05.06.2018 - 20:13 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

"Es gibt keine Besseren als die Chinesen"

China ist in der Oberpfalz wirtschaftlich angekommen. Was bei Grammer noch Zukunft bedeutet, ist in direkter Nachbarschaft des Unternehmens seit 2014 Realität: Die frühere IMA Automation gehört zur chinesischen Joyson Electronic Corp.

Er spricht aus Erfahrung: Eine „riesige Chance“ auf Stabilität und verlässliche Strategie sieht Thomas Ernst, einer der Geschäftsführer der PIA Holding, für die Grammer AG durch den Einstieg der Chinesen.
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Amberg/Ningbo. Zufall? Dieser global tätige Konzern mit mehr als 5 Milliarden Euro Jahresumsatz und 70 000 Beschäftigten hat dieselben lokalen Wurzeln wie der Grammer-Investor Jifeng - er ist nämlich ebenso in der ostchinesischen Millionen-Metropole Ningbo beheimatet. Zweite Gemeinsamkeit: Wie Jifeng versteht sich auch Joyson - durch die Tochter Joyson Electronics - als (inzwischen) international aufgestellter Automobilzulieferer, der nach eigenem Bekunden auf "intelligente Automobilelektronik, neue Energieautomobilelektronik und High-End-Auto-Komponenten" setzt.

Einen hohen Stellenwert im Beteiligungs-Portfolio des rasant expandierenden, in China börsennotierten Konzerns mit mehr als 100 Standorten in über 30 Ländern bilden Robotic und Automation. Auf diesem Feld deutscher Hochtechnologie übernahm Joyson 2011 den "Innovationstreiber für Fahrer-Bediensysteme, E-Mobility und Connectivity", die Preh-Gruppe in Bad Neustadt/Saale. Ende 2014 kauften die Chinesen schließlich mit der Amberger IMA Automation eine Oberpfälzer Hightech-Perle auf. Der hochmoderne Maschinenbauer und Schrittmacher für vernetzte Fertigungsprozesse (Industrie 4.0) ist für Joyson so erfolgreich unterwegs, dass alle Automations-Aktivitäten - nach der Übernahme der österreichischen Firma M & R Automation - unter der PIA Automation Holding GmbH als "strategische Management-Holding" ausgliedert wurden.

Wie geht es heute der IMA Automation Amberg unter dem neuen Markenauftritt PIA, dreieinhalb Jahre nach dem Einstieg der Chinesen?

Thomas Ernst lächelt zufrieden. "Wir hätten keinen besseren Investor finden können", betont der Manager (CSO) der PIA Automation Holding. Der gebürtige Amberger gehört der dreiköpfigen Geschäftsführung mit seinen beiden Vorstandskollegen Johannes Linden (CEO) und Jürgen Ziegler (CFO) an. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien listet Ernst mehr als 10 Millionen Euro Investitionen in den Standort Amberg auf, eine Umsatzsteigerung um mehr als 50 Prozent auf über 60 Millionen Euro und mindestens 100 neue Mitarbeiter bis Ende 2018. "Wir entwickelten uns vom lokalen Privatunternehmen zu einem Global Player. Aus einem einzigen Standort der früheren IMA wurden weltweit neun", sagt Ernst.

Werden die technologischen Blaupausen einfach nach China durchgereicht? Mischen sich die Chinesen ins operative Geschäft ein?

Von Ernst kommt ein klares Nein. "Der Standort Amberg hat keinen direkten Kontakt mit der Joyson Holding. Der Eigentümer legt allerdings mit der PIA Holding die strategischen Ziele fest. Jeder Standort arbeitet dann im PIA-Netzwerk und leistet seinen Beitrag", werde quasi an der "langen Leine" geführt. "Natürlich wollen die Chinesen von uns lernen. Wir zeigen ihnen, wie es funktioniert, aber das ist keine Einbahnstraße." Klar, der Eigentümer schaut auf Rentabilität, monatlich liefert die PIA die relevanten Finanzdaten nach China.

Umgekehrt profitiere man - angesichts der ungeheuren Innovationsgeschwindigkeit - enorm von den kurzen und schnellen Entscheidungswegen des Eigentümers: "Die Chinesen diskutieren nicht lange, sondern probieren aus - und eröffnen uns Chancen am Weltmarkt. Das Geld für die Expansion ist da." Die zwei Standorte in China eröffneten den Einstieg "zum Wachstumsmarkt per se" und führten zu einem "Akzeptanz-Gewinn". Den 44-jährigen Amberger beeindruckt, dass die Chinesen ihre (zielgerichteten) Investitionen langfristig ausrichten: "Meine bisherigen Erfahrungen sind nur positiv. Wir wären heute unternehmerisch nicht da, wo wir stehen."

Und der Abfluss von Know-how?

"In einer globalisierten Welt ist Deutschland keine Insel. Wir leben vom Export." Offenbar lassen sich komplizierte, komplexe und fallspezifisch entwickelte Fertigungsprozesse auch nicht so einfach kopieren ...

Die PIA Automation in Amberg gilt als Spezialist für innovative Montageanlagen und Fertigungslinien.

Info:

Auch aus Ningbo

Ebenfalls in Ningbo ist der Hauptsitz der chinesischen Haitian Group für alle Marken angesiedelt. Der nach Stückzahlen weltweit größte Spritzgießmaschinen-Hersteller unterhält in Ebermannsdorf, Kreis Amberg-Sulzbach, den Fertigungsstandort Haitian International Germany. Auf dem 12 000 Quadratmeter großen Betriebsgelände befinden sich unter anderem zwei Montagewerke. (cf)

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