15.11.2018 - 16:40 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Was Autofahrer wissen wollen: Weshalb Benzin so teuer ist

Weil es nicht regnet, sind Benzin und Heizöl teuer. Die Erklärung wollen Autofahrer nicht recht glauben - trotzdem ist sie wahr, beteuert die Mineralölwirtschaft. Eine Rolle spielt aber auch ein Explosion nahe Ingolstadt.

Ein Wink mit dem Zapfstutzen. Benzinpreise regen derzeit die Autofahrer auf.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Benzin treibt Autos an, und wenn die Preise wie derzeit steigen, befeuert es auch die Diskussion an Stammtischen und Sozialen Netzwerken. Besonders die offizielle Begründung für den aktuell hohen Preis schürt Zweifel: Niedrige Flusspegel sollen die Preise treiben. Vor allem an der tschechischen oder österreichischen Grenze wollen viele das nicht glauben: In den Nachbarländern sind die Preise bei weitem nicht so stark gestiegen.

Alles hängt am Rhein

Und doch bleibt der Geschäftsführer des Weidener Mineralölhandels Deglmann, Christian Flieger, dabei: Der niedrige Wasserstand sorge im Süden Deutschlands für teuren Sprit. Allerdings geht es nicht um irgendwelche Flüsse, entscheidend ist der Wasserstand des Rheins. Der Fluss sei für die Versorgung Süddeutschlands extrem wichtig, weil er die Verbindung zu den großen Öllagern, etwa im Hafen von Rotterdam sicherstellt. "Aktuell können Schiffe nur 25 Prozent des Üblichen laden." Längst gehe es nicht mehr nur um höhere Kosten, die Versorgung selbst stehe in Frage. Im Südwesten mussten einzelne Tankstellen schon vorübergehend schließen, weil der Nachschub fehlte. Wie angespannt die Lage ist, zeigt auch die Tatsache, dass die Bundesregierung die Reserven für Ernstfälle freigegeben hat. Diese stammen noch aus Zeiten des Kalten Kriegs und sollen Deutschland bei Blockaden für drei Monate versorgen. "Die Freigabe hilft aber nur bedingt, weil wir ja kein Versorgungs-, sondern ein Transportproblem haben", sagt Flieger.

Betroffen sei auch die Schweiz. In Österreich gebe es ein starkes Ost-West-Gefälle beim Preis. Der Westen des Landes ist ebenfalls vom Rhein abhängig. Im Osten sei die Lage anders. "Tschechien hat eine völlig andere Versorgungsstruktur", sagt der Experte. Deshalb entwickeln sich dort die Preise aktuell anders. Der Effekt wirke in der Oberpfalz auch deshalb stärker, weil bis zum Sommer über fast anderthalb Jahre die Grundpreise im Vergleich zu Tschechien deutlich niedriger lagen.

Durchaus ein Erfolg

Auch Bayern könnte den niedrigen Rheinpegel besser verkraften, als etwa Baden-Württemberg. Die drei Raffinerien in Ober- und Niederbayern werden über die Transalpin-Pipeline aus Triest versorgt. Seit einer schweren Explosion in der Bayernoil-Anlage in Vohburg bei Ingolstadt ist die Raffineriekapazität aber deutlich gesunken. Nach wie vor wird dort nach der Unfallursache gesucht. Direkt nach dem Vorfall sei nicht absehbar gewesen, wie sich die Versorgung in Bayern aufrecht erhalten lässt, sagt Johannes Heinritzi. Er betreibt in Oberbayern einen Mineralölhandel samt Tankstelle und sitzt im Vorstand des Bundesverbands der mittelständischen Mineralölhändler (Uniti). Es sei ein Erfolg, dass es für den Endverbraucher in Bayern keine Engpässe, keine geschlossenen Tankstellen gab, betont Heinritzi.

Der Händler versichert, mindestens genauso gespannt auf sinkende Preise zu warten wie seine Kunden. "Wir Händler haben überhaupt nichts von den höheren Preisen." Und ihm und seinen Kollegen mache die Arbeit wesentlich mehr Spaß, "wenn man sich nicht ständig für die Preise rechtfertigen muss". Heinritzi sieht inzwischen tatsächlich eine leichte Entspannung. Der Ölhändler verweist auf sinkende Rohölpreise und einen gestiegenen Euro-Kurs.

Auch der Rhein-Pegel sei zuletzt leicht gestiegen, außerdem lasse sich beobachten, dass sich neue Beschaffungswege ergeben, die helfen, das Nadelöhr Rhein zu entlasten. Weniger optimistisch ist Deglmann-Geschäftsführer Flieger. Der Rhein sei als Transportweg für den Süden Deutschlands dauerhaft nicht zu ersetzen. "Der trockene Sommer trifft die Branche inzwischen ähnlich hart, wie die Landwirtschaft." Eine echte Entspannung werde es erst geben, wenn die Pegel deutlich steigen. Und dafür ist einfach viel Regen nötig.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Hans Weber

Hallo.
Kraftstoffpreise hoch - immer.
Kraftstoffpreise runter - nimmer.

Ist doch immer das Selbe, angebliche Gründe für die Erhöhung sind schnell gefunden, jedoch wenn man diese "Gründe" hinterfragt, bleiben ständig Zweifel.

Warum wurde z.B. in Luxemburg der Kraftstoff an den Tankstellen nicht teuerer? Luxemburg liegt bekanntermaßen auch am Rhein und ist von der Schifffahrt abhängig.

Die Begründung mit dem Rheinwasserpegel kann so also nicht gelten !

Die Raffinerie in Vohburg - dragisch - aber Rohölreserven sind auch für solche Fälle frei gegeben worden, und trotzdem ist die Mineralölwirtschaft so dreist und begründet auch hier die hohen Preise mit dieser Explosion - einfach alles recht unglaubwürdig.

Der Rohölpreis ist seit vielen Wochen von 85 auf ca. 65 Dollar / barrel gefallen - keine Entspannung bei den Preisen ist erkennbar in unserer Wirtschaft, aber wehe, wenn ein US-amerikanisches Kupferdachl einen Pfurz lässt, erschrecken die Ölmakler und lassen die Preise seit April 2018 nur in eine Richtung ( oh Überraschung - geht immer nur nach oben ) anschnellen.

Einfach unglaubwürdige Begründungen, weil zu viele Spekulanten sich hier am Ölmarkt bedienen und verdienen.

Traurig aber wahr...

16.11.2018