24.05.2018 - 11:17 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

"König Ödipus" im Stadttheater

Bodo Wartke glänzte bei seinem Solo-Theater „König Ödipus“ in 14 Rollen. Aber immerhin ergänzte noch ein Handpuppen-Kuschellöwe als Sphinx das „Ensemble“.

Bodo Wartke spielt im Stadttheater Amberg "Ödipus" und schlüpft in 14 Rollen.
von Marielouise ScharfProfil

Das Stadttheater Amberg ist rappelvoll. Sehr viel junges Publikum interessiert sich plötzlich für "Ödipus", das alte Griechendrama des Klassikers Sophokles, das durch Warnke ganz neue Aspekte bekommt. Es dreht sich schon um das grausame Schicksal des jungen Mannes, Sohn des Königs Laios von Theben und dessen Gattin Iokaste. Da das Orakel von Delphi dem Vater geweissagt hatte, das Kind würde ihn, den König, töten und dann die Mutter heiraten, wird Ödipus nach seiner Geburt ausgesetzt. Er landet in Korinth bei den Adoptiveltern: König Polybos und dessen Frau Merope. Volljährig macht er sich auf dem Weg nach Theben, erschlägt Ödipus König Laios - nicht ahnend, dass er gerade seinen leiblichen Vater gemeuchelt hat.
Wenig später gelingt es Ödipus, das Rätsel der Sphinx zu lösen und sie somit aus Theben zu vertreiben. Dafür erhält er als Belohnung vom amtierenden König Kreon dessen Schwester, die auch gleichzeitig die Witwe des erschlagenen Laios ist, zur Frau. Das Schicksal nimmt seinen Lauf...Wartke findet in seinem 'Ödipus Rex' die richtige Mischung aus Komik und Dramatik, aus Reclam-Heft und eigener Dichtung. Einmal reißt es das Publikum vor Lachen von den Stühlen und wenig später kann man eine Stecknadel im Saal fallen hören, während Iokaste ihre Worte der Trauer flüstert.
In sanftem Sandbeige sind Schuhe, Hose, Hemd und Weste. Die Kappe auch, die Kind und Königskrone markiert, die längs und quer aufgesetzt wird, die meist auf dem Kopf sitzt, aber auch in den schwarzen Bühnenraum gefeuert wird. Im Hintergrund der Flügel, an dem der Schauspieler gekonnt klimpert und singt. Dann wieder spielt Wartke auf der Mundharmonika das Lied vom Tod in Theben. Beim "Battle" zwischen Ödipus und Kreon bearbeitet er das Cajón. Der Pest-Blues erklingt und das Publikum darf beim Stichwort "König" dann "Ödipus" ergänzen und dabei mit den Armen winken. Mittels Licht und Schatten werden Szenen aufgepeppt, Spielorte wie das "Orakel von Delphi", "Theben", "Korinth", oder einfach "eine hohle Gasse" abgegrenzt.
Das Publikum kann am Ende der Aufführung, deren dramatische Abgründe und komödiantischen Höhen Wartke mit Gespür auslotet, des Laios' Entsetzen auf die Frage von Iokaste "Wat haste?" mit amüsiertem Gruseln nachempfinden. Für die Zitate aus Rumpelstilzchen und Hamlet lohnt sich genaues Hinhören.
Bodo Wartke schafft es in 120 Minuten, 11 Szenen, 6 Liedern und mit nur neun Requisiten - darunter eine Schirmmütze, eine Handpuppe, eine Sonnenbrille, ein Schwert, ein Cajón und ein Klavier sowie den typischen Wartke-Zutaten - intelligente Wortspiele und elegante Reimkaskaden - den 14 handelnden Personen der Tragödie Leben einzuhauchen ohne die Glaubwürdigkeit der Geschichte mit seiner humorvollen Adaption zu untergraben. Es kommt keine Sekunde Langeweile auf. Dafür gibt es minutenlang stehende Ovationen während Bodo Wartke noch die charakteristische Verbeugung aller beteiligten Figuren spielt.

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