04.12.2020 - 11:17 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Film ab: Redakteure und Leser verraten ihre besten Filmtipps

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Die kalte Jahreszeit lässt viele Menschen die Abende auf der kuscheligen Couch verbringen. Was ist besser, als dabei einen guten Film zu schauen. Unsere Autorinnen und Autoren verraten ihre besten Tipps.

Unsere Autoren geben die besten Filmtipps.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

"The Dead Don't Die" von Jim Jarmusch

Julia Hammer empfiehlt "The Dead Don't Die".

Julia Hammer

Iggy Pop als Kaffee-süchtiger Zombie, Bill Murray als abgebrühter Kleinstadt-Cop und ein Apokalypsen-Szenario, das so absurd wirkt, dass man es einfach mögen muss. Der Titel lässt es erahnen: Kult-Regisseur Jim Jarmusch hat sich in „The Dead Don’t Die“ an einen Zombiefilm gewagt.

Entstanden ist eine Horrorkomödie voll unterschwelliger Gesellschaftskritik, kleiner Hintertürchen und Metaebenen. Im Zentrum des Films von 2019 steht das kleine Städtchen Centerville. Nachdem Polar-Fracking die Untoten erweckt hat und diese mordend durch die Straßen ziehen, haben die Polizisten Cliff (Murray) und Ronnie (Adam Driver) ein echtes Problem. Hilfe erhalten sie von Tilda Swinton, die als japanophile Bestattungsunternehmerin perfekt in den Streifen passt.

Hemmungslose Szeneneinstellungen kombiniert mit trockenem Witz und dem unschlagbaren Hollywood-Duo Murray-Driver ist der Streifen ein wahres Independent-Highlight, das die Zuschauer mit der Frage zurücklässt: Sind wir alle Sklaven unserer Süchte und Begierden? Zugegeben, der Film ist sicher nicht nach jedermanns Geschmack. Doch wer Bill Murray nach „Zombieland“ wieder einmal in Action sehen will und eine Vorliebe für Horrorparodien hat, sollte sich den 105-minütigen Streifen auf keinen Fall entgehen lassen.

Trailer "The Dead Don't Die"

„Blade Runner 2049“ von Denis Villeneuve

Frank Stüdemann empfiehlt "Blade Runner 2049".

Frank Stüdemann

Es kommt nicht oft vor, dass man die Fortsetzung eines Klassikers genauso gut oder sogar noch besser findet als das Original – vor allem, wenn die Fortsetzung Jahrzehnte nach dem ersten Film in die Kinos kommt.

„Blade Runner 2049“ ist für mich so ein seltener Fall. Er kam erst 2017, also satte 35 Jahre nach dem Original von Regisseur Ridley Scott in die Kinos. Scott war diesmal nur Produzent und überließ dem kanadischen Wunderkind Denis Villeneuve den Regiestuhl – der hatte im Jahr zuvor schon mit „Arrival“ gezeigt, dass er ein Gespür für Science-Fiction hat. Im zweiten Teil ist auch Hauptdarsteller Harrison Ford wieder mit von der Partie, der im ersten Teil den Polizeiermittler Rick Deckard spielte, der in einem düsteren Los Angeles der Zukunft künstliche Menschen (Replikanten) jagt und in den „Ruhestand“ versetzt. Diesmal allerdings geht der halbe Film vorbei, bevor man Ford/Deckard das erste Mal sieht. Hauptfigur ist diesmal der Replikant Officer K (Ryan Gosling), der für die Polizei nun den schmutzigen Job erledigt, den früher Deckard machen musste. Auf seiner Mission kommt er einem besonderen Kind auf die Spur: dem ersten Nachwuchs, den zwei Replikanten auf natürliche Art gezeugt haben. Eine Entdeckung, die die Welt aus ihren Angeln heben könnte ...

Wer der Handlung nicht folgen kann, weil er schon den ersten Film nicht verstanden hat – kein Problem. Allein die umwerfenden Bilder von Kameramann Roger Deakins („Skyfall“) rauben einem den Atem. Und auch wenn Ryan Gosling so viele Emotionen gar nicht zeigt, geht man trotzdem mit ihm auf die Reise seiner Gefühle, von großer Einsamkeit über große Hoffnung bis zur ganz großen Enttäuschung. Ein Meisterwerk.

Kommentar: Dem Kino droht eine Zäsur

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Trailer "Blade Runner 2049"

"Systemsprenger" von Nora Fingscheidt

Madlen "Lotte" Zimmermann empfiehlt "Systemsprenger".

