10.02.2021 - 15:51 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Haustier-Boom: Wegen Corona auf den Hund gekommen

Ob Labrador, Golden Retriever oder Dackel: Während der Pandemie scheinen sich mehr Leute als sonst einen Hund oder ein anderes Haustier anzuschaffen – auch in der Oberpfalz ist die Nachfrage immer noch groß. Nur ein Ort merkt davon nichts.

Die Corona-Pandemie lässt die Nachfrage nach Hunden und Tieren steigen. Doch die Tierheime in der Oberpfalz schauen genau hin, um für die Tiere ein sicheres zuhause zu finden, das ihnen auch nach Lockdown und Homeoffice erhalten bleibt.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

"Wir haben eine sehr hohe Nachfrage im Moment – in allen Bereichen", erklärt Silvia Simon, Mitarbeiterin im Tierheim Amberg. Der Tier-Boom durch die Corona-Pandemie ist längst auch in der Oberpfalz angekommen. Jeden Tag werde nach Hunde-Welpen gefragt, sagt Simon. "Das Telefon klingelt und klingelt den ganzen Tag." Ein umstrittener Trend, auf den auch der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) gegenüber der Nachrichtenagentur dpa hinweist: "Die Nachfrage ist extrem. Quer durch alle Rassen", sagt der Vorsitzende des rheinland-pfälzischen Landesverbandes, Herbert Klemann.

Die Züchter würden mit Anrufen regelrecht "bombardiert" und könnten gar nicht so viel züchten, wie nachgefragt werde. Gerade in den letzten Wochen, seit der Verlängerung des Lockdowns, habe der Andrang auch im Tierheim Amberg nochmal zugenommen. Doch was passiert mit den Hunden und Tieren nach dem Ende von Lockdown und Homeoffice?

Tierheim Amberg schaut genau hin

Um möglichst gut zu verhindern, dass die jetzt vermittelten Tiere dann lange Zeit unbeaufsichtigt zuhause bleiben oder schlimmstenfalls sogar auf der Straße oder im Tierheim landen, schauen die Mitarbeiter im Tierheim Amberg ganz genau hin, an wen sie momentan Tiere vermitteln. Silvia Simon erklärt: "Wir machen Einzeltermine, führen Vorgespräche. Wir schauen ganz genau hin und fragen explizit danach, wie es nach Corona mit dem Tier weitergeht, ob der Wunsch für das Tier schon länger besteht."

Menschen, die sich wenig Gedanken um die Zukunft des Tieres gemacht hätten, reagierten dann oft aggressiv und energisch auf die Fragen der Mitarbeiter, erzählt Simon. "Das Problem ist, dass die sich dann oft anderweitig ein Tier beschaffen." Viele würden Hunde über das Internet erwerben. Mike Ruckelshaus, Leiter Tierschutz Inland bei der Tierschutzorganisation Tasso im hessischen Sulzbach, warnt gegenüber der dpa: "Gerade der illegale Online-Welpenhandel boomt." Die "meist aus Osteuropa stammenden Wühltischwelpen" seien oft krank und viel zu früh von der Mutter getrennt.

Wer sich einen Hund anschaffen möchte, sollte sich bewusst sein, dass er ein Familienmitglied ist, sagt Silvia Simon. "Wichtig für uns ist, dass der Hund möglichst wenig alleine ist. Natürlich soll er auch mal ein paar Stunden allein sein können, aber halt nicht acht Stunden jeden Tag." Wer den Wunsch nach einem Hund hegt, sollte sich außerdem Gedanken über die Rasse machen. "Vielen Leuten ist die Rasse egal. Aber die Hunde haben unterschiedliche Bedürfnisse: Ein Jagdhund braucht eine ganz andere Beschäftigung als eine französische Bulldogge." Auch der Wohnort, die Aktivität der Besitzer und die Kosten für Futter, Tierarzt und Versicherung sowie Steuer sollten bei der Wahl eines Hundes berücksichtigt werden. "Man sollte sich keinen Hund anschaffen, nur weil man jetzt gerade Zeit hat. Hunde werden zwischen 11 und 16 Jahren alt."

Nur noch schwierige Fälle im Tierheim Schwandorf

Auch im Tierheim Schwandorf ist die Nachfrage nach wie vor groß, wie Birgit Hiltl bestätigt. "Vor allem Katzen und Hunde werden angefragt." Die Leute, die sich für ein Tier interessieren, würden auch in Schwandorf extrem genau begutachtet. "Es sind aber wirklich auch viele dabei, die schon Erfahrung haben und auf der Suche nach einem zweiten Tier sind. Manche suchen auch nach einem Ersatz für ein verstorbenes Tier." Tiere wären im Tierheim Schwandorf nach wie vor da, bei den Hunden seien es aber vor allem schwierige Fälle, die erfahrene Hundehalter benötigten.

Kein Ansturm in Weiden

Nur in Weiden ist auch während des zweiten Lockdowns nichts von einem Ansturm auf die Tiere zu spüren. Genau wie bereits bei einer ersten Nachfrage von Oberpfalz-Medien im vergangenen Jahr kann Jutta Böhm vom Tierheim Weiden keinen vermehrten Andrang feststellen. "Hunde haben wir im Moment sowieso nicht zu vermitteln und bei den Katzen ist die Nachfrage wie sonst auch." Nur die Art der Vermittlung sei jetzt eben Corona-konform und mit Einzelterminen gestaltet. Auch "Gassigeher" und "Katzenstreichler" müssen im Tierheim Weiden auf die öffentlichen Besuchszeiten verzichten.

Nachfrage nach Tieren während des ersten Lockdowns

Amberg
Hintergrund:

So viele Hunde wurden zur Hundesteuer angemeldet

  • In Amberg waren 2019 1512 Zur Hundesteuer angemeldet. 2020 waren es nur ein paar Hunde mehr: 1526.
  • In Weiden waren 2019 1760 Hunde zur Hundesteuer angemeldet. 2020 waren es 1950 Hunde. Ein Anstieg von rund 10,8 Prozent. Einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen der steigenden Gesamtzahl angemeldeter Hund und der Pandemie, möchte die Stadt Weiden nicht abschließend bestätigen.
  • In Tirschenreuth sind derzeit 420 Hunde gemeldet. Im Jahr 2019 wurden 54 Hunde angemeldet, im Jahr 2020 waren es 53 Hunde. Im Jahr 2021 bis 4. Februar 14 Hunde.

 

 

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