Amberg
11.11.2018 - 18:09 Uhr

"Können Sie den Zauber nicht wieder von mir nehmen?"

Musik unerfüllter Liebe: Werke von Mahler, Brahms und Wagner mit dem Fauré-Quartett und Annette Dasch in Amberg.

Das Fauré Quartett mit Annette Dasch im Stadttheater Amberg. Bild: Wolfgang Steinbacher
Das Fauré Quartett mit Annette Dasch im Stadttheater Amberg.

Es war ein kammermusikalischer Liederabend angekündigt, der sich um das Thema "unerfüllte Liebe" ranke und in der Kombination von Brahms düsterem Klavierquartett mit Liedern von Gustav Mahler und Richard Wagner eine bewegende Faszination ausstrahle. Mit Ovationen dankt das begeisterte Publikum im Amberger Stadttheater dem "Faure"-Klavierquartett und der Sopranistin Annette Dasch am Ende für einen kammermusikalischen Abend der Extraklasse.

Brahms reflektiert in seinem Klaviertquartett Nr. 3 c-moll op. 60 die unerfüllte Liebe, die ihn seit der ersten Begegnung zu der 13 Jahre älteren Clara Schumann hinzog. Und die Düsternis des Werkes, die in dem Bekenntnis Brahms ihren Ausdruck findet: "Denken Sie sich dabei einen, der sich gerade tot schießen will", ist wohl auch der Grund dafür, dass dieses Quartett nur selten zu hören ist. Das Fauré-Quartett aber versteht es, die einzelnen Sätze in einer beeindruckenden, faszinierenden Geschlossenheit und großen emotionalen Spannungsbögen lebendig werden zu lassen.

Virtuos und stimmig

Erika Geldsetzer (Violine), Sascha Frömbling (Viola), Konstantin Heidrich (Cello) und Dirk Mommertz (Klavier) präsentieren sich dabei sowohl als beinahe schlafwandlerisch sicher aufeinander eingespieltes Ensemble mit bestechendem virtuosen Selbstverständnis, als auch als Musiker, die sowohl die quälerischen Intentionen des Werkes, wie auch die lyrischen Momente des Andantes, die trotzige Dynamik des Scherzo und die leidenschaftlichen Ausbrüche der Kopfsätze in starken Emotionen zum Klingen bringen. Die Brahms eigene Dominanz des Klaviers lässt stets Raum für das kongeniale Miteinander der Streicher. Es war eine kluge Entscheidung, die einzelnen umfangreichen Quartettsätze einzeln wirken zu lassen, und dazwischen Lieder von Gustav Mahler aus "des Knaben Wunderhorn" und "Lieder eines fahrenden Gesellen", den "12 Gesängen " und den berühmten "Wesendonck-Liedern" von Richard Wagner zu platzieren.

Bewegende Liedgestaltung

Diese Lieder werden durch die Interpretation von Annette Dasch (Sopran) zu einer Sternstunde großer Liedkultur. Dasch, die an den Opernbühnen in ganz Europa gefragt ist, präsentiert sich als eine Liedgestalterin, die mit ihrer Stimme "spielen" kann, die kleinste Nuancen ebenso "über die Rampe" bringt, wie sie dramatische Emotionen stressfrei und immer "stimmlich frei" zu gestalten vermag, und die mit dezenter Mimik die Liedinhalte noch unterstreicht. .Hilfreich ist dabei, dass im (kostenlos) verteilten Programmheft die Texte nachzulesen sind. So kann das Publikum den Liedern in ihrer Intimität und ihren Leidenschaften folgen und die Gestaltung durch die Sängerin bewundernd "genießen". Denn obwohl es sich durchwegs um die gesangliche Schilderung unerfüllter Liebe handelt: die Interpretation aller Mahler-Lieder ist von einer zwingenden Intensität, einer gesanglichen Gestaltungs-Variabilität, die bewegt, in Bann zieht und begeistert, und bei denen das Fauré-Quartett durch die sensible Mitgestaltung der ideale Partner ist.

Lieder für Mathilde

Und Wagners "Wesendonck-Liedern", aus einer unerfüllten Liebesbeziehung zu Mathilde von Wesendonck in den Jahren 1857 und 1858 entstanden, werden durch ihre Gestaltung zu einem begeisternden Erlebnis. Wenn, beispielsweise, in "Schmerzen" ein fast hymnisches "Gloria" im strahlenden Forte klingt und die Schlusszeile: "O wie Dank ich, dass gegeben solche Schmerzen der Natur" in ekstatischer Leidenschaft endet, dann geht das einfach berührend "unter die Haut". Kein Wunder, dass nach ihren letzten Tönen bei Mahlers "Scheiden und Meiden" zunächst sekundenlang atemlos-gespannte Stille herrscht, bis ein wahrer Begeisterungssturm über die Sängerin und das sie kongenial unterstützende Quartett hereinbricht.

Ohne Zugaben wird das Publikum nicht beifallsmüde, und mit einem weiteren Lied aus Mahlers "Wunderhorn" und dem wunderschön schlicht gesungenen Brahms-Lied "Da drunten im Tale" endet der Abend.

 
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