Madlen Zimmermann

Ein realistischer Film. Einer, der das System kritisiert und aufrüttelt. Kein Science Fiction, keine Action und mit Sicherheit kein Film, der für gute Laune sorgt. Dennoch empfehle ich gerade als zweifache Mama „Systemsprenger“.

Es geht um die neunjährige Benni, die durch sämtliche Raster fällt – gespielt von Helena Zengel, die mittlerweile sogar in einen Hollywood-Film an der Seite des zweifachen Oscar-Preisträgers Tom Hanks mitwirkte.

Benni wird in dem deutschen Drama von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben, war auch schon im Jugendheim. Überall kracht es ziemlich, nirgends bleibt das junge Mädchen lange. Von der Förderschule wird sie rausgeschmissen. Dabei will und braucht sie nur jemanden, der bei ihr bleibt. Sie will einfach eine Familie, eine Person, auf die sie sich verlassen kann. Sie sehnt sich nach Nähe. Das kann ihr keiner geben, vor allem die Mama ist überfordert und schiebt Benni immer wieder beiseite. Die Folge sind heftige Wutausbrüche.

Alles in allem: „Systemsprenger“ ist mit Sicherheit kein Feel-Good-Movie. Sehenswert ist er aber dennoch für alle Eltern und Menschen, die im pädagogischen Bereich arbeiten. Für mich als Mama war es interessant zu sehen, wie wichtig ein normaler, geregelter Alltag und ein liebevoller Umgang mit den Kindern ist.

Trailer "Systemsprenger"

"Knives Out" von Rian Johnson

Philipp Mardanow empfiehlt "Knives Out".

Philipp Mardanow

Filme mit großem Star-Aufgebot gehen nicht immer gut. Diese Skepsis hatte ich im Hinterkopf, bevor ich mir „Knives Out – Mord ist Familiensache“ ansah. Mit Daniel Craig („007“), Jamie Lee Curtis (Alien, Halloween), Chris Evans (Captain America in den Marvel-Filmen) und Joseph Gordon-Levitt (Inception) hat der Streifen doch einiges an Kaliber auf der Besetzungsliste. Doch die Befürchtungen waren schnell zerstreut: Das Star-Ensemble läuft in 131 Minuten zur Hochform auf und serviert einen unterhaltsamen und spannenden Mörder-Mystery-Thriller. Die Handlung (Regisseur Johnson hat auch das Drehbuch geschrieben) scheint einem Agatha-Christie-Roman entsprungen: Am Morgen nach seinem 85. Geburtstag wird der Krimi-Autor und Familienpatriarch Harlan Thrombey tot aufgefunden. Die Ermittler sehen sich jeder Menge Verdächtiger gegenüber: von den Hausangestellten bis zu den „lieben Verwandten“, die alle dunkle Geheimnisse mit sich umhertragen und so gar nicht mit den Ermittlern kooperieren wollen. Die Untersuchungen des Mordfalls und die weitere Handlung des Films offenbaren ein Netz aus Lügen, Intrigen und falschen Fährten – und der Zuschauer rätselt fleißig mit. Fazit: „Knives out“ macht beim Zusehen richtig Spaß. Und den scheinen die Darsteller auch bei den Dreharbeiten gehabt zu haben. Es zeigt, was für ein Film entstehen kann, wenn ein Regisseur die Schauspieler aus den ihnen zugeteilten Schubladen lässt. Allein Chris Evans, der sich hier scheinbar seinen Captain America von der Seele spielt und als missratener Sohn und arroganter Schnösel agiert, ist ein Erlebnis.

Trailer "Knives Out"

"Das schönste Mädchen der Welt" von Aron Lehmann

Chris Dotzler empfiehlt "Das schönste Mädchen der Welt".

Chris Dotzler

Ein Jugendfilm – ein deutscher noch dazu. Kaum bekannt und mit dem wenig verlockenden Titel „Das schönste Mädchen der Welt“. Der kann nicht gut sein. Dachte ich – und habe ihn mir angesehen. Ein erstes Mal, ein zweites Mal, ein drittes Mal. Nur, um immer wieder festzustellen, dass dieser Film für mich zu einer der größten Überraschungen der vergangenen Jahre gehört – vor allem, weil die Erwartungen nicht hoch waren.

