Amberg
04.11.2018 - 15:51 Uhr

Extrem zähe Liebesgeschichte

"Die Brücken am Fluss" ist eine Liebesgeschichte. Trotz des romantischen Inhalts bleibt die Stimmung zwischen den Musical-Darstellern kühl. Die Aufführung im Amberger Stadttheater hat noch weitere Schwächen.

"Die Brücken am Fluss", ein Musical nach dem gleichnamigen Erfolgsroman von Robert James Waller. Bild: Petra Hartl
"Die Brücken am Fluss", ein Musical nach dem gleichnamigen Erfolgsroman von Robert James Waller.

Los geht's mit Vogelgezwitscher. Auf der Bühne hohe Holzkästen, die den ganzen Abend lang recht öde herumstehen und den seitlich sitzenden Zuschauern den Blick nach hinten verstellen. Etliche Stühle stehen auf der Bühne, die mit viel Bedeutung dekoriert werden. Einmal sind sie Brücke, dann das Zuhause oder auch nur ein Durcheinander im Lauf der Zeit. Immer werden sie mit eigenwilliger Choreographie drapiert. Ab und zu wirkt das komisch.

Die Stimmung kühl und distanziert. Keine Nähe, keine Intimität. Und das, obwohl eine Liebesgeschichte erzählt wird - nämlich die von Francesca und Robert.

Der Fotograf Robert Kincaid ist 1965 für eine Reportage über die überdachten Brücken von Madison County unterwegs. Auf der Suche nach einer dieser Brücken trifft er auf Francesca Johnson. Der Liebe wegen hat sie vor Jahren ihre Heimat Italien verlassen und führt nun in Iowa ein solides, unaufgeregtes Leben als fürsorgliche Mutter und Ehefrau. Als Mann und Kinder für wenige Tage verreisen und sie alleine zurückbleibt, tritt plötzlich der Robert in ihr Leben. Seine Auffassung eines freien und ungebundenen Lebens provoziert und fasziniert Francesca zugleich. Lange verloren geglaubte Sehnsüchte erwachen. Auf dem Spiel steht jedoch ihre Familie.

Unverständliche Texte

Zehn Musikern sitzen im Orchestergraben. Sie spielen Melodien zwischen Jazz, Folk, Country und beinahe Opernarien sind zu hören. Das bringt schon gehörig Volumen an die Gehörgänge, weshalb der Zuhörer die Texte oft nicht verstehen kann. Die Musik ist spannend und unkonventionell komponiert, ohne echte Ohrwürmer, dafür aber prächtig gesungen. Stimmlich präsentieren sich die acht Darsteller von ihrer Schokoladenseite.

Maike Switzer tritt mit der Rolle der Francesca Johnson in die Fußstapfen von Meryl Streep, die in der Film-Version des Stoffes für ihre Interpretation der Rolle für den Oscar und den Golden Globe nominiert war. Switzer meistert ihre Bühnenaufgabe mit Bravour und besticht mit erstaunlichem Stimmumfang. Die anspruchsvollen Lieder singt sie großartig.

Christian Alexander Müller als Robert Kincaid steht dem in nichts nach. Er kommt absolut sympathisch rüber und überzeugt. Udo Eickelmann gibt den wenig aufregenden Ehemann Bud. Die Ehe ist zur Gewohnheit geworden. Alles geht seinen vertrauten Weg. Sohn Michael und Tochter Carolyn (Lukas Weinberger und Nina Bülles) verbringen eigentlich die meiste Zeit damit, sich zu zanken. Harmonisch begegnen sich Anja Gutgesell und Steffen Friedrich als Nachbarspärchen Marge und Charly. Sie, wie auch Laura Schneiderhahn in verschiedenen Rollen, verstehen es ausgezeichnet, die Charaktere lebendig zu zeichnen.

Ensemble harmoniert

Etwas blutleer und blass bleibt die Inszenierung (Christian Alexander Müller) vor der Pause. Bis die Handlung Fahrt aufnimmt und fesselt, dauert es. Die Annäherung von Francesca und Robert ist zwar realistisch, aber extrem zäh. Im Zusammenspiel harmoniert das Ensemble aber zu jedem Zeitpunkt. Auf besondere Musicalhits wartet man, Vorlagen-bedingt, vergebens. Das Orchester spielt unter der Leitung von Heiko Lippmann kraftvoll und dynamisch auf. Tonabmischung, Lautstärke und Balance funktionieren recht gut, wenn auch nicht perfekt. Das können die Mitwirkenden, die mit dem Stück auf Tournee sind, eben nicht zu 100 Prozent leisten. Fazit: "Die Brücken am Fluss" ist kein Mainstream-Musical, aber sicherlich etwas für Liebhaber, die anspruchsvolle Musik zu schätzen wissen.

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.