Umgang mit den Harmonien weitreichender. „Seiner politischen Ideale beraubt und dem stetigen Hörverlust ausgesetzt, schert sich der Komponist nicht mehr um gattungsgemäße Konventionen findet jedoch in seiner Musik neue Wege durch die Lebenskrise.“ steht im Programmheftchen dazu zu lesen.

Herbert Schuch lässt sich auf die Verschiedenartigkeiten an, behält dabei immer das Ganze im Blick. So schafft er ein Gesamtkunstwerk, das nicht nur Klassikfans überzeugt, Die junge Dame am Einlass (Schülerin am Max-Reger-Gymnasium; Instrument Geige) ist ebenfalls stark beeindruckt. Natürlich hört sie in ihrer Freizeit andere Musik, sagt sie, aber die Dynamik des Spiels imponiert ihr schon sehr! Ganz genauso sehen dies die Konzertbesucher und dokumentieren dies mit frenetischem Beifall. Erst nach einer facettenreichen Schumann-Carnaval-Zugabe macht sich das Publikum hochzufrieden auf den Heimweg

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