Was wären alles für tolle Produktionen zu Wahl gestanden, die auf diese Seite gepasst hätten. „Tenet“, der neue Film von Christopher Nolan, den ich tagelang nicht aus dem Kopf bekommen habe. „1917“: Die Handlung in Echtzeit, trotz versteckter Schnitte wirkt er wie eine einzige lange Plansequenz. Ein vergleichbares Erlebnis vor dem Fernseher oder der Leinwand bietet nur noch „Birdman“. Oder „Parasite“, der nach einer Stunde explodiert und sich keinem Genre zuordnen lässt.

Stattdessen lege ich allen, die diesen fabelhaften Film noch nicht gesehen haben, „Das schönste Mädchen der Welt“ ans Herz. Das Versdrama „Cyrano de Bergerac“ wird hier in die Neuzeit übertragen. Die Schauspieler sind ebenso großartig, wie die von ihnen dargestellten Charaktere. Der Erzählton passt die 102 Minuten durchgängig. Fetter Hip-Hop rundet das Ganze ab.

Angelehnt an den Titel könnte ich schreiben: „Der schönste Film der Welt.“ So weit würde ich aber sicherlich nicht gehen. Aber die Regie-Arbeit von Aron Lehmann ist neben „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ für mich der beste Jugendfilm, der bisher erschienen ist.

Trailer "Das schönste Mädchen der Welt"

„Diego Maradona“ von Asif Kapadia

Julian Trager empfiehlt "Diego Maradona".

Julian Trager

Was Diego Maradona den Menschen bedeutet, zeigte sich wieder, als sein Tod bekannt wurde. Millionen Menschen auf der Welt sangen, feierten ihn, trauerten, weinten um ihn. Kein Fußballer vor und nach ihm bewegte die Leute so sehr wie der Argentinier, der in seinem Heimatland und in Neapel zu einem Gott aufstieg. Ein Gott, der so menschlich war wie jeder andere. Einer von uns. Maradona ist der größte Fußballer aller Zeiten. Warum das so ist, zeigt die 2019 erschienene Doku „Diego Maradona“ von Asif Kapadia. Es ist der ultimative Diego-Film. Er konzentriert sich auf seine sieben Jahre in Neapel, in denen alles geschieht, was den Mythos Maradona ausmacht. Weltmeister, italienischer Meister, uneheliches Kind, Drogen, Mafia.

Diego hat verspottete Außenseiter zu Königen gemacht. Dafür wird er bis heute verehrt. Aber der Ruhm hatte seine Folgen. Wenn ein Mensch in solche Höhen aufsteigt, kann er eigentlich nur noch fallen. Und Maradona stürzte so tief es nur geht. Er führte ein Leben zwischen gottverwandt und gottverdammt. Regisseur Kapadia hat das in seinem rund zweistündigen Film beeindruckend eingefangen. Jahrelang hat der Brite recherchiert, hat bis dato unveröffentlichte private Aufnahmen ausgegraben. So sieht man den Menschen Diego wie nie zuvor. Einmal ein schüchterner Junge, der nur davon träumt, Fußball zu spielen. Dann ein junger Mann, tieftraurig und leer, im Wissen, dass er verstoßen wurde. Die Doku zeigt die zwei Seiten von Maradona, vom Fußball. Die wunderschöne und die zerstörerische. Am Ende des Films hat man mit größten Fußballer aller Zeiten vor allem: Mitleid.

Trailer "Diego Maradona"

Beide „Jumanji“-Teile mit Dwayne Johnson

Sabrina Gebhard empfiehlt beide "Jumanji"-Teile.

Sabrina Gebhard

Ich empfehle den Film „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ (2017) und gleich den Nachfolger „Jumanji: The next Level“ (2019). Und das nicht nur weil mein Sohn und ich Fans von Dwayne Johnson sind. Ich habe zu seiner Zeit auch schon gern das Original von 1995 mit Robin Williams gesehen.

Die Fortsetzungen sind nicht nur mit tollen Schauspielern besetzt, wie Dwayne Johnson, Jack Black oder Danny DeVito, sondern sind auch zeitgemäßer, obwohl es natürlich Parallelen und Anspielungen zum Original gibt. Vier Teenager werden unfreiwillig durch ein Videospiel in eine virtuelle Welt gezogen, in der sie ein wildes Abenteuer erleben, mit jeder Menge Action und wahnsinnig viel Witz.

Tolle Filme über eine spannende Reise unterschiedlicher Teenager, die merken, dass sie das alles nur überleben, wenn sie zusammenhalten, egal wie verschieden ihre Charaktere sind.

Sie wachsen über sich hinaus und können alles schaffen, wenn sie es wollen und daran glauben.Absolut tolle Familienfilme für Jung und Alt, die wir als Familie schön öfter als einmal gesehen haben.

Trailer "Jumanji: Willkommen im Dschungel"

Trailer "Jumanji: The Next Level"

"Tenet" von Christopher Nolan

Ralph Gammanick empfiehlt "Tenet".

Ralph Gammanick

Der Anspruch war so hoch, der Hype so gewaltig, dass es eigentlich nur in die Hose gehen konnte. „Tenet“, der Film, der nach dem ersten Lockdown das Kino retten sollte. Ein Action-Reißer vom „Batman“-Regisseur. Also Maske auf und endlich wieder mal ab ins Kino. Und dann das. Gleich zu Anfang ein heilloses Action-Durcheinander zu ohrenbetäubendem Explosionslärm, bei dem nicht so ganz klar ist, wer da gegen wen kämpft und warum Typen so handeln, wie sie gerade handeln. Und warum der Hauptdarsteller gleich mal stirbt. Und dann doch wieder lebt.

Das ist das Problem an „Tenet“, aber auch das Fordernde und Faszinierende: Ständig versucht der Zuschauer, das Gesehene irgendwie einzuordnen. Bei Filmen über Zeitreisen ist das per se schwierig, aber dann kommt auch noch einer wie Christopher Nolan daher, der den Plot schon mal so kompliziert konstruiert und verschachtelt, dass man bei Pinkelpausen rettungslos den Faden verliert. Bei „Tenet“ bemüht man sich vom Start weg, den Faden überhaupt erstmal aufzunehmen.

Grundsätzlich geht es um die Möglichkeit, sich in der Zeit rückwärts zu bewegen. Das führt zu fantastisch absurden Bildern und Szenen, gerade im Finale, wenn einstürzende Hochhäuser in den Himmel wachsen und Explosionen implodieren. Den Plot habe ich dann auch noch entwirrt – dem Internet sei dank. „Tenet“ ist sicher kein einfacher Film und vielleicht noch nicht mal ein wirklich guter. Aber er hat mich heuer gefesselt wie kein anderer. Dieser Tage erscheint er fürs Heimkino. Ich freue mich darauf, „Tenet“ zum zweiten Mal zu sehen. Diesmal wissend und entspannt.

Trailer "Tenet"

"Vivarium" von Lorcan Finnegan

Thomas Dobler empfiehlt "Vivarium".

Thomas Dobler

Ganz normale, junge Leute, die sich das Leben viel bunter ausmalen, als es sich abspielen wird: Gemma (Imogen Poots) ist Lehrerin in einem Vorschulkindergarten, ihr Freund Tom (Jesse Eisenberg) arbeitet als Gärtner. Auf der Suche nach einem gemeinsamen Haus gerät das Paar an den höchst merkwürdigen Makler Martin (Jonathan Aris), der sie in eine Reihenhaussiedlung namens Yonder bringt – was mit „Drüben“ oder auch „Jenseits“ übersetzt werden kann. Hier sieht ein Haus aus wie das andere, von hier gibt es keinen Ausweg.

Bei der Besichtigung des Hauses Nr. 9 verschwindet Martin plötzlich. Tom und Gemma gelingt es jedoch nicht, die Siedlung allein wieder zu verlassen. Notgedrungen bleiben sie in ihrem neuen Haus. Vor der Tür finden sie regelmäßig Kisten mit Proviant und eines Tages plötzlich ein Baby. Dazu die Aufforderung: „Zieht das Kind auf und werdet erlöst.“

Soweit, so phantastisch – oder auch: so realistisch. Denn was die zwei sympathischen jungen Menschen in dieser filmischen Versuchsanordnung erleben, ist das Destillat vieler gemeinsamer Leben, die sich tagtäglich Dorf für Dorf, Stadt für Stadt abspielen. Der Titel des Films, also der Begriff „Vivarium“, stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Behälter für lebende Tiere“. In diesem Fall sind damit wohl Tom und Gemma gemeint, für die der Traum vom Eigenheim in einem metaphorischen Gefängnis endet. Kein Feelgood-Movie also, aber ein gruselig-spannender Augenöffner. Die schräge Psychostudie mündet in einen Schlussakkord, dessen „Erklärung“ dem bösen Geschehen eine zusätzliche nihilistische Note verleiht.

Trailer "Vivarium"

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